Boyhood (Richard Linklater)

Berührender und einzigartiger Film über Kindheit und Jugend:

Filmplakat Boyhood (Film von Richard Linklater)

Filmplakat Boyhood (Film von Richard Linklater)

Denkt man an seine Kindheit und Jugend zurück, so ergibt sich keine zusammenhängende Geschichte, sondern eher ein Mosaik aus einzelnen Erinnerungen, aus Episoden und Versatzstücken. Sehr realitätsnah nähert sich der Film Boyhood dem Thema Kindheit, denn in einer Abfolge von Episoden, zwischen denen jeweils in etwa ein Jahr liegt, wird die Kindheit von Mason (Ellar Coltrane) erzählt, dessen erste einschneidende Erinnerung der Umzug mit seiner allein erziehenden Mutter Olivia (Patricia Arquette) und seiner gerade eine etwas nervige Phase durchlaufenden Schwester Samantha (Lorelei Linklater). Vater Mason Sr. (Ethan Hawke) ist gerade irgendwo in Alaska unterwegs, um sich selbst zu finden. Olivia will die Chance nutzen, in Houston mit Unterstützung ihrer Mutter einen besseren Job anzunehmen und wieder aufs College zu gehen, um den Kindern einen besseren Start ins Leben zu bieten.

Als Mason Sr. wieder auftaucht, hoffen beide Kinder natürlich, dass die Eltern wieder zusammenfinden, doch diese Möglichkeit erledigt sich schnell, als Olivia anfängt, mit ihrem Uni-Dozenten auszugehen. Wieder schlägt Masons Leben einen neuen Weg ein, und plötzlich sind er und Samantha Teil einer Patchwork-Familie, die ihnen zumindest zeitweise Halt und Stabilität bietet.


 

Cineastisches Experiment

Boyhood besticht zum einen durch seine unprätentiöse Erzählweise, die den kleinen Dramen des Lebens – Umzüge, Streitereien unter Geschwistern, Hausarbeit – viel Raum lässt. Bereits in der Before-Trilogie hat Richard Linklater gezeigt, dass er zugunsten von realitätsnaher Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen gerne auf künstliche Dramaturgie verzichtet. Das gleiche Vorgehen macht die Figuren in Boyhood besonders nahbar, auch wenn die Geschichte am Ende etwas langwierig wird und man von den knapp drei Stunden des Films gut eine halbe hätte auslassen können.

Trotz leichter Längen entwickelt Boyhood einen ganz besonderen Charme, der nicht zuletzt auf Linklaters groß angelegtes cineastisches Experiment zurückzuführen ist, über einen Zeitraum von zwölf Jahren mit den selben Darstellern zu drehen. Hierdurch fühlt man sich noch näher dran am Geschehen, am Erwachsenwerden von Mason und kann dem Verrinnen von Zeit ganz real auf der Leinwand beiwohnen. Dieses ungewöhnliche Projekt begann Linklater im Jahr 2002 mit der Unterstützung seiner Produktionsfirma und unter großem Risiko, denn niemand konnte wissen, was in den nächsten zwölf Jahren passieren würde. Körperliche Veränderungen der Hauptdarsteller konnten nicht vorhergesehen werden, es gab kein wirkliches Drehbuch, dafür aber viel Enthusiasmus für den einzigartigen Plan. Einmal im Jahr trafen sich alle beteiligten für drei bis vier Drehtage, nach denen man sich wieder trennte. Das fertige Ergebnis konnte erst – sehr unüblich für die Filmindustrie – nach zwölf Jahren begutachtet werden.

Boyhood gewann den Silbernen Bären für die Beste Regie bei der diesjährigen Berlinale. Der Film startet am 5. Juni im Kino. Er lohnt sich gleichermaßen für Fans von Coming-of-Age-Geschichten und Freunden ungewöhnlich erzählter Filme. Allein die Entstehungsgeschichte ist Grund genug, den Film anzusehen.

Infos zum Film

Boyhood
USA, 2014
163 Minuten
Filmverleih: Universal Pictures
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Richard Linklater
mit Ellar Coltrane, Lorelei Linklater,
Patricia Arquette, Ethan Hawke
FSK: frei ab 12

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