Die Entdeckung der Unendlichkeit (James Marsh)

Fesselnde Biographie von Stephen Hawking:

DVD-Cover Die Entdeckung der Unendlichkeit

DVD-Cover Die Entdeckung der Unendlichkeit

Stars gibt es vor allem in Gebieten, die man sich über die Sinne und nicht übers Denken erschließt: Musik, Film, Kunst sprechen weit häufiger direkt Emotionen und erst in einem zweiten Schritt den Intellekt an. Wahrscheinlich ist es deswegen einfacher, den Tonangebern in diesen Bereichen Bewunderung, Loyalität und Begeisterung entgegenzubringen. Dass die Naturwissenschaften einen Star unserer Zeit hervorgebracht hat, ist eine sehr überraschende Tatsache, da das Intersesse an Wissenschaft normalerweise eher ein Nischenthema ist. Noch erstaunlicher ist, dass dieser Star, den die moderne Wissenschaft zu bieten hat, all die körperlichen Erwartungen, die an eine Person der Öffentlichkeit gestellt werden, auf Grund einer Krankheit nicht mehr erfüllen kann. Stephen Hawking hat es geschafft, seine Liebe zur Wissenschaft so überzeugend und akkurat in Worte zu fassen, dass er sein Buch Eine kurze Geschichte der Zeit mehr als 10 Millionen Mal verkaufen konnte, und das, obwohl er bei der Entstehung des Buchs nur noch mittels Sprach-Computer kommunizieren konnte. Die Entdeckung der Unendlichkeit zeichnet die Lebensgeschichte von Stephen Hawking nach und konzentriert sich dabei vor allem auf die Zeit mit seiner ersten Frau Jane.

Dass Stephen Hawking (Eddie Redmayne) ein Genie werden könnte, wird schon während seines Studiums in Cambridge klar: Die schwierigsten Aufgaben löst er in Rekord-Geschwindigkeit, mit seinen Freunden aus den kleinen Elite-Seminaren, an denen er teilnimmt, spricht er am liebsten über Wissenschaft, und sein erklärtes Ziel ist es, eine Theorie zu finden, die alles, was uns umgibt, erklärt. Sein favorisiertes Forschungsgebiet dabei ist die Zeit. Trotz des Fokus, den Stephen Hawking auf sein Studium legt, schafft Jane (Felicity Jones) es, sein Interesse zu wecken. Die Sprach-Studentin findet in ihm von Anfang an etwas ganz Besonderes, so dass sie für ihn sogar ihren Freund verlässt.

Noch etwas anderes wird schon in seinen ersten Studienjahren deutlich: etwas stimmt nicht ganz mit seinem Körper. Mal hat er Schwierigkeiten, die Füße genau so aufzusetzen, wie er möchte, mal fällt ihm plötzlich etwas aus der Hand. Was anfangs noch als Ungeschicklichkeit durchgehen kann, verstärkt sich mehr und mehr, doch der junge Hawking ignoriert die ersten Anzeichen seiner Krankheit. Nachdem er jedoch auf dem Campus zusammenbricht, erhält er die Diagnose im Krankenhaus: ALS, eine Erkrankung des Nervensystems, ist die Ursache für den kurzzeitigen Kontrollverlust, den Hawking immer wieder erleidet. Die Ärzte prophezeien, dass sich das Krankheitsbild noch deutlich verschlechtern wird, wenn auch das Gehirn selbst nicht betroffen sein wird. Am schockierendsten aber ist die Prognose, dass er nur noch zwei Jahre zu leben haben wird.

 


 

Die Entdeckung der Unendlichkeit: Liebe als verbindendes Element

Stephen zieht sich von allen zurück, will die beiden Jahre nutzen, um in seiner Wissenschaft voranzukommen, und möchte vor allem mit niemandem über seine Situation sprechen. Doch Jane besteht darauf, ihm beizustehen, und die uneingeschränkte Liebe, die sie ihm entgegen bringt, stützt ihn und baut ihn auf.

Die zwei Jahre vergehen schnell, doch die Ärzte haben sich zum Glück geirrt, denn Hawking lebt nicht nur viel länger als erwartet, sondern gründet mit Jane sogar eine Familie. Doch zeitgleich mit seinem steigenden Ruhm als Wissenschaftler verschlechtert sich sein gesundheitlicher Zustand.

Die Entdeckung der Unendlichkeit basiert auf der Autobiographie von Jane Hawking, die ihrem mittlerweile ehemaligen Ehemann nach wie vor in Freundschaft verbunden ist. Der neuseeländische Autor Anthony McCarten adaptierte die Biographie fürs Kino und wurde dafür mit einem BAFTA ausgezeichnet.

Der Fokus auf Jane und ihre Perspektive des gemeinsamen Lebens mit Stephen Hawking hat zur Folge, dass der Film sich stärker auf die Liebesgeschichte der beiden und persönliche Aspekte ihres gemeinsamen Lebens als auf die Arbeit Hawkings konzentriert. Ein Wissenschaftsfilm ist Die Entdeckung der Unendlichkeit sicher nicht, auch wenn schwarze Löcher, der Widerspruch zwischen Quantenmechanik und Allgemeiner Relativitätstheorie sowie die Hawking-Strahlung kurz erwähnt werden. Der Film konzentriert sich stattdessen sehr stark auf den Menschen Hawking und auf seine Beziehung zu Jane. Sowohl der deutsche als auch der englische Original-Titel besitzen in dieser Hinsicht eine Doppelbedeutung: Hawking findet in der alles überwindenden Liebe seiner Frau die Unendlichkeit und auch eine Theorie, die alles miteinander verbindet.

Nach den wunderbaren Sherlock-Filmen mit Benedict Cumberbatch erwartet man fast schon, dass ein Genie als schwieriger Mensch dargestellt wird. In Die Entdeckung der Unendlichkeit wird aber gerade der Blick auf die Menschlickeit Hawkings gelenkt. Das führt zu einer emotionaleren Sichtweise der Geschichte, die auch negative Kritiken hervorgerufen hat, aber gerade weil der Mensch Hawking es geschafft hat, mit seiner eigenen Leidenschat und Hingabe andere Menschen für ein so schwierig zu erschließendes Gebiet wie Physik zu begeistern, besitzt diese Emotionalität eine Meta-Ebene: menschlich zu sein bedeutet eben einerseits, das Unmögliche zu versuchen, und andererseits, seine Umgebung mit der eigenen Begeisterung anzustecken.

Eddie Redmayne wurde mit Oscar, Golden Globe und BAFTA für seine schauspielerische Leistung ausgezeichnet, und das völlig zu Recht. Auch weitere Preise gewann dieser wirklich sehenswerte Film, der mittlerweile auf DVD erschienen ist. Und auch wenn Wissenschaft nur am Rande vorkommt, schafft es die sehr deutlich gezeigte Begeisterung dafür in jedem Fall, einen als Zuschauer anzustecken.

Infos zum Film

Die Entdeckung der Unendlichkeit
(The Theory of Everything)

UK, 2014
123 Minuten
Filmverleih: Universal Pictures
Regie: James Marsh
Drehbuch: Anthony McCarten
mit Eddie Redmayne, Felicity Jones,
Tom Prior
FSK: frei ab 0

 

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