The Virgin Suicides (Sofia Coppola)

DVD-Cover "The Virgin Suicides"

DVD-Cover „The Virgin Suicides“

Der Selbstmordversuch der 13-jährigen Cecilia Lisbon sorgt für viel Aufsehen in ihrem amerikanischen Heimatort. Ihre religiösen Eltern (Kathleen Turner, James Woods), beide Mathematiklehrer, sind mit der Situation überfordert und schicken ihr Kind zum Psychologen (Danny DeVito). Dieser kommt schnell zu dem Schluss, dass es sich bei Cecelias Suizid-Versuch lediglich um einen „Hilferuf“ handelte. Er rät den Eltern jedoch, ihrer Tochter „soziale Kontakte außerhalb der Schule, auch mit gleichaltrigen Jungen“ zu ermöglichen. Das würde nicht nur Cecilia, sondern auch ihren vier Schwestern Lux (14) (Kirsten Dunst), Bonnie (15), Mary (16) und Therese (17) zugute kommen.

 

Eine Party für die Mädchen

Nach dem Gespräch mit dem Psychologen sieht man den Lisbon-Eltern förmlich an, dass sie nicht genau wissen, wie sie den soeben erhaltenen Rat umsetzen sollen. Sie entschließen sich, eine Party für Cecilia und ihre Schwestern zu organisieren, zu der auch die Jungs aus der Nachbarschaft eingeladen werden. Die Jungs sind begeistert, denn schon lange beobachten sie die Mädchen und sind heimlich in sie verliebt, waren aber bislang zu schüchtern, sich ihnen zu nähern.


Cecilia verabschiedet sich schon früh von der Party und als man die Schreie ihres Vaters hört, ist klar, dass ihr erneuter Selbstmordversuch erfolgreicher war als der erste. Zutiefst erschrocken und verstört verlassen die Jungen das Haus der Lisbons. Ihre Gedanken und Gespräche kreisen danach immer wieder um diesen Vorfall, wie man vom Erzähler (Giovanni Ribisi) der Geschichte aus dem Off erfährt, der die Geschehnisse 25 Jahre später wiedergibt.

Während Mr. und Mrs. Lisbon zunehmend in sich gekehrter werden und das Haus verwahrlosen lassen, versuchen die verbliebenen Lisbon-Mädchen, ihr Teenager-Leben so normal wie möglich weiterzuleben. Lux (Kirsten Dunst) wird bald von Schulschwarm Trip Fontaine (Josh Hartnett) umgarnt. Lange hält sie seinen Annäherungsversuchen stand, doch als sie seinem Werben schließlich nachgibt, bittet Trip Lux‘ Eltern, ihre Tochter zum Schulball ausführen zu dürfen. Die Lisbons sind skeptisch und erlauben das Ganze nur unter der Bedingung, dass Trip weitere Begleiter für die anderen drei Töchter organisiert.

 

Ein verhängnisvoller Schulball

Wie es sich gehört, holen Trip und drei Mitschüler die Mädchen am Abend des Balls ab und bringen sogar die obligatorischen Ansteckblumen mit. Für die Lisbon-Mädchen wird dies ein ausgelassener und unbeschwerter Abend, wie sie ihn noch nie erlebt haben, doch als sie gemeinsam wieder nachhause fahren wollen, sind Lux und Trip verschwunden. Lux, die die Nacht mit Trip auf dem Football-Feld der Schule verbracht hat, kommt erst am nächsten Morgen nachhause, woraufhin ihre entsetzten und überforderten Eltern die ohnehin schon strengen Regeln für alle vier Mädchen verschärfen: Sie dürfen das Haus nicht mehr verlassen, gehen nicht mehr in die Schule und fristen ihr Dasein von nun an in ihren Zimmern.

Eines Tages kommt Mrs. Lisbon von einer „besonders inspirierenden Predigt“ nachhause und befiehlt Lux, ihre Rock-Schallplatten zu verbrennen. Diese Szene ist besonders herzzerreißend, denn man sieht Lux an, wie grausam es für sie ist, ihre Schätze ohne für sie nachvollziehbaren Grund opfern zu müssen. Sie reagiert darauf mit stiller Rebellion, indem sie sich jede Nacht mit einem anderen x-beliebigen Jungen auf dem Dach vor ihrem Fenster trifft.

 

Therese, Lux, Mary, Cecilia, Bonnie (v.l.n.r.)

Therese, Lux, Mary, Bonnie, Cecilia (v.l.n.r.)

Virgin Suicides – unvermeidbar?

Die Lisbon-Mädchen fühlen sich als Gefangene in ihrem Haus, ihre einzige Möglichkeit, ihrem tristen Alltag zu entfliehen, finden sie in Reisekatalogen, die sie abonniert haben. Die Nachbarsjungen, von denen die Mädchen nach wie vor beobachtet werden, kontaktieren Lux, Bonnie, Mary und Therese per Telefon. Eine liebevolle Verbindung entsteht zwischen ihnen: Sie spielen sich gegenseitig Schallplatten am Telefon vor und schicken sich geheime Botschaften. Eines Tages bekommen die Nachbarjungs eine Einladung, sich um Mitternacht im Haus der Lisbons einzufinden, sobald die Eltern der Mädchen schlafen. Die Jungs gehen davon aus, dass sie die Mädchen „retten“ sollen, und organisieren einen vollgetankten Wagen. Doch es kommt anders…

 

Figuren in „The Virgin Suicides“

Sämtliche Figuren in „The Virgin Suicides“ sind mit sehr viel Glaubwürdigkeit gezeichnet und werden von den Schauspielern fantastisch gespielt. Am nächsten fühlte ich mich beim Zuschauen den Nachbarsjungen, was wohl daran liegt, dass die Geschichte von einem von ihnen im Rückblick erzählt wird. Man fühlt sich mitten unter ihnen, wenn sie jedes kleine Detail über die Lisbon-Mädchen wie Reliquien sammeln und verehren, wenn sie das Tagebuch von Cecilia lesen und versuchen zu verstehen, wie Mädchen denken und fühlen. Und man ist bei ihnen, wenn sie verzweifelt nach Antworten darauf suchen, wie es damals soweit kommen konnte.

 

Enstehung des Films

Für Regisseurin Sofia Coppola war „The Virgin Suicides“ ihr Regie-Debüt. Sie drehte den Film im Alter von 27 Jahren, nachdem die Roman-Vorlage von Jeffrey Eugenides sie so fasziniert hatte, dass sie mit der Drehbuch-Adaption begann, ohne zu wissen, ob sie die Rechte dafür bekommen würde. Im Making-Off, das im Bonusmaterial der DVD enthalten ist, sieht man, wie Sofia Coppolas Vater und Mit-Produzent des Films, Francis Ford Coppola (u.a. Regisseur von „Der Pate„), seine Tochter am Set besucht. Man sieht jedoch auch, dass er ihr bei den Dreharbeiten eher als Mentor zur Seite stand, und dass Sofia die Regie-Arbeit komplett allein erledigte.

Teilweise wird der Titel „The Virgin Suicides“ im Deutschen auch durch die Untertitel „Verlorene Jugend“ und „Das Geheimnis ihres Todes“ ergänzt.

 

Fazit

„The Virgin Suicides“ ist für mich einer der besten Vertreter des Genres Coming-of-Age. Der Film zeigt beeindruckend realistisch, wie Teenager denken und fühlen, was sie antreibt, wie sie Probleme einschätzen und dass sie manches Problem für unlösbar halten. Der Film wartet auf mit wunderbaren Figuren, denen man einfach stundenlang zusehen möchte, mit einem großartigen Soundtrack und – wie immer bei Sofia Coppola – einer fast greifbaren Atmosphäre. Absolut sehenswert!

Infos zum Film

The Virgin Suicides
USA, 1999
97 Minuten
Filmverleih:
Capelight Pictures

Regie und Drehbuch:
Sofia Coppola

mit Kirsten Dunst,
Kathleen Turner, Josh
Hartnett, Danny DeVito

FSK: frei ab 12 Jahren

 

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