TSCHICK (Fatih Akin)

Charmanter Coming-of-Age-Road Trip: 3.5 Stars

Filmplakat Tschick

Filmplakat Tschick

Maik Klingenberg ist 14 und sein Leben ist alles andere als super. Seine Mutter ist Alkoholikerin, und erstaunlicherweise kommt es in seiner Klasse gar nicht gut an, wenn er Aufsätze über ihre regelmäßigen Entziehungskuren vorträgt. Der Traum seines Vaters, mit Immobilien reich zu werden, hat sich zerschlagen. Alles, was der Familie davon geblieben ist, ist ein Haus mit Pool mitten im Nirgendwo und ein Berg Schulden.

Viel schlimmer als der Stress mit den Eltern ist aber die Katastrophe kurz vor den Sommerferien: Maiks heimlicher Schwarm Tatjana lädt jeden zu ihrer Geburtstagsparty ein außer Maik – und den neuen Mitschüler Andrej Tschichatschow, genannt Tschick. Den findet Maik komplett unter seiner Würde, obwohl er ja selbst in der Klasse der Außenseiter schlechthin ist.

Tschick stört das nicht. Er findet Maiks Jacke cool, was für ihn Anlass genug ist, Maik zu Hause zu besuchen. Da dieser gerade allein ist – die Mutter gerade mal wieder in der Entziehungskur, der Vater mit der „Sekretärin“ verreist – tun die beiden sich zusammen. Tschick überredet Maik zunächst dazu, sein selbst erstelltes Geburtstagsgeschenk Tatjana auf ihrer Party zu überreichen. Mit einem geklauten Lada fahren sie dort vor, und da das so gut geklappt hat, begeben sie sich gleich auf einen aufregenden Road Trip, auf dem sie nicht nur viele neue Menschen, sondern vor allem sich selbst besser kennenlernen.


 

Road Trip zum Erwachsenwerden

Der Jugendroman Tschick avancierte sehr schnell nach Veröffentlichung zum Bestseller, begeisterte hunderttausende Leser und wird heute in Schulklassen als Lektüre gelesen. Dass nach verschiedenen Theater-Adaptionen irgendwann eine Verfilmung folgen würde, war eigentlich klar. Diese Verfilmung von Fatih Akin lässt den beiden Hauptdarstellern viel Raum, einfach sie selbst zu sein, und es passt zum Charme und der Geschichte des Buchs, dass die beiden Rollen mit gänzlich unbekannten und atypischen Schauspielern besetzt sind. Beide Hauptdarsteller (Anand Batbileg und Tristan Göbel) machen Tschick zu der charmanten Road-Trip-Selbstfindungsgeschichte, die auch der Roman schon ist.

tschick: Unterschiede zwischen Buch und Film

Tschick ist einer meiner Lieblingsromane (hier findet ihr meine Inhaltsangabe und Heldenreise-Analyse). Natürlich habe ich beim Ansehen des Films besonders auf Unterschiede zwischen Wolfgang Herrndorfs Original und der Verfilmung geachtet. Natürlich gibt es im Film deutlich weniger Raum für die vielen detailreichen Geschichten, so dass manche Erzählstränge der Kürze des Drehbuchs zum Opfer gefallen sind. So halten sich Maik und Tschick im Film beispielsweise nicht im Krankenhaus auf, was den Film um das schönste fingierte Telefongespräch der Literatur bringt.

Ein kleines Detail hat sich ebenfalls geändert. Im Roman zeichnet Maik für Tatjana ein Bild von Beyoncé, weil Tatjana großer Fan ist. Natürlich denkt man beim Lesen, dass das eine ziemlich peinliche Idee ist. Im Film ist sie etwas abgeschwächt – Maik zeichnet ein Porträt von Tatjana – was aber gleichzeitig die Außenseiterrolle von Maik ein wenig abmildert.

Die Entstehung der Freundschaft zwischen den beiden, die sich an einigen Abenden mit Bier und Playstation entwickelt, ist im Film ebenfalls komprimierter gezeigt, was dazu führt, dass die Freundschaft nicht ganz so tief wirkt wie in der Romanvorlage.

Von diesen Punkten abgesehen, ist tschick ein wirklich sehenswerter Film, der eine charmante Geschichte von zwei Jungs auf der Suche nach sich selbst (und der Walachei) erzählt. Für Freunde von Coming-of-Age-Geschichten eine echte Empfehlung. tschick ist gestern auf DVD erschienen.

Infos zum Film

tschick
Deutschland, 2016
93 Minuten
Filmverleih: Studiocanal
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Lars Hubrich, Fatih Akin, Hark Bohm
mit Anand Batbileg, Tristan Göbel
FSK: frei ab 12

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