Dystopie bedeutet als literarisches Genre die Darstellung einer zukünftigen Gesellschaft, in deren Zusammenleben verschiede negative Aspekte wie Unterdrückung bestimmter Gruppen, Verbot gewisser, typisch menschlicher Verhaltensweisen und Ansichten sowie absolute Kontrolle durch eine meist diktatorische Gruppierung vorherrschen. In ihrer negativen Ausrichtung unterscheidet sich die Dystopie somit von der Utopie, in der sich das Zusammenleben durch überhöht positive Aspekte auszeichnet.

Obwohl die Handlung einer Dystopie, auch negative Utopie oder Anti-Utopie genannt, grundsätzlich in der Zukunft verortet ist, beziehen sich ihre Themen oft auf einen Missstand der heutigen Gesellschaft. So kann eine Dystopie auch als indirekte Kritik des Autors an aktuellen Themen wie (Daten-)Überwachung des Individuums, maximale Kontrolle und lähmende Bürokratie ausgeübt durch den Staat sowie Macht- und Geldgier bestimmter Gruppierungen verbunden mit Korruption, Unterdrückung, Umweltzerstörung und (teils körperliche) Ausbeutung des Individuums betrachtet werden.

In der Literatur werden Dystopien oft auch als Subgenre anderer Kategorien wie der Phantastik (Fantasy und Science Fiction), Thrillern oder Horror betrachtet. Die bekanntesten dystopischen Romane sind „1984“ von George Orwell, „Schöne neue Welt (Brave New World)“ von Aldous Huxley und „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury, die zwischen 1932 und 1953 erschienen. Weitere beliebte Dystopien neuerer Zeit sind z. B. „Der Report der Magd“ (Margaret Atwood), „Alles was wir geben mussten“ (Kazuo Ishiguro) oder „Die Möglichkeit einer Insel“ (Michel Houellebecq). Auch deutschsprachige Autoren schreiben vermehrt im Genre der Dystopie, so z. B. Juli Zeh mit „Corpus Delicti“ oder Clemens J. Setzt mit „Indigo“.

Nicht nur bei Erwachsenen erfreuen sich die Dystopie wachsender Beliebtheit. Auch Autoren von Kinder- und Jugendliteratur haben festgestellt, dass bei jungen Lesern das Interesse an dystopischen Szenarien immer größer wird und vermehrt Dystopien als Schullektüre eingesetzt werden. Ein Grund für diese Entwicklung könnte das Bekanntwerden des Genres durch die Trilogie „Die Tribute von Panem“ (Suzanne Collins) aus den Jahren 2008 bis 2010 sein, der weitere Reihen folgten wie „Starters“ und „Enders“ (Lissa Price), „Méto“ (Yves Grevet) oder „Cassia & Ky“ (Ally Condie).

Auf der Suche nach zeitgemäßen Stoffen, die aufgrund ihrer Gesellschaftskritik und Zukunftsorientierung eine Faszination auf den Zuschauer ausüben, bedienen sich auch Drehbuchautoren und Regisseure gerne der Inhalte dystopischer Romane. Neben der erfolgreichen Verfilmung der „Tribute von Panem“-Reihe basieren z. B. viele dystopische Filme auf Literaturvorlagen des amerikanischen Science Fiction-Autors Philip K. Dick.

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