Inherent Vice (Paul Thomas Anderson)

Abgefahrener Trip eines Privatdetektivs in den 1970ern: 5.0 Stars

DVD-Cover Inherent Vice

DVD-Cover Inherent Vice

Larry „Doc“ Sportello (Joaquin Phoenix) ist ein echtes Kind der der Siebziger: Er kifft regelmäßig, trägt Hosen mit Schlag und seine Koteletten lassen Wolverine vor Neid erblassen. Seinen Lebensunterhalt und Drogenkonsum bestreitet er als Privatdetektiv, was ihm einige halbseidene Kontakte und eine an Hassliebe grenzende Feindschaft mit Polizist Christian „Bigfoot“ Bjornsen (Josh Brolin) einbringt. Docs eingespieltes Leben gerät allerdings ziemlich aus den Fugen, als seine Ex-Freundin Shasta Hepworth (Katherine Waterston) plötzlich in seinem Strandhaus im (fiktiven) Los Angeles-Vorort Gordita Beach vor ihm steht. Shasta kommt nicht von ungefähr zu ihrem Ex, sondern steckt aus eigener Sicht in einer echten Zwickmühle. Bereits seit einer Weile hat sie eine Affäre mit dem Immobilien-Mogul Micky Wolfmann (Eric Roberts), dessen Ehefrau nun Shasta gebeten hat, gemeinsam mit ihr und ihrem Lover den Milliardär in eine psychiatrische Anstalt einweisen zu lassen. Shasta hat Gewissensbisse, bittet Doc um Hilfe – und verschwindet dann spurlos.

Doc nimmt den Auftrag seiner großen Liebe natürlich ernst, auch wenn das Umfeld von Wolfmann nichts Gutes verheißt. Seine Leibwächter rekrutiert der Schwerreiche aus der rechtsradikalen Vereinigung Aryan Brotherhood, und deren Wege kreuzt Doc bei den Ermittlungen natürlich. Doch dies ist nicht die einzige Gruppierung, die dem Privatdetektiv in die Quere kommt: Je länger er der Spur von Shasta und dem mittlerweile ebenfalls verschwundenen Wolfmann folgt, desto skurriler werden die auf der Bildfläche erscheinenden Personen und Vereinigungen, die Doc sehr schnell an den Kragen wollen. Offensichtlich hat die Suche nach Shasta und ihrem Freund Doc in ein Wespennest stechen lassen. Über Umwege stößt der kiffende Ermittler auf die Vereinigung „Der goldene Fangzahn“, die entweder Drogen schmuggelt oder Zahnärzten dabei hilft, Steuern zu hinterziehen – wahrscheinlich sogar beides.



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Inherent Vice: Doc Sportello fährt einen Trip

Inherent Vice besitzt ein unglaubliches Tempo, was daran liegt, dass Doc Sportello in kürzestem Abstand die unglaublichsten Dinge passieren: Eben noch folgt er einem Hinweis in einen „Massage-Salon“, wo ihm völlig unvermittelt die Rezeptionistin und ihre Kollegin eine alle Erwartungen übertreffende Show liefern, und keine zwei Minuten später erwacht er neben der Leiche von Micky Wolfmanns Leibwächter – umzingelt von schussbereiten Polizisten, natürlich angeführt von seinem Lieblings-Cop Bigfoot. Die Ideen, denen die Story folgt, sind teilweise so absurd und phantasievoll, dass sich manchmal die Frage stellt, ob Doc nicht vielleicht halluziniert – obwohl oder gerade weil er während der Befragung eines Auftraggebers nichts anderes als „NOT HALLUCINATING“ in seinem Block notiert. Darüber hinaus besteht die Welt von Inherent Vice vor allem aus Verbindungen: Jede der vielen Personen, denen Doc im Laufe der Geschichte begegnet, scheint eine Verbindung zu seinem Fall zu haben, und immer gerade dann, wenn man ihn auf einer falschen Fährte glaubt, taucht plötzlich jemand auf, den man schon kannte und mit dem man nun wirklich nicht rechnen konnte.

Inherent Vice – Natürliche Mängel ist die erste filmische Adaption eines Romans von Thomas Pynchon, zum einen, weil Pynchon vorher nie einer Verfilmung zugestimmt hat, zum anderen, weil seine Romane sicher nicht leicht auf die Leinwand zu bringen sind. Die abgefahrene Story, erzählt aus der  Sicht des kiffenden Privatdetektivs Doc Sportello, ist gleichzeitig spannend, wahnsinnig schnell und unglaublich witzig. Dazu fährt Regisseur Paul Thomas Anderson genau wie Pynchon eine schier endlos scheinende Zahl an Akteuren auf – alle hochkarätig besetzt -, die einem beim Zusehen das Gefühl vermittelt, selbst weiter und weiter in den kriminellen Sumpf rund um Micky Wolfmann hineingezogen zu werden.

Die Umsetzung der Literaturvorlage ist derart gut gelungen, dass Anderson eine Oscar-Nominierung für das beste adaptierte Drehbuch einfahren konnte. Joaquin Phoenix, der nach The Master erneut mit Anderson zusammenarbeite, war für seine hervorragende Darstellung für einen Golden Globe nominiert. Der Soundtrack, der einen geradewegs in die Siebziger katapultiert, wurde von Radiohead-Gitarrist Johnny Greenwood geschrieben.

Dieser absolut abgefahrene Trip ist mittlerweile auf DVD erschienen. Von mir gibt’s eine klare Empfehlung.

 

Infos zum Film

Inherent Vice – Natürliche Mängel
(Inherent Vice)

USA, 2015
149 Minuten
Filmverleih: Warner Brothers
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
mit Joaquin Phoenix, Josh Brolin,
Owen Wilson, Katherine Waterston,
Reese Witherspoon, Benicio del Toro,
Jena Malone, Joanna Newsom,
Martin Short
FSK: frei ab 16

 

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