Roman in Fragen (Padgett Powell)

Roman in Fragen

Cover zu Roman in Fragen

Ein Roman, der nur aus Fragen besteht? Was soll das sein? Geht das überhaupt? Kann man das lesen? Und noch wichtiger: Will man das? Kann eine Kette aneinandergereihter Fragen überhaupt einen Sinn ergeben? Und wer interessiert sich für so etwas?

 

Roman in Fragen? Genau das.

Ok, die letzte Frage ist einfach. Dass es einen Roman gibt, der nur aus Fragen besteht, hat mich zunächst an die Fragebögen von Max Frisch erinnert, deren gezielte Konfrontation des Lesers mit sich selbst mich schon beim ersten Lesen vor vielen Jahren fasziniert hat. Dass es gelingen sollte, einen ganzen Roman in Fragen zu formulieren, konnte ich mir zwar nicht ganz vorstellen, aber meine Neugier war so sehr geweckt, dass ich es natürlich sofort haben musste. Und als ich es dann in Händen hielt und nur mal eben reinschauen und die ersten zwei, drei Fragen ansehen wollte, konnte ich es schon nicht mehr aus den Händen legen.

Tatsächlich besteht dieses kurze Buch ausschließlich aus Fragen, die an den Leser gerichtet sind. Wie bei Max Frisch auch gibt es viele Fragen zu Einstellungen und zur eigenen Sicht auf die Welt. Ganz automatisch beantwortet man sich beim Lesen diese Fragen, wodurch das Buch natürlich nicht gerade zum Page-Turner wird, aber einen viel mehr erfahren lässt, als auf den knapp 200 Seiten steht.

Können Sie alles auflisten, wovor Sie Angst haben, oder ist es leichter, alles aufzulisten, wovor Sie keine Angst haben, oder haben Sie vor gar nichts Angst, oder haben Sie im Wesentlichen vor allem Angst?

Darüber hinaus aber schafft Padgett Powell es, durch die gestellten Fragen etwas über denjenigen durchscheinen zu lassen, der da versucht, seinen unbändigen Wissensdurst an uns zu stillen. Anfangs scheinbar wahl- und ziellos zwischen verschiedenen Themen hin- und herspringend, kehrt er immer wieder zu Fragen zurück, die um eine Rückschau auf das geführte Leben, Krankheit und den eigenen Tod kreisen. Und überraschenderweise ergeben die Fragen als Ganzes zwar keine Geschichte, wie man sie von einem Roman erwarten würde, aber doch einen Sinn.

Werden Sie mir meine Unverschämtheit verzeihen? Könnte ich Sie dazu mit der Nachricht überreden, dass ich vielleicht zu viel von meinen Schmerzpillchen gegen die bevorstehende Entscheidung, ob meine gerade stattgehabte Biopsie bösartig ist oder nicht, genommen habe?

Daneben gibt es traurige Fragen, lustige, bizarre, zum Grübeln bringende, taktlose und etliche, die einem ein Lächeln ins Gesicht bringen (oder deren Beantwortung das gleiche tut).

 

Die Antworten gibt man selbst

Bleibt die Frage, ob es sich lohnt, das zu lesen. Das hängt natürlich davon ab, was man von einem Roman erwartet. Wem eine spannende Geschichte mit einem erkennbaren Plot das Wichtigste ist, der wird sich vielleicht schwer tun mit diesem Buch. Für mich ist jedoch ein gutes Buch eins, das mich immer wieder dazu bringt, über das nachzudenken, was ich gelesen habe. Und in diese Kategorie fällt Powells „Roman in Fragen“ auf jeden Fall.

Wenn man das Ganze nicht wie eine Geschichte lesen möchte, kann man sich die gestellten Fragen einfach selbst beantworten und dabei vielleicht etwas Neues über sich erfahren (Nein. Ja. Liebe ich, jederzeit und in allen Varianten. Nein. Weniger. Auf jeden Fall. …). Und manchmal bringt einen eine gut gestellte Frage viel weiter als die beste Antwort.

Infos zum Buch

Roman in Fragen (The Interrogative Mood)
Padgett Powell
192 Seiten
Erstausgabe 2012, Berlin Verlag

 

 

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