Am grünen Rand der Welt (Thomas Vinterberg)

Großartige Inszenierung eines Thomas Hardy-Romans in modernem Look: 4.5 Stars

Filmplakat zu Am grünen Rand der Welt

Filmplakat zu Am grünen Rand der Welt

Bathsheba Everdene (Carey Mulligan) hat früh gelernt, für sich selbst zu sorgen, denn ihre Eltern starben, als Bathsheba noch ein Kind war. Absolut unüblich für die Epoche wächst das junge Mädchen im viktorianischen England mit dem Wunsch auf, sich niemals von einem Mann abhängig zu machen – und niemals zu heiraten. So hilft sie mit auf dem Hof ihrer Tante und arbeitet für Kost und Logis. Natürlich entgeht der schönen jungen Frau nicht, dass das andere Geschlecht seine Reize hat, und so freundet sie sich mit dem Besitzer der benachbarten Schafsfarm an: Gabriel Oak (Matthias Schoenaerts). Dieser ist so beeindruckt von der unabhängigen, eigenwilligen Frau, dass er ihr einen Heiratsantrag macht und ihr nicht nur Liebe, sondern auch finanzielle Sicherheit verspricht.

Bathsheba lehnt Gabriels Antrag gemäß ihrer eigenen Vorsätze ab und erhält schon bald darauf die Nachricht, dass ihr Onkel ihr seinen Hof vermacht hat. Sie bricht also voller Vorfreude auf zu ihrer eigenen Farm und ahnt noch nicht, dass sie dort erneut ihrem Verehrer Gabriel Oak begegnen wird. Nun jedoch unter anderen Voraussetzungen, denn Gabriel – kurz nach seinem erfolglosen Heiratsantrag von einem Schicksalschlag getroffen – ist nun mittellos und sucht Arbeit auf Bathshebas Hof.



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Am grünen Rand der Welt warten gleich 3 Verehrer

Bathsheba muss sich zunächst vor dem hinterbliebenen Farm-Personal als neue Chefin und später an der Männer-dominierten Korn-Börse als ernstzunehmende Geschäftspartnerin behaupten. Doch dank ihres starken Willens schafft sie es, ihren neuen Betrieb wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Gabriel ist mittlerweile als Schäfer engagiert und auch wenn er damit eindeutig unter Bathsheba steht, ersucht sie ihn regelmäßig um Rat. Eine Beziehung oder gar Hochzeit zwischen den beiden scheint aussichtsloser denn je und Gabriel muss mitansehen, wie seine Angebetete gleich zwei weitere Heiratsanträge bekommt, von denen sie  letztlich einen annehmen wird.

Warum lässt sich ein literarischer Stoff von 1874 so modern interpretieren?

Autor Thomas Hardy, von dem die gleichnamige Literaturvorlage zu Am grünen Rand der Welt stammt, hatte für seine Epoche sehr fortschrittliche Ideen von starken Frauen, die auch ohne einen Versorger an ihrer Seite überleben könnten. Vor diesem Hintergrund schrieb er einen bemerkenswerten Roman aus der Perspektive einer Frau, die ihre Unabhängigkeit als ihr höchste Gut betrachtet. Was die Geschichte jedoch erst spannend und für ein Publikum von heute interessant macht, ist die Menschlichkeit der Hauptfigur, der im jungen Erwachsenenalter noch eine gute Portion an Lebenserfahrung fehlt, die ihr sexuelles Erwachen erlebt und die trotz oder gerade wegen der zahlreichen Wahlmöglichkeiten nicht unbedingt die richtige Entscheidung trifft. Dank der so unterschiedlichen und perfekt skizzierten drei männlichen Figuren, die Bathsheba flankieren, kommen Motive wie Leidenschaft, Besessenheit und Verrat ins Spiel, aber auch zeitlose Fragen wie die, was eine gute Beziehung eigentlich ausmacht und worauf sie basieren sollte.

Zur Entstehung von Am grünen Rand der Welt

Die Drehbuchadaption übernahm Autor David Nicholls, der bereits Thomas Hardys Roman Tess von den d’Urbervilles für die BBC adapiert hatte und für seinen Roman Drei auf Reisen für den Man Booker Prize 2014 nominiert war. Regisseur Thomas Vinterberg, der zusammen mit Lars von Trier das DOGMA 95-Manifest verfasst hatte, war von Anfang an von der Literaturvorlage begeistert:

„Hardy entwickelte Zeile für Zeile eine Geschichte, die mit ihren großartigen Charakteren und durch die Beschreibung der faszinierenden Landschaft, in der die Story spielt, eine große Tiefe entwickelt. Ich wollte diese epische Erhabenheit glaubwürdig widerspiegeln und die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit der Figuren, ihr Drama inmitten einer verschwenderischen Natur, miteinander verschmelzen.“

Warum sich der Film auf jeden Fall lohnt

Mir gefiel in Am grünen Rand der Welt von der ersten Minute an die Bildsprache mit ihren zahlreichen Symbolen und Vorausdeutungen, die am Ende wie ein Puzzle zusammengesetzt werden können und zeigen, dass alles mit allem zusammenhängt. Diese Vorausdeutungen werden unterstützt durch die Art, wie die Figuren eingeführt werden, und durch das, was sie sagen, dennoch hält die Story genügend Unvorhersehares bereit. Die Kamera ist stets nah an den Figuren und traut sich mutige, innovative Bildausschnitte, die lange im Gedächtnis bleiben. Trotz des Settings im viktorianischen England lassen Kameraführung, Farben und Kostüme den Film modern wirken. Regisseur Vinterberg ist es gelungen, eine ohnehin schon großartige Geschichte in einem cineastischen Meisterwerk optisch wie dramaturgisch zum Leuchten zu bringen. Ich bin sicher, dass Am grünen Rand der Welt in der nächsten Oscar-Runde zahlreiche Nominierungen einheimsen wird. Fazit: Unbedingt anschauen!

Infos zum Film

Am grünen Rand der Welt
(Far from the Madding Crowd)

GB / USA, 2015
119 Minuten
Filmverleih: 20th Century Fox
Regie: Thomas Vinterberg
Drehbuch: David Nicholls
Schauspieler: Carey Mulligan,
Matthias Schoenaerts, Michael Sheen,
Tom Sturridge, Juno Temple
FSK: frei ab 6

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