Was sind Entwicklungsromane?

Wie der Name „Entwicklungsroman“ vermuten lässt, handelt es sich bei dieser Romangattung um eine Erzählung, in der die Hauptfigur eine wichtige geistig-seelische Entwicklung durchlebt. Meist ist der Protagonist heranwachsend und männlich, und aus seiner Sicht wird die Geschichte geschildert, d.h. der Entwicklungsroman ist meist in der Ich-Form geschrieben. Der zentrale Konflikt der Hauptfigur kann sowohl in ihr selbst liegen als auch im Zusammenhang mit ihrer Umwelt stehen; meist steht der Protagonist mit beiden in Konflikt, aus dem er nach Lösung aller Probleme gereift hervorgeht. Das Scheitern spielt oft eine große Rolle im Entwicklungsroman: Der Held erlebt etwas Negatives, das er einordnen und überwinden muss. Nicht immer gelingt ihm dieses Überwinden; der Reifungsprozess kann auch darin bestehen, dass der Erzähler einsieht, dass er Dinge falsch gesehen, falsch eingeordnet oder falsch gemacht hat, und daraus resultierend einen neuen Weg für sein Leben einschlägt.

Eng verwandt mit dem Entwicklungsroman ist der Bildungsroman, wobei in letzterem jedoch davon ausgegangen wird, dass der Protagonist am Ende der Entwicklung einen höheren Bildungsstand als vorher erreicht hat. Im Entwicklungsroman ist dies nicht zwingend der Fall.

Ein besonders bekannter Entwicklungsroman ist „Der Fänger im Roggen“ von J. D. Salinger, in dem der Ich-Erzähler Haulden Caulfield über einen Schulverweis und seine darauf folgende Odyssee durch Manhattan berichtet.

Da der Entwicklungsroman vor allem in der deutschen Literatur weit verbreitet ist, haben namhafte deutschsprachige Schriftsteller sich in diesem Genre hervorgetan. So zählen zum Beispiel „Siddharta“ von Hermann Hesse, „Homo Faber“ von Max Frisch, „Die Blechtrommel“ von Günter Grass und „Der Zauberberg“ von Thomas Mann zur Gattung Entwicklungsroman.

Im Entwicklungsroman spielen Jugendliche und ihre Schwierigkeiten während der Zeit des Erwachsenwerdens eine besondere Rolle. Daher sind die Themen, die im Entwicklungsroman angesprochen werden, besonders für ein jugendliches Publikum interessant. In der jüngeren Vergangenheit sind daher eine Reihe von Jugendromanen erschienen, die sich dem Genre Entwicklungsroman zurechnen lassen. Vor allem Schul- und Internatsgeschichten handeln vom Erwachsenwerden, den Schwierigkeiten mit sich selbst und den Mitmenschen zu dieser Zeit und stellen den Reifeprozess der Haupt- und Identifikationsfigur dar. Die Harry-Potter-Reihe lässt sich somit ebenfalls in dieses Genre einordnen und kann als der erfolgreichste Entwicklungsroman bezeichnet werden.

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