Der große Trip – Wild (Jean-Marc Vallée)

Selbstfindungstrip einer jungen Frau mit viel Anregung zum Nachdenken: 4.0 Stars

Filmplakat "Der große Trip - Wild" © 2015 Twentieth Century Fox

Filmplakat „Der große Trip – Wild“ © 2015 Twentieth Century Fox

Zunächst ist Cheryl Strayed (Reese Witherspoon) nur eine junge Frau, die sich in den Kopf gesetzt hat, den 2.000 Kilometer langen PCT (Pacific Crest Trail) innerhalb von 3 Monaten entlang zu wandern. Dass sie darauf nicht richtig vorbereitet ist, wird deutlich, als sie ihren Rucksack packt: Offenbar hat sie einfach alles gekauft, was Camping-Shops für Trips dieser Art anbieten. Was ihr jedoch fehlt, ist das Gefühl dafür, was sie wirklich braucht. Und so landet neben einem Stapel Büchern und einer Großpackung Kondome sogar eine Säge in Cheryls Rucksack, der daraufhin so schwer ist, dass er die junge Frau beim Versuch, diesen auf den Rücken zu schnallen, unter sich begräbt. Diese Szene in einem Motelzimmer, die im Kino für einige Lacher sorgte, ist ein erster Hinweis darauf, dass Cheryl einiges mit sich rumschleppt, was sie besser hinter sich lassen sollte.

Anstatt den Rucksack vor der Wanderung zu entrümpeln, läuft Cheryl lieber mit der kompletten Last los und ist schon nach wenigen hundert Metern vollkommen außer Atem. Jedes Mal, wenn sie sich keuchend umdreht und feststellt, dass sie kaum vorwärts gekommen ist, sieht man ihr an, dass sie am liebsten abbrechen würde. Doch wie man im Laufe des Films anhand von Rückblenden erfährt, wiegen Cheryls Gründe dafür, vollkommen allein diese Strapaze durchzuziehen, schwerer als ihr Gepäck: Ihre Scheidung, ihre Drogensucht und das zerrüttete Verhältnis zu ihrem Bruder sind praktisch die Begleiterscheinungen der alles überschattenden Trauer um Cheryls geliebte Mutter Bobbi (Laura Dern). Und so ist dieser große Trip, der Cheryl allerhand veritable Gefahren, verlorene Zehennägel, aber auch großzügige Hilfe fremder Menschen beschert, eine Reise zu der Frau, zu der ihre Mutter sie erzogen hat, wie Cheryl es selbst ausdrückt.



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Was ist so besonders an „Der große Trip – Wild“

Reese Witherspoons ehrliches Schauspiel lässt den Zuschauer dermaßen nah an die Figur der Cheryl herankommen, dass man das Gefühl hat, selbst nachts allein im Zelt zu liegen, immer weiter kalten Brei zu essen und in Panik zu verfallen, weil sich der ersehnte Wassertank im Nirgendwo als leer entpuppt. Verstärkt wird dieser Effekt durch Cheryls innere Monologe, die per Voiceover vernehmbar sind und die genauso ungefiltert und natürlich wirken wie die eigenen.

Cheryls Mutter Bobbi wird liebevoll und fast ein bisschen esoterisch von Laura Dern gespielt. Nach und nach fällt es immer leichter nachzuvollziehen, warum sie für Cheryl und ihren Bruder Bezugsperson, Anker im Leben und Vorbild zugleich war und warum ihr Verlust bei Cheryl einen derartigen Zusammenbruch verursacht hat.

Der Film rührt an sehr vielen Stellen, ohne klischeehaft auf die Tränendrüse zu drücken (diese besondere Gabe bewies Regisseur Jean-Marc Vallée bereits mit Dallas Buyers Club), und regt durch die betont positive Lebenseinstellung von Cheryls Mutter und einige fast schon wundersame Reise-Begnungen zum Nachdenken an. Das von Nick Hornby verfasste Drehbuch basiert auf den Erlebnissen der echten Cheryl Strayed (zahlreiche Fotos von ihr sieht man im Abspann des Films), welche diese in ihrem Buch „Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst“ beschreibt.

Fazit zum Film

Ich kann den 2-fach Oscar-nominierten Film jedem emfehlen, der Lust auf einen tiefgründigen, knapp zweistündigen Selbstfindungstrip durch Einsamkeit und Wildnis hat, ohne dabei den bequemen Sessel verlassen zu müssen – großartige Landschaftsaufnahmen und Humor an den richtigen Stellen inklusive.

Infos zum Film

Der große Trip – Wild
(Wild)

USA, 2014
115 Minuten
Filmverleih: 20th Century Fox
Regie: Jean-Marc Vallée
Drehbuch: Nick Hornby
mit Reese Witherspoon, Laura Dern,
Thomas Sadoski
FSK: frei ab 12

 

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