Die dunkle Seite des Mondes (Martin Suter)

Cover Die dunkle Seite des Mondes

Cover Die dunkle Seite des Mondes

„Die dunkle Seite des Mondes“ ist der zweite Teil aus Suters „Neurologischer Trilogie“. Die anderen beiden Teile „Small World“ und „Ein perfekter Freund“ behandeln die Themen Alzheimer und Amnesie. „Die dunkle Seite des Mondes“ rundet die Trilogie ab, deren zentrale Themen schleichende Persönlichkeitsveränderung und Orientierungslosigkeit sind. Der Titel dieses Kriminalromans spielt auf das Album „The dark side of the moon“ von Pink Floyd an. In diesem Album verarbeitete die Band Drogenkonsum und Verfall ihres Mitglieds Syd Barret. Eine Lektürehilfe zu „Die dunkle Seite des Mondes“ mit Interpretation, Inhaltsangabe und Abituraufgaben sowie ein Begleitbuch mit Klausurhilfen sind bereits erschienen.

Anfang von Die dunkle Seite des Mondes

Martin Suter selbst sagt, dass ihm der erste Satz eines Romans wichtig ist. In „Die dunkle Seite des Mondes“ ist ihm dieser besonders gut gelungen. Als perfekter Vorbote auf die folgenden Geschehnisse lautet er:

„Kein Problem“, antwortete Urs Blank freundlich und stellte sich vor, wie er Dr. Fluri ohrfeigte, „dazu bin ich schließlich da.“*

Die dunkle Seite des Mondes – Handlung

Urs Blank arbeitet als Wirtschaftsanwalt, der es aufgrund harter Arbeit zu einer angesehenen Position in einer erfolgreichen Kanzlei gebracht hat. Nun steckt er jedoch in einer beruflichen Krise. Diese Orientierungslosigkeit bietet die Voraussetzung dafür, dass Blank offen für Neues ist und förmlich danach sucht. Er trifft auf die Lebenskünstlerin Lucille, die ihn sofort fasziniert.

Lucille, die ausreichend Erfahrung mit Drogen besitzt, überredet Urs nicht nur zum Rauchen von Joints. Gemeinsam nehmen sie an einem meditativen Wochenende teil, um einen Pilz-Trip auszuprobieren. Urs konsumiert dabei ungewollt einen unbekannten Pilz, der nachhaltig seine Persönlichkeit beeinflusst. Er verfällt zunehmend in einen egozentrischen Zustand und nimmt sich selbst mehr und mehr als Gefahr für seine Mitmenschen wahr. Vor allem sein Gewissen scheint nicht mehr so zu funktionieren wie zuvor.

(ACHTUNG: WER DAS BUCH LESEN WILL, SOLLTE DEN FOLGENDEN TEIL ÜBERSPRINGEN – WEITERLESEN AB DER NÄCHSEN KLAMMER.)

Blank sucht Hilfe bei seinem Freund, dem Psychiater Alfred Wenger. Dieser rät Blank, den Trip zu wiederholen, um sein Verhalten währenddessen umzukehren. Das Experiment schlägt jedoch fehl, da die Bedingungen nicht dieselben sind: Der unbekannte Pilz, den Blank während des ersten Trips genommen hatte, fehlt dieses Mal. Ergebnis: Blanks Gewissen meldet sich nicht rechtzeitig, sondern zu spät – nachdem er bestimmte Taten begangen hat.

Wenger rät Urs, sich in einer Privatklinik zu erholen. Während dieses Aufenthalts entdeckt Urs seine Beziehung zum Wald. Er scheint wie besessen von diesem Thema und verschlingt sämtliche Literatur, die er dazu finden kann. Zwischenzeitlich trifft Blank in der Klinik auf Pius Ott, der ihm aus Spaß an Machtspielen einen Pilz servieren lässt, dessen Wirkung er sich selbst nicht sicher ist. Die Begegnung endet im Eklat: Urs Blank ohrfeigt Pius Ott.

Urs Blank begibt sich auf die Suche nach dem Pilz, der während des ersten Pilztrips seine Persönlichkeit nachhaltig verändert hat. Heimlich kehrt er zurück in seine alte Kanzlei, um im Internet nach Informationen zu suchen. Er zieht sich in den Wald zurück, in dem er von nun an lebt. Er täuscht seinen eigenen Tod vor, doch in der Kanzlei entdeckt man seine Fingerabdrücke. Da man einen Skandal befürchtet, werden die Ermittlungen behindert. Pius Ott, Partner der Kanzlei, sinnt auf persönliche Rache.

Urs gelingt es schließlich, den Pilz zu finden und den Trip zu wiederholen. Pius Ott findet Blank jedoch im Wald und es kommt zum Zweikampf. Urs hat die Gelegenheit, Ott zu erstechen. Er tut es nicht, obwohl er sich darüber im Klaren ist, dass Ott ihn erschießen wird. Durch Blanks Tod wird deutlich, dass der erneute Pilz-Trip die von Wenger vorhergesagte Wirkung einer Umkehr hatte und somit erfolgreich war. Am Ende wird Pius Ott festgenommen und die Kanzlei schließt.

(AB HIER WEITERLESEN)

Spannung

Im Laufe der Handlung von Die dunkle Seite des Mondes wechseln immer häufiger Szenen, Personen und Perspektiven. Verwirrung und somit auch Spannung baut Suter auf, indem er darauf verzichtet, die handelnden Personen beim Namen zu nennen. Der Krimi funktioniert insofern, als der Leser wissen will, wie Blank reagiert, wenn er wieder einmal in eine Situation gerät, die ihn aus dem Gleichgewicht bringt. Und natürlich fragt man sich: Gibt es ein Happy End und wie könnte ein solches überhaupt aussehen?

Die dunkle Seite des Mondes: Stil

Suters Stil ist klar und präzise. Als ehemaliger Werbetexter arbeitet er nach der Devise, dass ein Text perfekt ist, wenn der Autor kein Wort mehr streichen kann.

Charaktere

Mehr zu den Figuren und ihren Beziehungen zueinander: Charaktere in Die dunkle Seite des Mondes und ihre psychologische Deutung

Fazit über Die dunkle Seite des Mondes

  • Plus: Fans von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ werden das Motiv der zwiegespaltenen Persönlichkeit mögen. Wen interessiert, wie ein moderner Robinson im Wald sein Überleben sichert, ist hier gut bedient. Die Beschreibungen der Natur sind gespickt mit gut recherchierten Details und haben es geschafft, mich beim Lesen an die jeweiligen Orte zu versetzen. Das Buch lässt sich aufgrund seiner angenehm aufgeräumten Sprache gut weglesen.
  • Minus: Das größte Manko, das wir in unserem Buchclub festgestellt haben: Es ist schwierig, sich vollends mit der Hauptfigur des Urs Blank zu identifizieren. Vermutlich hätte Suter sich bei der Vorbereitung weniger auf die Details eines Pilztrips und des Überlebens im Wald konzentrieren sollen. Stattdessen hätte eine genauere Ausarbeitung seines (Anti-)Helden gutgetan.

Infos zum Buch

Die dunkle Seite des Mondes
Martin Suter
Erstausgabe 2000, Diogenes Verlag
315 Seiten

Zitierte Textstelle S. 5

 

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20 Kommentare

  • Sven

    Hallo ich habe diesen Text gelesen und auch das Buch, von der Schule aus.

    Mir ist da was unklar:

    „Er tut es nicht, obwohl er sich darüber im Klaren ist, dass Ott ihn erschießen wird. Durch Blanks Tod wird deutlich, dass der erneute Pilz-Trip die von Wenger vorhergesagte Wirkung einer Umkehr hatte und somit erfolgreich war. Am Ende wird Pius Ott festgenommen und die Kanzlei schließt.“

    1.nehmt ihr an das Black sich darüber im klaren ist, das Ott ihn töten würde oder woran amcht ihr das fest?
    2.Ob der Trip funktionert hat kann man auch nich zu 100% sagen, man könnte doch auch davon ausgehen, das es nicht funktioniert hat und Urs das weiß, keinen Ausweg mehr sieht und sich deswegen umlegen lässt? oder?
    3. Ob Ott festgenommen wird weiß ich nicht, glaub ich aber nicht, im buch selbst steht nur er hat seine Waffe abgegeben, mehr nicht. Ott ist nicht dumm, er würde einfach sagen,(falls man die Leiche findet) das Urs ihn angegriffen hat jeder würde das glauben also war es notwehr und dafür würde er nicht in den knast kommen, abgesehen davon ist Ott ein verdammt hohes und Reiches Tier in seiner Welt die landen eigentlich nicht so einfach im knast^^. Oder?

    • Sina

      1. Natürlich weiß Blank das Ott ihn tötet, wehr sich aber nicht da es sowieso kein zurück in ein normales leben gibt.
      2. Der Trip hat funktioniert sonst würde Blank nicht zögern und Ott sofort töten.
      3. Wäre es Notwehr hätte er ihn nicht vergraben…er wurde ziemlich sicher verhaftet.

  • Pascal

    Hallo Sven,

    ich habe das Buch ebenfalls im Schul-Unterricht gelesen und interpretiere das so:

    1. Es ist gut möglich, dass Blank die Absichten Otts gut kennt. Schließlich hat Ott ihm von seiner Leidenschaft, der Jagd erzählt. Und Ott ist ein Perfektionist was die Jagd angeht. Er gibt erst auf, wenn sein Opfer erledigt ist. Somit müsste Blank sterben um das Ziel von Ott zu erreichen.
    2. Natürlich kann man nicht zu 100% sagen ob der Trip funktioniert hat. Aber Martin Suter hat gezielt die Stelle so geschrieben, dass der Leser den Ausgang selbst deuten muss. Fakt ist, dass Blank nach seinem 2. Pilztrip (fast) kein Gewissen mehr hat und jeden tötet, der sich ihm in den Weg stellt. (Deshalb auch das Messer „never hesitate“ = nie zögern). Blank konnte Ott nach dem Treffen im Eschengut sowieso nicht mehr austehen, er hätte also keine Hemmung Ott zu töten. Aber er hat es nicht getan. Er stand einfach da und hat gelächelt. -> Wer zuletzt lacht, lacht am Besten. Blank hat sein Ziel erreicht, er hat seine Moral wieder erlangt. Ihm war es möglicherweise egal, getötet zu werden, aber erst wenn er sein Ziel erreicht hatte.
    3. Ott wurde mit Sicherheit festgenommen. Wenn auch nur in Untersuchungshaft. Wenn Ott einfach behaupten würde, Blank hätte ich angegriffen, würde sich aber trotzdem die Frage stellen: Was hatte Ott im Rubliholz zu suchen? (Ist dieses Gebiet überhaupt ein zugelassenes Jagdgebiet?). Außerdem ist Ott dem Polizist Blaser bereits negativ aufgefallen, da er mit seinem Pickup zu schnell unterwegs war. Man kann nur vermuten, welche Folgen auf Ott zukommen können, jedoch denke ich nicht, dass er nur mit einem blauen Auge davon kommt.

  • Satanas

    Halt Stop: Die dunkle Seite des Mondes ist nicht der dritte, sondern der zweite Teil von Sutters „Neurologischer Trilogie“ !!!!

  • Sarah

    hi können Sie mir sagen ob Urs blank ein Narzisstisch ist?
    wir müssen in die Schule ein Erörterung machen über Blank als Narzisstisch.
    Können Sie mir bitte helfen.?

    • Sophia

      Ein „Narzisstisch“? Nein, Blank ist kein florales Möbelstück.

      • Wunderknabe

        Metaphorisch gesehen schon:
        die Natur (hier die Narzissen) verbunden mit einem aufwendig herzustellenden (sowie die gesunde Psyche Blanks) , dementsprechend teurem (Bezug nehmend auf Blanks Reichtum), Möbelstücks(Symbol für Erzeugnisse von Menschenhand und deren Seelenlosigkeit).

  • Urs

    Ott wurde außerdem auch deshalb verhaftet (wie ist offen gelassen). Da die Kanzlei sicherlich wegen den Insidergeschäften der Versicherungs Fusion geschlossen wurde. Ott war daran beteiligt und wird mit den Doktoren der Kanzlei sicherlich eine gefängstrafe erhalten. Allerdings Schätze ich die Persönlichkeit Pius Ott so ein, das er statt ins Gefängnis lieber ebenfalls Selbstmord begehen würde….

    • Interessante These, wobei ich Pius Ott vom Typ her eher so einschätze, dass er für Selbstmord zu größenwahnsinnig und selbstverliebt ist.

      • Urs

        Leider erfahren wir es nie… Oder zum Glück 😉
        Ich könnte mir denken das seine „Ehre“/“stolz“/“Ego“ nicht zulassen würde eingesperrt zu sein. Aber wer weiß…

        • Stephanie

          Ich denke nicht, dass er sich umgebracht hätte. Wie oben schon beschrieben hatte er viele Kontakte und war finanziell bestimmt gut gesättigt. Ich schätze ihn als Jäger und sehr ambitionierter Wirtschaftsheini nicht so ein, dass er einfach aufgegeben hätte…

  • Urs

    Hallo Sarah,
    Narzisstisch könnte er sein, da er nur Maßanzüge und ein teures Auto fährt und deshalb wahrscheinlich ist, das er Bestätigung sucht bzw Bewunderung durch andere. Ich denke das er seit seiner schwierigen Kindheit immer eine psychische Störung (Narzissmus kann ein Teil des ganzen sein muss aber nicht) in sich trug. Auch sein Passwort „kotz“ lässt darauf schließen das er schon immer latent aggressiv oder unzufrieden war. Auch sein beziehungsverhalten lässt vermuten, das er nicht fähig ist echte liebe zu empfinden…
    Aber erst durch den ersten pilztrip hat seine Geschädigte Seele Besitz von ihm ergriffen, dort sieht man ja dann eindeutig das eine psychische/seelische Störung vorliegt. Und wenn nach Drogenkonsum psychische Störungen auftreten dann immer nur deshalb weil sie tief im inneren schon vorhanden waren/sind!!!
    Mfg

  • Wunderknabe

    süßer Buchclub: „Minus: […] Es ist schwierig, sich vollends mit der Hauptfigur des Urs Blank zu identifizieren.“

    Die Distanz die man zu Urs‘ ursprünglichen und entwickelnden Persönlichkeit empfindet ist auch Teil seiner Persönlichkeit. Suters Krimi fokussiert sich nunmal nicht auf Lieblingstiere, -farbe oder Haarwuchs in der Pubertät. Für solche nebensachlichen Umschreibungen sind ja die Leerstellen im Buch, welche wesentliche Merkmale solcher Genres sind. Der Leser wird zum Detektiv durch bemerkenswertes Fachwissen in Psychologie, Botanik und Wirtschaft. Botanik und Wirtschaft….. diese zwei Faktoren in einem Roman auf eine Weise zu „fusionieren“, sodass man Sympathie zum Protagonisten empfindet (und das bei „die dunkle Seite des Mondes“ noch lange nach dem Pilztrip und Ermordungen), ist eine reife Leistung.

    Also ein Minus zu schreiben nur um ein Minus zu schreiben ist nur in der Mathematik ein Plus.

  • Dominik

    Was ist das eigentlich für ein Skandal den Blank auffliegen lassen könnte ( diese Fusion?)

  • Dominik

    Ich hab das Buch auch gelesen und muss nächste Woche mündliche Prüfung darüber halten, und hätte drei fragen:
    1. was ist das genau für ein Skandal den Blank auslösen könnte, was hat da zufällig im Computer der Kanzlei entdeckt?
    2. ab wann merkt Blank das beim zweiten mal der eine Bläuling gefehlt hat?
    3. Kann man davon ausgehen das er Joe Gasser umbrachte?

    • Domenik

      Zu deinen Fragen:

      1. Die Kanzlei hat ja den Auftrag bekommen, die verschieden Versicherungsgesellschaften zum grössten Versicherungskonzern der Welt zu fusionieren. Dabei haben Sie Insidergeschäfte getätigt (Aktien der Versicherungen gekauft, da bis dato nur sie von der Fusion wussten). Insidergeschäfte sind strafbar.

      2. Nach seinem zweiten Trip, der sich vom ersten ja unterschied, fiel ihm auf, dass einer der Pilze beim ersten Trip sehr klein war. Beim zweiten Trip war kein solcher Pilz / Bläuling vorhanden.

      3. Natürlich kann man davon ausgehen, das sogar fast offensichtlich. Nichtsdestotrotz lag es wahrscheinlich nicht in seiner Absicht den ganzen Bauernhof abzufackeln. Bei den Ermittlungen kam nämlich heraus, dass Gasser die Treppe heruntergestossen wurde und seine Zigarette schliesslich den Teppich in Brand gesetzt hatte.

  • Urs

    Ähm in dem Buch gibt es keine Versicherungen die fusionieren! Es handelt sich um Textilunternehmen 🙂

  • Urs

    Ok ich habe etwas verwechselt, das mit den Versicherungen stimmt 🙂 mein Fehler 🙂 Sorry haha

  • Stephanie

    Ich habe da noch eine allgemeine Frage zum Buch:
    Was hat Blank genau zu seinen Persönlichkeitsveränderungen gebracht? Klar, die Pilztrips (besser gesagt die unbewusste Einnahme dieses Bläulings) aber der erste Satz des Buches deuetet doch bereits auf diese Unstimmigkeiten, die er mit sich persönlich hat drauf hin. („Kein Problem, antwortetet Urs Blank freundlich und stellte sich vor, wie er Dr. Fluri phrfeigte,…“) …

    Auch später wird beschrieben, wie er ja Kunden von seiner Evelyne blöd dahstehen lässt, was er sonst nie getan hätte…
    Kann man sein Verhalten auf eine Midlife Crisis deuten? Oder hat ihm einfach sein Beruf nicht mehr gefallen?

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