Große Erwartungen (Mike Newell)

DVD-Cover "Große Erwartungen"

DVD-Cover „Große Erwartungen“

Kann aus einem Waisenjungen jemals ein Gentleman werden? Um diese Frage dreht sich der Film „Große Erwartungen“, dessen Geschichte auf  dem gleichnamigen Roman von Charles Dickens basiert. Der junge Pip, der bei seiner furienhaften Schwester (Sally Hawkins) und deren Mann, dem Schmied Joe (Jason Flemyng), aufwächst, macht die schicksalhafte Begegnung mit einem Straftäter (Ralph Fiennes), der zwar noch Ketten trägt, jedoch aus seiner Gefangenschaft fliehen konnte. Dieser Mann, Abel Magwitch, schüchtert Pip so ein, dass der Junge zuhause Essen und eine Feile stiehlt, damit Abel nicht nur überleben, sondern sich auch von den Ketten befreien kann. Abel wird zwar bald darauf wieder gefasst, ist Pip aber nachhaltig dankbar. Und ohne dass er es zu diesem Zeitpunkt ahnt, hat Pip mit seiner Tat eine wichtige Weiche für sein weiteres Leben gestellt.

 

Pip hat plötzlich große Erwartungen

Pip, der sich bisher mit einem einfachen Leben und der Freundschaft zu seinem Schwager Joe zufrieden gegeben hat, wird eines Tages von der mysteriösen, reichen Dame Miss Havisham (Helena Bonham Carter) zu ihrem Anwesen bestellt, da Miss Havisham ein wenig Zerstreuung sucht. Als Pip dann in der völlig abgedunkelten Villa vorstellig wird, präsentiert seine „Arbeitgeberin“ ihm ihre Adoptivtochter Estella. Vom ersten Moment an ist Pip fasziniert von dem schönen Mädchen. Er verliebt sich sogar in Estella, obwohl sich diese stets arrogant und gefühlskalt zeigt.



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Miss Havisham bestellt Pip nun regelmäßig, damit dieser Zeit mit Estella verbringt. Sie entlohnt ihn sogar dafür, doch ihre Beweggründe, die beiden Kinder immer wieder zusammen zu bringen, sehen eigentlich ganz anders aus. Der verliebte Pip wünscht sich derweil nichts sehnlicher, als aus seinen ärmlichen Lebensverhältnissen auszubrechen und ein richtiger Gentleman zu werden, damit Estella eines Tages mehr in ihm sieht als nur einen Zeitvertreib.

 

Ein unbekannter Gönner

Der mittlerweile erwachsene Pip (Jeremy Irvine), der in der Schmiede seines Schwagers Joe arbeitet, erhält eines Tages Besuch von einem Anwalt namens Mr. Jaggers (Robbie Coltrane), dessen Mandant ungenannt zu bleiben wünscht. Pip erfährt, dass jemand ihm eine beträchtliche Summe zur Verfügung stellt, damit aus ihm in London ein wahrer Gentleman werden kann. Pip zögert keine Sekunde, sondern lässt den mittlerweile verwitweten Schwager Joe in der Schmiede einfach zurück und besorgt sich erstmal für viel Geld neue Kleidung. In London angekommen, erhält er von Mr. Jaggers Taschengeld sowie den Schlüssel zu einer eigenen Wohnung. Jaggers meldet Pip außerdem in einem der wichtigsten Clubs an, in denen junge Gentlemen sich regelmäßig treffen. So kommt es, dass Pip eines Tages erfährt, dass die mittlerweile ebenfalls erwachsene Estella (Holliday Grainger) sich ausgerechnet mit dem fiesesten Clubmitglied, einem der reichsten Männer Londons, eingelassen hat. Und nicht nur das: Estella steht, ohne es zu wissen, in direkter Verbindung zu Pips heimlichen Gönner.

 

Große Erwartungen – zum Hintergrund

Der Stoff von Charles Dickens bietet soviel Potenzial und soviele Möglichkeiten, Akzente zu setzen, dass er bereits mehrfach verfilmt wurde. Bekannt wurden u. a. die stark modernisierte Version aus dem Jahr 1998 mit Gwyneth Paltrow und Ethan Hawke in den Hauptrollen (Regie: Alfonso Cuarón). Als dreiteilige Miniserie erschien Ende 2012 eine BBC-Produktion (Regie: Brian Kirk), die im deutschen Fernsehen Anfang 2013 unter dem Titel „Great Expectations – Große Erwartungen“ ausgestrahlt wurde. Für die hier besprochene Verfilmung schuf Schriftsteller David Nicholls („Zwei an einem Tag„) die Drehbuch-Adaption und setzte dabei die Akzente vor allem auf die Entwicklung des Pip vom benachteiligten Waisenjungen zu einem Mitglieder der reichen Londoner Gesellschaft.

 

Fazit: zu große Erwartungen?

Leider wird der Film ab einem gewissen Punkt unübersichtlich, denn es laufen nicht nur verschiedene Handlungsstränge und Rückblenden parallel, sondern es treten immer mehr Figuren auf, auf die man sich aufgrund ihrer großen Anzahl kaum zu konzentrieren vermag. Vielleicht hätte Drehbuchautor Nicholls den Fokus noch genauer setzen und nur ausgewählte Aspekte der Geschichte beleuchten müssen, um dies zu verhindern. So hinterlässt der Film „Große Erwartungen“ leider keinen bleibenden Eindruck, was leider auch daran liegt, dass die beiden erwachsenen Hauptdarsteller von Pip und Estella nicht in Lage sind, den Zuschauer einzufangen. Eine bessere Vorstellung liefern dagegen die Kinderschauspieler der beiden Charaktere zu Beginn des Films.

Infos zum Film

Große Erwartungen
(Great Expectations)

UK, 2012
128 Minuten
Filmverleih: Senator
Regie: Mike Newell
Drehbuch: David Nicholls
mit Jeremy Irvine, Ralph Fiennes,
Helena Bonham Carter,
Robbie Coltrane, Holliday Grainger,
Sally Hawkins, Ewen Bremner,
Jason Flemyng
FSK: frei ab 12

 

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