Michael Jackson’s Journey from Motown to Off the Wall (Spike Lee)

Interessante Doku über Michael Jacksons erste Schritte vom Kinderstar zum King of Pop: 4.5 Stars

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Cover CD-DVD-Package „Off the Wall“ inkl. Dokumentation „From Motown to Off the Wall“

In Michael Jackson’s Journey from Motown to Off the Wall zeichnet Regisseur Spike Lee den Beginn einer historisch einmaligen Solokarriere nach: vom Jackson-Five-Wunderkind zum King of Pop.

1979 erscheint das fünfte Album des damals 20-jährigen Michael Jackson, das seinen Weg zum erfolgreichsten Solo-Musiker aller Zeiten ebnet. Jetzt, 37 Jahre später, erlebt Off the Wall ein Revival in einer Neuauflage, begleitet von einem Film über die Entstehungsgeschichte und Bedeutung der Platte für Jacksons Karriere.

Worum geht’s in from Motown to Off the Wall?

Die Doku besteht aus Musikvideos und Fernsehauftritten von Michael aus den 70ern sowie Gesprächen mit Zeitzeugen, darunter Mitglieder der Jackson-Familie, Produzenten, Musikerkollegen und Songschreiber, die am Album Off the Wall mitgewirkt haben. Auch zeitgenössische Musikstars und Fans wie Pharrell Williams werden zum Einfluss von Michael Jacksons früher Solo-Musik auf ihr Werk und Leben befragt. Dabei wird jeder einzelne Song des Albums im Hinblick auf seine Entstehung, Bedeutung und Rezeption beleuchtet.

Jackson Five: Erste Jahre von Motown bis Epic Records

Zunächst aber erleben wir den rasanten Aufstieg der fünf Jackson-Brüder aus Gary (Indiana), die über Nacht berühmt werden und einen Plattenvertrag beim Label Motown unterzeichnen. Für den 11-jährigen Michael ist es eine der prägendsten Zeiten seines Lebens. Bei Motown tritt er erstmals ein in die Welt der Musikindustrie, lernt, was Showbusiness bedeutet, schaut Profimusikern bei der Arbeit zu und stellt unablässig Fragen. Alles will er wissen, überall dabei sein.

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Hier bekommt man schon einen Eindruck nicht nur von Michaels riesigem Talent, sondern auch von einem Ehrgeiz und einem Perfektionismus, die für einen 11-jährigen schon fast gruselig sind. Dass die Ambition wahrscheinlich nicht nur aus Michael selbst kommt, wird hier verschwiegen. Kein Wort über die autoritäre Erziehung des Vaters, der seine Kinder mit äußerster Strenge durchs Musik-Business peitscht und deshalb besonders von seinen Töchtern Janet und La Toya immer wieder kritisiert wird. (Die tauchen übrigens – im Gegensatz zu anderen Jackson-Geschwistern – überhaupt nicht im Film auf.)

Mit 13 Jahren unternimmt Michael erste Soloversuche und hat großen Erfolg mit dem Album Ben, der den Titelsong zum gleichnamigen Horrorfilm (über eine Ratte) enthält. Zwei weitere Soloalben verkaufen sich eher mäßig. Die Jackson Five wechseln von Motown zu Epic Records.

Schon 1976 will Michael sich neu erfinden: Er will Schauspieler werden und bekommt eine tragende Rolle im Musicalfilm The Wiz über den Zauberer von Oz an der Seite von Diana Ross. Bei den Dreharbeiten lernt er Jazzlegende Quincy Jones kennen, den er entgegen dem Willen seiner Plattenfirma zum Produzenten seines neuen Albums kürt: ein gewagtes musikalisches Experiment – Off the Wall ist geboren.

„Consider this: Off the Wall was the most important album of Michael Jackson’s career“

Der Sound von Off the Wall weicht merklich vom klassischen Soul ab, für das die Jacksons bekannt sind. Michael gibt sich dem Disco-Fever hin, mit Uptempo-Beats und verrückten Sounds, die direkt in die Beine gehen. Die meisten Songs schreibt er selbst, für einige holt er sich grandiose Songwriter wie Stevie Wonder und David Foster dazu, für die Aufnahmen lädt er legendäre Musiker ins Studio ein.

Off the Wall verkauft sich im ersten Jahr über 20 Mio. mal. Damit hat Michael Jackson Anspruch auf einen Grammy und bekommt ihn auch: heimlich in der Werbepause, offenbar um weiße Zuschauer nicht zu „irritieren“. Laut seiner Mutter, die in dem Film öfter zu Wort kommt, nimmt Michael diese Demütigung als weiteren Ansporn. Er fasst den Entschluss, etwas so Großes zu kreieren, dass ihn die Musikindustrie nicht weiter ignorieren kann.

Und er hält Wort: Sein Folgealbum Thriller ist bis heute das meistverkaufte Musikalbum der Geschichte, 1982 schlägt es ein wie eine Bombe, gezündet durch den gleichnamigen Titelsong und das bahnbrechende Video dazu, in dem sich Michael Jackson völlig neu definiert: neue Nase, neuer Sound, ein aufpoliertes Selbstbewusstsein und ein neues Markenzeichen, das den King of Pop für immer begleiten soll – der Moon Walk.

Diese Wandlung, die sich letztlich ja auch äußerlich immer weiter vollzog, kündigt er schon vor Thriller in einem Brief an seine Familie an:

I will be magic … I will study and look back on the whole world of entertainment and perfect it.

Und er wird „magic“.

Die meisten denken beim wichtigsten Jackson-Album eher an Thriller – wegen der oben aufgeführten Gründe. Für Regisseur Spike Lee aber, der selbst Musikvideos für Michael kreierte, ist Off the Wall der bedeutendste Meilenstein in Jacksons Karriere. Warum genau, kann man auch nochmal im CD-Booklet nachlesen.

Fazit: Idealisierendes, aber spannendes Fan-Biopic

Ohne Frage zeichnet der Film ein sehr einseitiges und idealisierendes Bild von der Person Michael Jackson und seiner Kindheit. Er wird als Supertalent mit eiserner Disziplin und nahezu göttlicher Gabe inszeniert: Die sanfte Stimme, die soziale Unbeholfenheit, das Leben für die Kunst, der immense Einfluss auf die (schwarze und weiße) Musikszene präsentieren uns Michael Jackson als quasi-überirdisches Wesen, eine Lichtgestalt der Popmusik.

Kritische Auseinandersetzungen mit dem Jackson-Clan oder dem Medienrummel um Michael gibt es hier nicht, aber darauf erhebt der Regisseur auch keinen Anspruch. Stattdessen hat er ein tolles, wenn auch eindimensionales Porträt eines Ausnahmemusikers gezeichnet, der Michael Jackson nun einmal war. Mit großem Talent und sehr viel Arbeit hat er die gesamte Popmusik durch neue Sounds, individuelle Moves und unvergessliche Shows auf den Kopf gestellt und Menschen in allen Teilen der Welt dadurch berührt.

Mit Off the Wall hat er einen revolutionären Mix aus Soul, Jazz, Pop und Disco-Musik erfunden und – wie im Film auch treffend gesagt wird – dabei die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß, aber auch zwischen Hetero und Homo aufgelöst. Der erste Song auf Off the Wall „Don’t stop till you get enough“ steht bildlich für die Wirkung dieses Albums von damals bis heute: Dieser Sound zwingt einen dazu, sich im Takt zu bewegen, egal ob man der coole weiße Hetero-Kerl am Tresen, die ältere schwarze Dame oder der schwule Party-Löwe gemischter ethnischer Herkunft ist.

Überhaupt hat Jackson in jungen Jahren als einer der ersten die Black Music auch im weiß geprägten Pop-Business der USA salonfähig gemacht – und das ist ein ganz wesentlicher Verdienst, der ihn vielleicht mehr noch als seine geschätzt 750 Mio. verkauften Platten zu einem der größten Superstars des 20. Jahrhunderts macht.

Infos zum Film

Michael Jackson’s Journey from Motown to Off the Wall 

USA, 2016
93 Minuten
Regie: Spike Lee
Stars (u. a.): David Byrne, Susanne De Passe, Sammy Davis Jr., Pharrell Williams, Carole Bayer Sager, Michael Jackson, Quincy Jones, Jackie Jackson, Marlon Jackson, Joe Jackson

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