Finding Vivian Maier (Charlie Siskel, John Maloof)

Spannende Dokumentation über eine Fotografin, die ihr Werk und ihr Leben versteckte:

Filmplakat Finding Vivian Maier

Filmplakat Finding Vivian Maier

Von einem Künstler erwartet man, dass er das Bedürfnis hat, seine Kunst der Welt zu zeigen. Wozu sonst will man sich ausdrücken, entsteht Kunst, wenn man nicht seinen Mitmenschen auf diese Art zeigen will, wie man fühlt, denkt, die Welt sieht? Immer wieder gibt es jedoch auch Künstler, die ihr Werk für sich behalten, es verstecken, ein „normales“ Leben führen und die Kunst im Stillen, im Geheimen ausüben. Kafkas Nachlass verdanken wir Max Brod, der den Wunsch seines Freundes, seine Texte zu verbrennen, nicht befolgte. Monet zerstörte immer mal wieder einige seiner Gemälde, weil er nicht mehr mit ihnen zufrieden war. Und auch Michelangelo warf etliche seiner Zeichnungen ins Feuer.

So weit ging Vivian Maier nicht, doch die mehr als 100.000 Fotos, oft noch unentwickelte Negative, die sie vor allem in den 1950ern und 1960ern in den Straßen von New York und Chicago aufnahm, bekam zu ihren Lebzeiten niemand zu Gesicht. Dass die Fotografin und ihre Bilder trotz ihrer Bemühungen, ihren großen Schatz an Fotografien versteckt zu halten, mittlerweile Bekanntheit erlangt haben und international mehrfach ausgestellt wurden, ist einem Zufall zu verdanken.



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Finding Vivian Maier – Suche nach einer Unbekannten

2007 ersteigert John Maloof eine Kiste Negative auf einer Auktion in seiner Heimatstadt Chicago. Der Stadthistoriker arbeitet zu der Zeit gerade an einer Stadt-Chronik und hofft auf Bilder für sein Buch. Doch die Negative sind nicht das, was er erwartet hat, und so verschwinden sie zunächst wieder in der Kiste. Als er sich etwas später wieder den Bildern zuwendet, stellt er fest, wie gut sie ihm gefallen, und er veröffentlicht einige davon im Internet, um sich Feedback von Fotografie-Interessierten einzuholen. Das kommt – schnell, reichlich und einhellig positiv. John Maloof macht sich daran, zu recherchieren, wer diese unzähligen Fotos gemacht hat, ob es noch mehr davon gibt und welche Geschichte hinter den Bildern steckt.

Bald wird er fündig. Die Urheberin der Bilder, Vivian Maier, war einigen Menschen bekannt, allerdings nicht als Fotografin, sondern als Kindermädchen. Dass diese gerne mit einem Fotoapparat durch die Gegend gelaufen war, wussten zwar alle, aber die Bilder hatte nie jemand zu Gesicht bekommen. Da Vivian Maier zu dem Zeitpunkt, an dem John Maloof seine Recherchen beginnt, gerade verstorben ist, erhält er Zugang zu einem von ihr angemieteten Lagerraum, der neben etlichen gesammelten Zeitungsausschnitten und Gegenständen auch weitere zahllose Negative und Fotografien enthält. John Maloof beginnt, die Geschichte der Künstlerin nachzuverfolgen und versucht gleichzeitig, ihre Bilder bekannt zu machen, organisiert Ausstellungen und bringt Bildbände heraus. Und dokumentiert seine Spurensuche mit der Kamera.

Das Bild, das sich von Vivian Maier ergibt, ist ein aus vielen Facetten zusammengesetztes Mosaik, das brüchig ist und mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Ihr Leben lang allein lebt sie bei anderen Familien, um auf deren Kinder aufzupassen, ist schon allein durch ihre ungewöhnliche Körpergröße sehr auffällig, unterstreicht dies aber noch, indem sie einen Herren-Mantel und einen Hut trägt, wenn sie auf die Straße geht, um auch mal in den schlechteren Gegenden ihrer Heimatstädte zu fotografieren – die Kinder ihrer Arbeitgeber immer im Schlepptau. Wie ihre Bilder in ihrem jeweiligen Zimmer versteckt sie sich selbst hinter ihrer Kleidung und ihrer Kamera, einer Rolleiflex, deren großer Vorteil ist, dass man sie nicht vors Auge halten muss, um zu fotografieren und so ganz in Vivian Maiers Stil versteckt Bilder machen kann.

Selbstporträt - Eine der vielen Fotografien, die man in Finding Vivian Maier zu sehen bekommt

Selbstporträt vor Spiegeln – Eine der vielen fantastischen Fotografien, die man in Finding Vivian Maier zu sehen bekommt

Ganz anders als Vivian Maier hatte Regisseur und Bilder-Finder John Maloof ein großes Bedürfnis, sein – und Maiers – Werk der Welt zu zeigen. Um dies zu ermöglichen, griff er auf Crowdfunding zurück, um Finding Vivian Maier zu realisieren. Das Ergebnis ist eine spannende Dokumentation, in der einerseits der Frage nachgegangen wird, warum ein Künstler sein Werk vor der Welt geheim halten möchte, und andererseits differenziert und einfühlsam eine Annäherung an die Person Vivian Maier stattfindet, die hinter der Fassade des Kindermädchens eine unkonventionelle, kreative und ihrer Zeit davon eilende Persönlichkeit versteckte. Nicht alle Fragen, die man zu Vivian Maier hat, werden beantwortet, was den Film noch interessanter und authentischer macht. Finding Vivian Maier anzusehen lohnt natürlich vor allem auf Grund des Porträts dieser ungewöhnlichen und auch nach dem Film noch unnahbaren Frau, darüber hinaus sieht man jedoch auch etliche der wirklich beeindruckenden Fotografien von Vivian Maier, Straßenszenen aus Chicago und New York und Selbstporträts, die jedem Fotografie-Fan das Herz höher schlagen lassen.

Finding Vivian Maier wurde auf zahlreichen Film-Festivals, darunter in Cannes und Berlin, vorgestellt und lief dieses Jahr in Deutschland im Kino. Mittlerweile ist Finding Vivian Maier auf DVD erschienen.

Infos zum Film

Finding Vivian Maier
USA, 2013
84 Minuten
Filmverleih: NFP
Regie: Charlie Siskel, John Maloof
Drehbuch: Charlie Siskel, John Maloof
mit Vivian Maier, John Maloof,
Mary Ellen Mark
FSK: frei ab 0

 

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