Auf dem Weg zur Schule (Pascal Plisson)

Filmplakat "Auf dem Weg zur Schule"

Filmplakat „Auf dem Weg zur Schule“

Nachtrag: Regisseur Pascal Plisson erzählte uns in einem Interview, was ihn zu dem Film bewegt hat. Hier geht’s zum Interview mit Regisseur Pascal Plisson >>

Das Aufregendste, das mir auf meinem Schulweg je passiert ist, war, dass der Hund des Nachbarn mich ankläffte, ein Problem, das sich leicht durch das Wechseln der Straßenseite lösen ließ. Die Kinder, die Pascal Plisson in seiner Dokumentation „Auf dem Weg zur Schule“ begleitet, haben es deutlich schwerer als ich damals und als die meisten europäischen Kinder heute. Der Besuch der Schule ist in den Heimatländern von Jackson, Zahira, Carlito und Samuel nicht selbstverständlich, dass man dafür weite Strecken und einiges an Mühsal auf sich nehmen muss aber schon.

Jackson lebt in Laikipia in Kenia. Sein Weg zur Schule beginnt bereits am Vortag, wenn er mit bloßen Händen einen natürlichen Brunnen gräbt, um mit dem gefundenen Wasser seine Schuluniform zu waschen und den Vorratskanister für den nächsten Tag zu füllen. Denn zwei Stunden in der Savanne – einfache Strecke wohlgemerkt – läuft man nicht mal eben so, ohne dass man etwas zu trinken dabei hat. Die lange Strecke ist jedoch nicht das einzige Hindernis für Jackson, denn sein Schulweg führt durch das Gebiet einer Elefantenherde, und je nachdem, wo die gerade grast, muss Jackson seinen Schulweg spontan ändern. Für Jacksons kleine Schwester ist es ein Glück, dass der große Bruder zur Schule geht, denn als Mädchen wäre es ihr alleine unmöglich, täglich die 15 km bis zur Schule zu laufen – die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht zurückkommt wäre zu hoch.


 

Auf dem Weg zur Schule und in die eigene Zukunft

Zahiras Schulweg ist noch länger, zu lang, um ihn jeden Tag zurückzulegen. So muss sie die 22 km durch marokkanisches Bergland nur einmal in der Woche gehen, gemeinsam mit ihren Freundinnen und auch schon mal einem Huhn, das man unterwegs auf dem Markt noch gegen Vorräte für die Woche tauschen kann. Zahiras besondere Herausforderung auf dem Weg zur Schule: einen Teil des Wegs müssen sie und ihre Freundinnen per Anhalter fahren, und jemanden zu finden, der die Mädchen mitnimmt, ist nicht einfach.

Carlito in Patagonien reitet gemeinsam mit seiner Schwester jeden Tag 18 km zur Schule. Was sich nach Abenteuerromantik anhört, umfasst aber neben der langen Reise die Verantwortung für ein Tier, das auch auf dem Schulweg gefüttert werden will.

Am schwierigsten ist jedoch der Schulweg von Samuel aus Indien, denn er ist auf die Mithilfe seiner beiden Brüder angewiesen: Samuel sitzt im Rollstuhl, der sich natürlich auch von dem unterscheidet, was man hierzulande als Rollstuhl kennt. Die Brüder schieben und ziehen ihn jeden Tag die 4 km zur Schule, wofür sie auf Grund des unwegsamen Geländes, durch das sie müssen, und der Schwierigkeit, den Rollstuhl fortzubewegen, mehr als eine Stunde benötigen. Dennoch sind gerade diese Kinder es, die den Schulweg – und damit die Bildung – als etwas empfinden, über das man sich ausschließlich freuen kann.

Regisseur Pascal Plisson war gerade in Kenia, um eine Tier-Dokumentation zu drehen, als ihm Kinder auf dem Schulweg begegneten, die ihm ein wenig von ihren täglichen Strapazen erzählten. Diese Begegnung weckte in ihm den Wunsch, einen Film zu erzählen über die Schwierigkeiten von Kindern in der ganzen Welt, an Bildung zu partizipieren. Die Kinder, die er für sein Projekt gefunden hat, haben dabei nicht nur einen unglaublich anstrengenden, gefährlichen und langen Weg zur Schule, sondern darüber hinaus den starken Wunsch nach Bildung und die Bereitschaft, alles in Kauf zu nehmen, um die Aussichten auf die eigene Zukunft ein bisschen zu verbessern.

„Auf dem Weg zur Schule“ startet am 5. Dezember in den Kinos. Eine spannende Dokumentation, die einen erahnen lässt, welches Glück man mit dem eigenen Schulweg und dem eigenen Leben hatte.

Infos zum Film

Auf dem Weg zur Schule
(Sur le chemin de l’école)

Frankreich, 2012
77 Minuten
Filmverleih: Senator Filmverleih
Regie: Pascal Plisson
Drehbuch: Pascal Plisson
FSK: frei ab 0

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