Hannah Arendt (Margarethe von Trotta) – Ankündigung

Filmplakat "Hannah Arendt"

Filmplakat „Hannah Arendt“

Hannah Arendt, die sich selbst eher als politische Theoretikerin denn als Philosophin sah, gilt als eine der wichtigsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. 1906 in Linden geboren, wurde sie 1933 kurzzeitig verhaftet und später wegen ihrer jüdischen Abstammung ausgebürgert. Da sie die Gefahr, die ihr durch den Nationalsozialismus drohte, erkannte, emigrierte sie bereits 1933 über Frankreich in die USA, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1975 lebte und arbeitete. Besondere Bekanntheit erlangte sie durch ihre Berichterstattung über den Eichmann-Prozess, auf die sich der Film „Hannah Arendt – Ihr Denken veränderte die Welt“ konzentriert.

Dieser Prozess fand 1961 in Jerusalem statt. 1960 hatte der israelische Geheimdienst den in Argentinien untergetauchten ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann gefasst und nach Israel entführt, wo er vor Gericht gestellt und für die Ermordung von Millionen Juden zum Tod durch den Strag verurteilt wurde. Der Schwerpunkt der Verteidigung Eichmanns lag darin, dass er immer wieder betonte, nur Befehle ausgeführt und keine juristische Schuld auf sich geladen zu haben. Da es seine Aufgabe war, Deportationen zu organisieren, hielt er sich außerdem zugute, dass er selbst niemanden getötet hatte.


Das eigene Denken als letzte Instanz

Hannah Arendt wurde von der Zeitung „The New Yorker“ gebeten, zum Eichmann-Prozess nach Jerusalem zu fahren und dort zu berichten. Ihre Bekanntheit als kompromisslose Denkerin und ihre eigene Betroffenheit machten sie zur idealen Beobachterin. Doch Hannah Arendt war selbst überrascht darüber, wie sie Eichmann vorfand: ein Bürokrat, der vor allem deswegen dem Bösen zum Erfolg verholfen hatte, weil er blind Befehle ausgeführt hatte und seine Kreativität und Intelligenz darauf verwendet hatte, seine Vorgaben möglichst genau und effizient zu erfüllen.

Angesichts der Greueltaten, die durch Eichmann angeordnet und überwacht wurden, kam dieser mittelmäßige Verwalter Hannah Arendt schon fast zu banal vor. Entsprechend fiel auch ihre Berichterstattung im New Yorker aus. Statt Entsetzen über Eichmanns Taten zu zeigen (was sie in jedem Fall aber auch empfand), prägte sie den Begriff von der Banalität des Bösen, mit dem sie ihrer Fassungslosigkeit darüber Ausdruck verlieh, dass ein Mensch, dessen eigentliche Motive rein eigennütziger Natur waren, ein so umfassendes Unheil verantworten konnte. Eichmann war in ihren Augen kein ränkeschmiedender Fanatiker, sondern jemand, der zu seinem eigenen Vorteil davon abgesehen hatte, selbst zu denken und die Befehle, die ihm aufgetragen wurden, zu hinterfragen. Damit wollte Hannah Arendt keinesfalls Eichmann „freisprechen“ oder seine Schuld mindern, sondern vielmehr seine Schuld auf eine andere Ursache zurückführen.

Dennoch wurde ihre Berichterstattung nicht sehr positiv aufgenommen. Freunde wandten sich von ihr ab, sie wurde bedroht und man legte ihr nahe, ihre Lehrtätigkeit einzustellen. Doch Hannah Arendt bestand stets darauf, ihr eigenes Denken als letzte Instanz für ihr Tun heranzuziehen. Gerade dies zeigt auch Margarethe von Trottas Film, der teilweise um Originalmaterial aus dem Eichmann-Prozess ergänzt ist.

„Hannah Arendt – Ihr Denken veränderte die Welt“ wurde 2012 beim Internationalen Filmfestival in Toronto uraufgeführt und startet am 10. Januar 2013 in den deutschen Kinos.

Infos zum Film

Hannah Arendt –
Ihr Denken veränderte die Welt
Frankreich/Kanada/Israel/
Luxemburg/Deutschland, 2012
110 Minuten
Filmverleih: NFP Filmverleih
Regie: Margarethe von Trotta
Drehbuch: Pamela Katz,
Margarethe von Trotta
mit Barbara Sukowa, Axel Milberg,
Janet McTeer, Julia Jentsch,
Ulrich Noethen, Michael Degen,
Victoria Trauttmansdorff, Klaus Pohl
FSK: frei ab 6

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