Eine mehrere Generationen einer oder mehrerer Familien umfassende Geschichte bildet den Generationenroman: Vor dem Hintergrund der Entwicklung der Familie werden auch gesellschaftliche Entwicklungen und Zusammenhänge geschildert. Anders als im verwandten Gesellschaftsroman stehen im Generationenroman jedoch die Familie selbst, ihre unterschiedlichen Generationen und die Verbindung und Konflikte der Familienmitglieder untereinander im Vordergrund. Oft schildert ein Generationenroman Aufstieg und Fall einer ganzen Familie.

Der Generationenroman erfreut sich spätestens seit Thomas Manns „Buddenbrooks“ großer Beliebtheit, und etliche Neuveröffentlichungen sind diesem Genre zuzuordnen. 2011 gewann mit „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ von Eugen Ruge ein Generationenroman über das Leben vor, in und nach der DDR den Deutschen Buchpreis. Dieser Roman ist vor allem deswegen ein typischer Vertreter seines Genres, weil in ihm eine Familie vor dem Hintergrund drastischer gesellschaftlicher Wandlungen versucht, ihr Glück zu finden und sich in den ständig ändernden Umständen möglichst positiv zu positionieren – was jedoch nicht immer gelingt. Wie im Generationenroman üblich haben auch hier die Handlungen und Unterlassungen einer Generation weitreichende Auswirkungen auf alle nachfolgenden Generationen. Dies macht es der Generation der Enkel oft schwierig, eine aktive Haltung einzunehmen, da ihre Handlungsmöglichkeiten oft durch weit vor ihrer Geburt getroffene Entscheidungen eingeschränkt sind.

Weitere typische Vertreter des Genres Generationenroman sind beispielsweise der von Kritikern und Publikum gefeierte Welt-Bestseller „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen, „Es geht uns gut“ von Arno Geiger und „Die Mittagsfrau“ von Julia Franck. Gerade in der deutschen Literatur wird der Generationenroman oft genutzt, um sich mit der jüngeren Vergangenheit und deutschen Geschichte auseinanderzusetzen und sie von der abstrakten Geschichte der Schul- und Lehrbücher zur Geschichte von Familien und somit Menschen zu machen. Durch die Schaffung dieser Identifikationsfiguren wird ein Nebeneffekt durch den Generationenroman erreicht: einem jüngeren Publikum, das die Gegenwart prägende zeitgeschichtliche Ereignisse selbst nicht miterlebt hat, werden diese auf eine sehr zugängliche Weise geschildert und in ihren eigenen Erlebnishorizont integriert.

Ahnen (Anne Weber)

Sehr persönliche Zeitreise in die deutsche Vergangenheit Wer sich als Deutscher mit seiner Herkunft auseinandersetzt, kommt nicht umhin, sich mit der Verknüpfung zwischen Landes- und Familiengeschichte auseinanderzusetzen und der Frage […]

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