Frances Ha (Noah Baumbach)

Filmplakat "Frances Ha"

Filmplakat „Frances Ha“

Frances und Sophie sind seit College-Tagen beste Freundinnen und einander so nah, dass Frances sie gerne als „Zwillingsschwestern mit unterschiedlichen Frisuren“ vorstellt. Die beiden teilen in New York ein Appartment, wobei Sophie die Miete bezahlt, denn mit ihrem Job bei Randomhouse verdient sie nicht schlecht. Frances (Greta Gerwig) hingegen, die sich selbst als Künstlerin bezeichnet, steckt noch in der Ausbildung bei einer renommierten Dance Company. Ihr Traum, einmal vom Tanzen leben zu können, scheint jedoch nach und nach unrealistischer: Für die große Weihnachts-Show wird sie sowieso nur als eine der zahlreichen Zweitbesetzungen aufgestellt und erhält von der Chefin schließlich auch dafür eine Absage mit der Begründung, die Company habe finanzielle Probleme. Doch Frances scheint vor allem in zwei Dingen erfolgreich, nämlich im Verdrängen und im sich-irgendwie-Durchschlagen. Das Angebot der Chefin, dass Frances im Sekretariat der Company anfangen kann, lehnt sie mit der verblüfften Frage ab: „Warum sollte ich das tun?“ Doch unterschwellige Karriere-Sorgen sind nicht das einzige Problem, das Frances zu bewältigen hat, denn in letzter Zeit benimmt sich ihre beste Freundin Sophie seltsam.



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Frances Ha – Ein Film mit zwei verwobenen Handlungssträngen

Die Freundschaft zwischen Frances und Sophie bildet den zweiten Handlungsstrang in „Frances Ha“. In vielen kleinen aneinander gereihten Episoden und einzelnen Szenen zu Beginn des Films bekommt man als Zuschauer schnell einen Eindruck von der Intensität und Intimität der Freundschaft, die für die beiden jungen Frauen gleichermaßen wichtig zu sein scheint. Frances riskiert sogar lieber die Trennung von ihrem Freund, als dass sie freiwillig bei Sophie ausziehen würde. Doch dann eröffnet Sophie ihr aus heiterem Himmel und als sei es das Logischste auf der Welt, dass sie nun lieber mit einer Bekannten namens Lisa zusammen ziehen will, denn diese habe die perfekte Wohnung in Sophies Lieblings-Viertel gefunden.

Abgesehen von der Tatsache, dass Frances sich nun mit ihrem schmalen Budget um eine neue Unterkunft kümmern muss, scheint dies der Punkt zu sein, an dem die Freundschaft langsam aber sicher den Bach runtergeht. Während Sophie ganz offensichtlich Abstand braucht, plötzlich feststellt, dass sie ihren Freund doch liebt und Frances immer weniger an ihrem Leben teilhaben lässt, wendet ihre „beste Freundin“ wieder einmal ihre Verdrängungs-Künste an, denn sich die Wahrheit einzugestehen, wäre einfach zu schmerzhaft für Frances. Sie lenkt sich ab mit einem Besuch bei ihren Eltern, einem völlig sinnlosen (da viel zu kurzen, dafür aber teuren) Trip nach Paris und einem Job als Kellnerin. Sie zieht ein bei einer Kollegin aus der Dance Company, die im Gegensatz zu ihr dort gerade Karriere macht, und versucht, mit dieser die gleiche Intimität wie damals mit Sophie aufzubauen – selbstverständlich erfolglos.

Intensität und Echtheit in Frances Ha

Sophie (li.) und Frances Ha

Sophie (li.) und Frances Ha © Copyright Pine District, LLC./ MFA+ FilmDistribution e.K.

Obwohl der Film in Schwarz-Weiß gedreht und auch schnitttechnisch ein echtes Kunstwerk ist, wirkt seine Hauptdarstellerin Greta Gerwig in ihrer Rolle der Frances so echt, als wäre sie unsere eigene beste Freundin. Ausgestattet mit vielen detaillierten Charakterzügen und Schrullen ist Frances ein verletzlicher Mensch, der Enttäuschungen auf den ersten Blick gut wegsteckt, dem sein Leiden jedoch mehr und mehr mit jeder Gestik und Mimik anzusehen ist. Und zwischen den Zeilen dessen, was Frances mitunter etwas wirr und unter Alkohol-Einfluss von sich gibt, schwingt das mit, was sie sich am meisten zurückwünscht: die Freundschaft zu Sophie. In diesem Zusammenhang bietet der Film bei all seiner reizenden Komödienhaftigkeit sehr viele äußerst rührende und traurige Momente, die jedem unter die Haut gehen dürften, der schon mal eine ähnlich enge Freundschaft geführt hat. Was Karriere und Identitätssuche von Frances betrifft, so sieht man eine Figur, die davon träumt, etwas bestimmtes zu sein, jedoch nicht den „offiziellen Titel“ dafür erreicht, um sich wirklich so nennen zu können. Umso schöner ist es zu erleben, wie Frances sich gegen Ende des Filmes endlich selbst findet. Der Film passt in das von Katja Hettich geprägte neue Subgenre „Melancholische Komödie„.

Regisseur Noah Baumbach © Copyright Pine District, LLC.

Regisseur Noah Baumbach © Copyright Pine District, LLC.

Hintergründe zum Film Frances Ha

Regisseur Noah Baumbach schrieb bereits mit Wes Anderson die Drehbücher zu Filmen wie „Die Tiefseetaucher“ und „Der fantastische Mr. Fox“ (als Adpation des Romans von Roald Dahl). Für „Frances Ha“ arbeitete Baumbach gemeinsam mit Hauptdarstellerin Greta Gerwig am Drehbuch, was offenbar dazu beigetragen hat, dass die Figur Frances so lebhaft und realistisch wirkt. Wie schon am Beispiel von Brit Marling in „Another Earth“ zu sehen war, kann es einem Drehbuch durchaus guttun, wenn die Hauptdarstellerin am Schreibprozess beteiligt ist. Ich stelle mir das so vor, dass ein Schauspieler, der sich im Vorfeld mit einer Figur beschäftigt hat, irgendwann einfach weiß, was diese Figur als nächstes tun wird, wie sie auf bestimmte Dinge reagiert und wie sie sich fühlt.

Fazit zum Film

Frances Ha ist ein sehenswerter Film, denn er überzeugt nicht nur durch seine edle und gleichzeit so lebhafte Schwarz-Weiß-Ästhetik und durch das beeindruckende schauspielerische Talent von Greta Gerwig. Der Film erzählt außerdem die glaubhafte und emotionale Geschichte einer jungen Frau, die erst durch Misserfolg sowie eine von anderen diktierte Unabhängigkeit und das darauf folgende Besinnen auf sich selbst feststellt, was ihr wirklich liegt.

Infos zum Film

Frances Ha
USA, 2012
86 Minuten
Filmverleih: MFA+ FilmDistribution
Regie: Noah Baumbach
Drehbuch:
Noah Baumbach, Greta Gerwig
mit Greta Gerwig, Mickey Summer,
Adam Driver, Michael Esper
FSK: frei ab 6

 

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