Agnes – Peter Stamm

Agnes Peter Stamm

Cover Agnes, Peter Stamm

Wenn man sich einmal die Mühe macht, die Erinnerungen zu vergleichen, die andere Personen von gemeinsam erlebten Ereignissen haben, wird man schnell feststellen, dass vieles, was man für Tatsachen hält, doch auf der eigenen Interpretation beruht und sich nicht unbedingt mit der Wahrnehmung der Anderen deckt. Dinge, die einem selbst sehr wichtig vorkamen, hat man vielleicht als einziger bemerkt, während man anderes völlig übersehen hat, obwohl es für einen Mitmenschen möglicherweise eine große Bedeutung hatte.

Die Unzuverlässigkeit der eigenen Erinnerung

Auch in “Agnes”, dem Debütroman von Peter Stamm, geht es um eine unterschiedlich wahrgenommene gemeinsame Vergangenheit und die sich hieraus ergebenden Folgen. Der Erzähler und Protagonist der Geschichte, ein Schweizer Sachbuch-Autor, der in Chicago für ein Buch über Luxus-Eisenbahnwagen recherchiert, lernt die amerikanische Studentin Agnes in der Bibliothek kennen. Agnes schreibt an ihrer Dissertation in Physik; sie untersucht die “Symmetrien von Symmetriegruppen in Kristallgittern”. Im wahren Leben dagegen üben Asymmetrien einen deutlich größeren Reiz auf Agnes aus, und auch wenn man nur sehr wenig über den Erzähler erfährt, so weiß man doch, dass Agnes und er sehr unterschiedlich sind, nicht nur bezogen auf den großen Altersunterschied zwischen den beiden.

Dennoch – oder gerade deswegen – fühlen sie sich zueinander hingezogen und werden zögerlich und doch fast selbstverständlich ein Paar. Als Agnes erfährt, dass der Erzähler früher nicht nur Sachbücher, sondern Kurzgeschichten geschrieben hat, versucht sie sich selbst an einer Geschichte, die er jedoch in einer Mischung aus Neid und Herablassung als nicht gelungen abtut.

Lektürehilfen zu “Agnes” von Peter Stamm

 

Chronik einer unglücklichen Liebe

Agnes ist verletzt, dass der Erzähler ihre Schreibversuche nicht ernst nimmt, doch sie akzeptiert es recht schnell und erbittet sich stattdessen von ihm eine Geschichte über sich, eine Art Portrait, das er über sie schreiben soll, damit sie erfährt, wie er sie sieht. Während sie einzelne Passagen gegenliest, stellt sich heraus, dass sie viele gemeinsame Erlebnisse unterschiedlich wahrgenommen haben. Und obwohl es sich zum Teil erweist, dass Agnes mit ihrer Interpretation der Ereignisse Recht hat, schreibt der Erzähler dennoch seine Version der Geschichte auf.

Die geschriebene Variante ihrer Liebe nimmt einen immer größeren Raum zwischen den beiden ein, und als der Erzähler schließlich alles bis zur Gegenwart aufgeschrieben hat, geht er so weit, die Zukunft vorauszuschreiben. Seine Geschichte stockt jedoch, als er feststellt, dass die glückliche Zukunft, die er sich mit Agnes herbeischreibt, für die beiden zwar schön ist, aber keinen guten Stoff für eine Geschichte abgibt. Während er daher fast die Arbeit an seinem Agnes-Roman aufgibt, wird Agnes schwanger, und ihr echtes Leben hält genug Unglück für eine ganze Reihe guter Geschichten bereit.

 

Sachlich-distanzierter Blick auf Emotionen

Wie viele Bücher von Peter Stamm handelt auch “Agnes” über eine unglücklich verlaufende Liebesbeziehung, und obwohl Emotionen in “Agnes” eine wichtige Rolle spielen, bleibt sein Stil stets sachlich-distanziert. In kurzen Sätzen und kurzen Kapiteln skizziert er schlaglichtartig einzelne Szenen der Beziehung, die das Ende vorausahnen lassen. Dabei ist von Beginn an klar, dass der Erzähler unzuverlässig ist. Er räumt beispielsweise an einer Stelle selbst ein, dass das Restaurant, in dem er zum ersten Mal mit Agnes essen war, eigentlich ein ganz anderes war, als er aufgeschrieben hat. Wieviel von der Geschichte, die er nun erzählt, wirklich stimmt, bleibt also unklar.

Neben der Liebesgeschichte und der unzuverlässigen Erinnerung des Erzählers gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt in Agnes: Der Erzähler gewinnt mit dem Portrait, das er über Agnes verfasst, Macht über sie und über die Beziehung mit ihr. Diese Macht will er eigentlich nicht auszunutzen; und dennoch tut er es. Aber das würde man selbst wahrscheinlich auch – wenn man die Möglichkeit hätte, sich seine eigene Geschichte zu schreiben.

Infos zum Buch

Agnes
Peter Stamm
160 Seiten
Erstausgabe 1998

 

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7 comments

  • Lukas Bischoff

    Hallo!

    Ich finde dises Buhch überhaubt nicht gelungen. Es machht überhaubt keinen Spas das Buch zu lesehn.

    • David X.

      Hallo! Ich finde deine Rechtschreibfehler überhaupt nicht gelungen. Es macht überhaupt keinen Spaß dein Kommentar zu lesen.

      • Als Ob

        Woher willst du wissen, dass seine Rechtschreibfehler nicht gelungen sind? Hast dich wohl ausführlich mit diesem Thema auseinandergesetzt, denn in deinem Satz hat es auch welche ;) und ja es is mir egal wenn in meinem Rechtschreibfehler vorhanden sind.

        *Spass (Neue Rechtschreibung ;) *deinen (dein Kommentar?!?!)

        • Caro

          Es ist übrigens auch nach der neuen Rechtschreibung ”Spaß”. Ich bezweifle sehr das jemand von euch mit seiner Rechtschreibung prahlen kann. Ein Blick ins Duden macht schlau.

          • RR

            @Caro
            *(… sehr, dass jemand …)
            *(… Ein Blick in den Duden macht schlau.)

            Es scheint euch allen nicht ganz einfach zu fallen. ;)
            Also macht euch doch wegen einer solchen Kleinigkeit nicht dumm von der Seite an. :)

          • Fritz Baur

            Liebe Caro
            Ich muss dir leider sagen, dass in der Schweiz Spass als richtige Schreibweise angesehen wird.
            Denke bitte doch das nächste Mal besser zuerst nach, bevor du prahlst!

      • Als Ob

        Achja und gut gelungene Zusammenfassung/Kritik Frau Krause! =)

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