Gold – Gier hat eine neue Farbe (Stephen Gaghan)

Faszinierender Film über die Macht der Gier: 4.5 Stars

Kenny Wells (Matthew McConaughey) setzt eine Familientradition fort, indem er nach Gold sucht, und das in den 1980er Jahren. Sein Ur-ur-Großvater war nach Nevada gekommen, um nach Gold zu schürfen, und Kenny führt das Unternehmen seines verstorbenen Vaters fort, das sich auf die Finanzierung von Goldgräber-Aktivitäten spezialisiert hat. Doch der Erfolg bleibt bereits länger aus, die Investoren lassen sich schon kaum noch herab, überhaupt mit Kenny zu reden und die Aussicht, doch noch Erfolg zu haben, ist mehr als gering.

Ein Traum bringt Kenny dazu, Kontakt zu Michael Acosta (Édgar Ramírez) aufzunehmen, einem Geologen, der davon überzeugt ist, dass in Indonesien große Mengen des Edelmetalls zu finden sind – und der wie Kenny längst das Vertrauen all derjenigen verloren hat, die ihm seine Mission finanzieren könnten. Die beiden verstehen sich sofort, teilen eine gemeinsame Vision vom riesigen Gold-Fund und schaffen es, die benötigten Mittel zusammenzubringen. Kenny wendet sich nicht mehr an die Großinvestoren, sondern sucht kleinere Anleger, denen er glaubhaft versichern kann, dass sie Teil von The Next Big Thing sein können, wenn sie ihm ihr Geld geben.

Tatsächlich stößt das Team, das mittlerweile in Indonesien nach Gold gräbt, auf Proben, die sehr gute Werte aufweisen, und Wells und Acosta können nun auch die großen Investoren begeistern – so sehr sogar, dass diese versuchen, sie aus dem Geschäft zu drängen.

 


 

Der Wunsch nach Geld setzt alle Rationalität aus

Normalerweise finde ich immer etwas zu meckern an deutschen Untertiteln zu amerikanischen Filmtiteln. Doch bei Gold, der im Deutschen ergänzt wurde um Gier hat eine neue Farbe passt der Titel perfekt. Bereits bei der ersten Investitionsrunde, in der Wells Nachbarn und Bekannte zusammentrommelt, um Mitarbeiter anzuheuern und Geräte zu kaufen, stellt Acosta ihm die Frage, was er eigentlich verkauft – schließlich haben die beiden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Hand als einen gemeinsamen Traum, den ihnen zuvor auch niemand abgenommen hat. Wells‘ Antwort lautet „eine Geschichte“, und genau so funktionieren Verkäufe, kleine Betrügereien genau so wie große Aktien-Deals: Derjenige, der am besten in Aussicht stellen kann, dass man für Geld noch wahnsinnig viel mehr Geld bekommen kann, erhält am Ende den Zuschlag.

Wells kann dies besonders gut, weil er selbst daran glaubt, seinem Traum zum Greifen nah zu sein. Mehrfach sagt er im Film, dass das Gefühl, das man empfindet, wenn man Gold findet, einen süchtig machen kann. Genau so trifft dies aber auch auf die Investoren zu: Das Gefühl, das sie haben, wenn sie ihr Geld vermehren, hat sie längst so süchtig gemacht, dass Wells ihnen nur noch die Aussicht auf dieses Gefühl verkaufen muss. Die Gier, die die meisten Beteiligten antreibt, lässt sie alle Rationalität außer Kraft setzen.

Gold erzählt eine ähnliche Geschichte wie The Wolf of Wall Street, nur mit einer deutlich sympathischeren und wohlwollenderen Hauptfigur, die weit mehr Identifikationsfläche bietet. Und nachdem ich dieses Desaster hier ertragen habe, war ich außerdem auch sehr froh, wieder einen guten Film mit Matthew McConaughey  zu sehen. Der spielt mit viel, viel, viel Mut zur Hässlichkeit, überkämmter Glatze, einem massiven Gesichts-Schweiß-Problem und einer Nacktszene, bei der man sich angesichts der Größe des in die Kamera gehaltenen Hinterns fragt, wer hier wohl das Nackt-Double war.

Basierend auf einer wahren Begebenheit

Gold beruht auf einer wahren Begebenheit und erzählt lose die Geschichte des Bre-X-Skandals aus den 1990er-Jahren. David Walsh, der kanadische Besitzer einer Mineralgesellschaft, erlebte damals ganz ähnliches in Indonesien mit Michael de Guzman, und gut ging das Ganze auch im echten Leben nicht aus. Die Geschichte des Skandals kann man sehr gut hier nachlesen.

Der Film bietet eine spannende Story um einen Finanz-Skandal, wie er in kleinerer Form wohl ständig vorkommt. Außerdem erzählt er ganz nebenher noch die wunderbare Geschichte der Freundschaft zwischen Wells und Acosta, zwei Männern, die vielleicht am Ende nicht denselben Traum teilen, aber ein ähnliches Verantwortungsgefühl empfinden.

Gold erscheint heute auf DVD.

Infos zum Film

Gold – Gier hat eine neue Farbe
(Gold)

USA, 2016
116 Minuten
Filmverleih: Studiocanal
Regie: Stephen Gaghan
Drehbuch: Patrick Massett, John Zinman
mit Matthew McConaughey, Édgar Ramírez, Bryce Dallas Howard, Corey Stoll, Toby Kebbell, Craig T. Nelson, Bruce Greenwood
FSK: frei ab 12

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