Flight (Robert Zemeckis)

Filmplakat "Flight"

Filmplakat „Flight“

Für jemanden wie mich (Stichwort Flugangst) ist das erste Drittel von Flight extrem aufregend: Als Captain Whip Withaker (Denzel Washington) zu seinem morgendlichen Flug antritt, tobt ein ordentlicher Sturm. Die Maschine wird schon kurz nach dem Abheben minutenlang ungewöhnlich heftig durchgeschüttelt,  Passagiere und Besatzung wirken unentspannt. Im Cockpit setzt sich Captain Whip gegen seinen zur Vorsicht ratenden Co-Piloten durch und gibt Full Speed, denn auf dem Radar hat er irgendwo eine Lücke im Unwetter gesichtet, die er mit beinah kindlichem Ehrgeiz erreichen will. Und siehe da, Recht hat er! Endlich erlangt das Flugzeug eine stabile Fluglage, die Passagiere klatschen erleichtert und niemand nimmt übel, dass der Bordservice an diesem Tag ausfallen wird.

Die Ruhe trügt. Plötzlich gerät das Flugzeug erneut außer Kontrolle, doch diesmal scheint nicht die Wetterlage Schuld zu sein. Nach und nach fallen Instrumente aus, brennen Triebwerke, verkeilen sich Teile des Fahrwerks. Das Flugzeug fällt wie ein Stein vom Himmel, sämtliche Manöver-Versuche, die Piloten für solche Fälle antrainiert werden, bringen nicht den gewünschten Effekt. Im Passagier-Teil des Flugzeugs herrscht blinde Panik, selbst die Flugbegleiterinnen sind außer sich vor Angst. Da hat Captain Whip die rettende Idee. Er dreht das Flugzeug auf den Kopf und kann den Sinkflug auf diese Weise stabilisieren. Nachdem er es schafft, die Maschine in unbewohntem Gebiet notzulanden und auf diese Weise fast alle Passagiere und Besatzungsmitglieder zu retten, steht fest: niemand sonst hätte das offenbar defekte Flugzeug auf diese Weise landen können. Auch später im Simulator nachgestellte gleiche Situationen mit erfahrenen Piloten ergeben, dass eigentlich jeder an Bord bei diesem Umglück hätte ums Leben kommen müssen. Captain Whip Whitaker ist ein Held!


Flight-Kapitän Whip ein Held?

Noch bevor Captain Whitaker am Morgen besagten „Flight“ antritt, sieht der Zuschauer ihn in seinem Hotelzimmer. Die Nacht hat er nicht nur mit einer der Flugbegleiterinnen, sondern vor allem mit viel Alkohol und ein paar anderen Drogen verbracht. Und sogar während des Flugs, nachdem er das Flugzeug aus den ersten Turbulenzen herausgebracht hat, genehmigt er sich heimlich einen großen Orangensaft – mit einem ordentlichen Schuss Alkohol. Dass Whitaker dabei keinerlei Gewissensbisse hat, merkt man daran, wie er sich den Drink mischt: In der rechten Hand den Hörer, über den er den Passagieren mitteilt, dass der Getränke-Service für sie leider ausfällt, mit der linken Hand ganz routiniert in der Bordküche seinen alkoholischen Frühstücks-Drink mischend.

Natürlich bleibt der Alkoholpegel in Whips Blut zum Zeitpunkt der Notlandung nicht unentdeckt, denn im Krankenhaus wird dem Kapitän Blut abgenommen und untersucht. Und so wechselt Whip ganz bald aus der Rolle des Helden in die Rolle desjenigen, der beweisen muss, dass sein „Zustand“ nicht Schuld am Crash war.

 

Verschiedene Themen und Meinungen in Flight

Denkt man zu Beginn des Films noch, es gehe in Flight vor allem um die Frage, ob Schuld und Heldentum miteinander vereinbar sind, merkt man irgendwann, dass es spätestens in der zweiten Hälfte vor allem um den persönlichen Kampf mit Alkoholismus geht. Ich gehe mal davon aus, dass Regisseur Robert Zemeckis seinen „Helden“ absichtlich so angelegt hat, dass man als Zuschauer immer hin- und hergerissen ist zwischen Wut auf dieses Maß an Verantwortungslosigkeit, Entsetzen vor diesem Mangel an Selbstdisziplin, Bewunderung vor der abgeklärten Professionalität während der Katastrophe und Mitleid für einen Menschen, der sein Suchtproblem nicht in den Griff bekommt und die simple Frage, wer er eigentlich ist, nicht beantworten kann. Der Film lässt einen also nicht kalt und bleibt bis zum Schluss spannend und auf dramatische Weise unterhaltsam. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass noch ein paar andere Aspekte ausführlicher beleuchtet worden wären: So gibt es im Leben eines Alkoholikers, wie auch hier, Menschen, die unter der allgegenwärtigen Möglichkeit seiner Rückfälligkeit leiden. Sei es, weil sie seinen Abstinenz-Versprechen geglaubt haben und enttäuscht wurden, oder dass sie sich in beruflicher Hinsicht darauf verlassen haben, dass er sich zumindest bei einem wichtigen Termin zusammenreißt. Die Sichtweisen dieser entsprechenden Figuren kommen für meinen Geschmack in Flight zu kurz, stattdessen gibt es gegen Ende des Films eine unnötige und völlig unpassende Szene mit John Goodman, in der Drogen regelrecht als hipper Heilsbringer dargestellt werden.

 

Flight-Fazit

Von den genannten Kritikpunkten abgesehen ist Flight ein guter Film, der zum Nachdenken anregt und dennoch spannend ist. Denzel Washington schafft es, Antipathien und Sympathien für seine Rolle als Whip zu vereinen und spielt überzeugend einen tragischen Helden. Washington ist für diese Rolle in meinen Augen zu Recht nominiert für den Oscar als bester Hauptdarsteller, auch wenn es gegen Hugh Jackman („Les Misérables„) für ihn schwierig werden könnte.

Infos zum Film

Flight
USA, 2012
138 Minuten
Filmverleih: Studiocanal
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: John Gatins
mit Denzel Washington
John Goodman, Kelly Reilly
Don Cheadle, Bruce Greenwood
FSK: frei ab 12

 

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