Dallas Buyers Club (Jean-Marc Vallée)

Nachhaltig beeindruckend und klischeefrei:

Filmplakat "Dallas Buyers Club"

Filmplakat „Dallas Buyers Club“

Cowboy Ron Woodroof (Matthew McConaughey) ist Hedonist durch und durch. Seine Welt in Dallas besteht aus Bull Rinding, Alkohol und harten Drogen, Sex mit wechselnden Frauen und einem Job als Elektriker. Als im Jahr 1985 die Zeitungen den Aids-Tod von Rock Hudson und dessen Homosexualität verkünden, ahnt in Rons Umgebung noch niemand, dass man sich mit dem HIV-Virus auch durch intravenös verabreichte Drogen und wechselnde Sexualpartner infizieren kann. Nach einem kleinen Arbeitsunfall wird Rons Blut im Krankenhaus untersucht – reine Routine. Umso größer der Schock, als er nicht nur die Diagnose HIV bekommt, sondern auch gleich die Ankündigung, dass er nur noch 30 Tage zu leben habe.

Mit den Worten „Es gibt  nichts, was einen Ron Woodroof innerhalb von 30 Tagen umbringt“ verlässt Ron schimpfend das Krankenhaus. Anfangs redet er sich ein, dass man seine Blutprobe vertauscht haben muss, und versucht, sein Leben weiter wie bisher dem Spaß zu widmen. Doch sein schwaches Immunsystem macht dem Cowboy immer wieder einen Strich durch die Rechnung, so dass er beginnt, sich in der örtlichen Bibliothek über HIV und die Behandlungsmöglichkeiten schlau zu machen.



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Nur noch 30 Tage zu leben

Bei seinen Recherchen findet Ron heraus, dass es zwar weltweit einige Mittel gibt, mit denen HIV-Positive behandelt werden, dass diese Medikamente jedoch auf dem amerikanischen Markt noch nicht zugelassen sind. Ein Mittel gibt es in den USA allerdings: AZT. Dieses wurde zwar vor einigen Jahren aus dem Verkehr gezogen, da es in Versuchen zu noch mehr Schädigung des Immunsystems geführt hat. Nun will die Pharmaindustrie es allerdings nochmal lancieren – einfach in einer geringeren Dosierung. Da die Ärztin Dr. Eve Saks (Jennifer Garner) von dem Medikament nach wie vor nicht überzeugt ist, verwehrt sie Ron auch ihre Hilfe, an das Medikament zu kommen. Ein Pfleger aus dem Krankenhaus ist jedoch bereit, Ron gegen Bargeld mit AZT aus dem Medikamentenschrank der Klinik zu versorgen. Ron geht es zwar trotz seiner täglichen Dosis AZT immer schlechter, doch seine Verzweiflung wächst, als der Pfleger ihm das Medikament nicht mehr beschaffen kann. Das einzige, was der Pfleger ihm noch mit auf den Weg gibt, ist die Adresse eines Arztes in Mexiko, der angeblich Vorräte von AZT bunkert.

Medikamenten-Schmuggel über die Grenze

Der Arzt in Mexiko erklärt Ron, wie sehr AZT dessen Immunsystem weiter zerstört hat. Er päppelt ihn auf mit weitaus weniger agressiven Medikamenten, die allerdings in den USA noch nicht zugelassen sind. Ron wittert ein gutes Geschäft und kauft dem Arzt gleich eine Kofferraumladung voll der Medikamente ab. Bei einer Grenzkontrolle kommt er gerade noch einmal davon, indem er angibt, die Medikamente lediglich für seinen Eigenbedarf mitzuführen. Zurück in Dallas versucht Ron mit mäßigem Erfolg, die Medikamente an andere HIV-Positive zu verkaufen, doch ihm fehlen die richtigen Kontakte. Trotz seiner homophoben Haltung gegenüber Homosexuellen lässt Ron sich auf einen Deal mit dem Transvestiten Rayon (Jared Leto) ein, den er bereits im Krankenhaus kennengelernt hat. Dieser will Ron bei den Verkäufen helfen und verlangt dafür eine Provision von 25 Prozent.

Der Dallas Buyers Club entsteht

Ron und Rayon gründen zusammen den Dallas Buyers Club. Täglich stehen Menschen vor den improvisierten Geschäftsräumen Schlange, um für 400 Dollar im Monat eine Mitgliedschaft zu erwerben. Diese beeinhaltet freien Zugang zu den Medikamenten, die Rons Gesundheit bereits so gut geholfen haben, dass er – unterstützt durch eine wesentlich gesündere Lebensweise – stabil ist und für seinen Dallas Buyers Club Tag und Nacht arbeiten kann. Mittlerweile hat Ron nicht nur weiteres Personal eingestellt, sondern verfügt über zahlreiche internationale Kontakte, von denen er die Medikamente bezieht. Die FDA (Food and Drug Administration) ärgert Rons Vorgehensweise, denn schließlich ist es die Behörde, die bestimmt, mit welchen Medikamenten amerikanische Bürger behandelt werden dürfen. Außerdem scheint die FDA Verpflichtungen gegenüber der Pharmaindustrie zu haben, die um jeden Preis bzw. für viel Geld AZT als Heilmittel gegen Aids etablieren will. Rons Lieferanten aus dem Ausland versagen ihm aus Angst nach und nach die Zusammenarbeit und eines Tages werden Rons gesamte Medikamenten-Bestände von der FDA gepfändet. Das gefährdet nicht nur Rons und Rayons Dallas Buyers Club, sondern auch die Gesundheit der beiden.

„Ich hab nur ein Leben. Es soll was bedeuten.“ (Ron Woodroof)

Das Faszinierende an „Dallas Buyers Club“ ist zunächst einmal die Figur des Ron Woodroof, denn er ist einem drastischen Wandel unterzogen. Vom unsympathischen Cowboy mit eher schlichtem Gemüt mausert er sich zu einem ideenreichen, professionellen Geschäftsmann, der es nicht nur schafft, seine Homophobie abzulegen, sondern der auch konsequent sein Ziel verfolgt. Dabei sorgt er ganz nebenbei dafür, dass andere HIV-Positive zu einem (in Anbetracht von Rons Risiko und seinen Betriebskosten) moderat erscheinenden Preis endlich wirksame Medikamente bekommen. Allein schon, dass er die Machenschaften zwischen Pharmaindustrie und korrupten Behörden untergräbt, macht Ron Woodroof zum Held.

Das Besondere an Dallas Buyers Club

Der Film lebt zum einen von Bildern und Schnitttechnik, die den Zuschauer immer sehr nah bei den Figuren halten und eine Distanzierung kaum zulassen. Wenn Ron Woodroof zum Beispiel allein in seinem Auto sitzt und plötzlich gepackt von Verzweiflung ungebremst wie ein Kind weint und schluchzt, dann sitzt man mit ihm in diesem Auto und ist Rons Gefühlen gnadenlos ausgesetzt. Zum anderen nutzt der Film diese Nähe zu den Figuren jedoch nicht aus in dem Sinne, dass er beim Zuschauer schon aufgrund des Themas Aids permanentes Mitleid oder Traurigkeit hervorrugen würde. Im Gegenteil sorgt die Figur des Ron und dessen lebensbejahende Entwicklung zum Geschäftsmann eher für Bewunderung seines Mutes und Mitfiebern im Kampf gegen Behörden. So lässt der Film den Zuschauer auch eher tief beeindruckt als traurig zurück und distanziert sich dabei angenehm von den üblichen Tränendrüsen-Drückern des Genres.

Was „Dallas Buyers Club“ jedoch auch nachhaltig unvergesslich macht, sind die Schauspieler. Allen voran sei hier Matthew McConaughey genannt, dessen Stärke in dem Film bei weitem darüber hinaus geht, dass er für die Rolle extrem abgenommen hat. Nach diesem Film wird es wohl kaum noch jemand wagen, McConaughey als gutaussehenden Liebeskomödianten abzustempeln, denn er spielt hier besser und beeindruckender, als manch alteingesessener Hollywood-Charakterdarsteller. Bei jeder Facette und Änderung seines Charakters ist man als Zuschauer dabei und bekommt einfach nicht genug davon, McConaughey zuzuschauen und ihm dabei einfach alles zu glauben. Ein Oscar für diese Hauptrolle wäre absolut wünschenswert und für mich persönlich ein Grund zur Freude. Auch Nebendarsteller Jared Leto zeigt in seiner Rolle als Transvestit Rayon eine sehr vielseitige Figur, die den Zuschauer in einer Sekunde schmunzeln lässt und ihm in der nächsten die Tränen in die Augen treibt. Auch für Leto würde es mich sehr freuen, wenn er für diese außergewöhnliche Performance einen Oscar als Bester Nebendarsteller bekäme.

„Dallas Buyers Club“ ist bei den Oscars 2014 nominiert in 6 Kategorien, unter anderem für Bester Film, Bester Hauptdarsteller und Bester Nebendarsteller.

Infos zum Film

Dallas Buyers Club
USA, 2013
117 Minuten
Filmverleih: Ascot Elite
Regie: Jean-Marc Vallée
Drehbuch: Craig Borton,
Melisa Wallack
mit Matthew McConaughey,
Jared Leto, Jennifer Garner
FSK: frei ab 12

 

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