Ida (Pawel Pawlikowski)

Stilles Drama über Schuld, Glauben und Identität: 4.0 Stars

Filmplakat Ida (Film von Pawel Pawlikowski)

Filmplakat Ida (Film von Pawel Pawlikowski)

Obwohl Anna (Agata Trzebuchowska) gerade mal 18 Jahre alt ist, hat sie ihren Platz im Leben bereits gefunden. Als Waise in einem polnischen katholischen Kloster aufgewachsen, steht für Anna fest, dass sie Nonne werden will. Von ihren Eltern weiß sie nichts, doch das trifft auch viele Kinder zu, die ihre Eltern während der Jahre des Zweiten Weltkriegs verloren haben. Bevor Anna ihr Gelübde ablegen darf, muss sie auf Wunsch der Äbtissin eine Verwandte besuchen, von der Anna bisher nicht einmal wusste, dass es sie gibt: ihre Tante Wanda (Agata Kulesza). Da Gehorsam eine der Tugenden ist, auf die es für eine junge Novizin ankommt, tut Anna wie geheißen und besucht Wanda. Für die Frauen bringt diese beiderseits ungewollte Begegnung nicht nur angenehmes mit sich. Anna erfährt, dass ihr Name in Wahrheit Ida ist – und dass sie aus einer jüdischen Familie stammt.

Ida nimmt die neue Information fast stoisch entgegen, obwohl sie die bislang gefundene Identität völlig in Frage stellt. Stattdessen begibt sich Ida mit ihrer Tante Wanda auf die Suche nach jemandem, der ihr das Grab der Eltern zeigen kann. Nicht nur für Ida bedeutet dies eine unberechenbare Reise in die Vergangenheit. Auch Wanda wird mit Erinnerungen konfrontiert, die sie lieber weiter unterdrückt hätte. Die sehr unterschiedlichen Frauen finden zusammen Antworten auf Fragen, die sie auf Grund der gemeinsamen Vergangenheit auf Dauer miteinander verbinden.


 

Ida – Auf der Suche nach der eigenen Identität

Ida ist die Geschichte eines jungen Mädchens, dessen Leben vollständig in Frage gestellt wird, als es erfährt, woher es wirklich kommt. Die Suche nach der Antwort auf die Frage nach dem Verbleib der Eltern, nach der Schuld an ihrem Tod, bringt dabei zwei Generationen zusammen, die sich anfangs fremd und verständnislos gegenüberstehen. Der dialogarme, in schwarz-weiß gedrehte Film stellt dabei die Frage nach Schuld und Verantwortung. Der Tod von Idas Eltern – ob nun aktiv herbeigeführt oder einfach geduldet – steht symbolisch für ein Land, das sich damit arrangiert hat, wegzusehen oder sogar mitzuhelfen bei den Greueln des 20. Jahrhunderts. Idas Suche nach Verantwortlichen stört die wieder aufkeimende Freude in einer Gesellschaft, die den Krieg lange hinter sich gelassen hat, in der wieder gesungen, gelacht und getanzt wird.

Ida ist jedoch nicht nur eine Auseinandersetzung mit der Geschichte Europas des 20. Jahrhunderts, mit kollektiver und persönlicher Schuld, sondern darüber hinaus eine sehr individuelle Geschichte über die Suche nach dem eigenen Platz in einer Welt, die einem keinen Platz anbietet. Das Mädchen Anna / Ida trifft die Entscheidung sehr früh, dass sie einen ungewöhnlichen Weg beschreitet, um einen Ort zu haben, an dem sie dazu gehört, eine Art Familie, die ihr nur das Kloster mit seinen strengen Regeln bieten kann.

Ida ist mittlerweile bereits auf DVD erschienen.

Infos zum Film

Ida
Polen/Dänemark, 2013
82 Minuten
Filmverleih: Arsenal Filmverleih
Regie: Pawel Pawlikowski
Drehbuch: Pawel Pawlikowski
mit Agata Kulesza,
Agata Trzebuchowska, Halina Skoczynska
FSK: frei ab 0

 

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