Moonlight (Barry Jenkins)

Sozialdrama über einen Jungen ohne Alternativen: 4.0 Stars

Filmplakat Moonlight

Liberty City ist ein Stadtteil von Miami, der nicht weiter weg sein könnte von Palmen, Strand und Sommerurlaub in Florida. Hier wächst Chiron, genannt Little, bei seiner crack-süchtigen Mutter auf, und die meiste Zeit seines jungen Lebens verbringt er damit, es irgendwie zu verkraften. In der Gegend, in der er lebt, gibt es genau zwei Möglichkeiten, wie man sein kann: hart oder weich. Und was Little ist, verrät schon sein Spitzname.

Als er sich nach der Schule vor seinen Mitschülern in einem leerstehenden Haus versteckt, liest ihn dort der Drogendealer Juan auf, in vielem das genaue Gegenteil von Little – eigenständig, stark und außerdem auf der vermeintlichen Gewinner-Seite der alles dominierenden Drogenszene des Viertels. Juan kümmert sich um den Jungen, bringt ihm das Schwimmen bei, erklärt ihm sehr einfühlsam, was seine Mitschüler meinen, wenn sie ihn „Schwuchtel“ schimpfen, und gibt ihm ein Dach über dem Kopf, wenn er mal wieder nicht nach Hause kann. Die beiden entwickeln eine Art Vater-Sohn-Beziehung, obwohl beiden bewusst ist, dass Juan durch seine Drogengeschäfte Mitverantwortung an Chirons Leid durch seine drogensüchtige Mutter trägt.


 

Moonlight: Erwachsen werden unter härtesten Bedingungen

Wenige Jahre später kämpft Chiron immer noch damit, sich selbst zu finden, hat Juan als Vaterfigur verloren, aber findet in seinem Schulkameraden Kevin sogar mehr als einen Freund. Doch am Ende läuft es für ihn immer wieder auf die Frage heraus, wie er sein will: hart oder weich, stark oder schwach, eine Kopie von Juan oder von seiner Mutter. Dass es auch dazwischen noch Schattierungen gibt, lernt er erst nach und nach – und vor allem unterstützt durch Kevin.

Moonlight basiert auf dem Theaterstück In Moonlight Black Boys Look Blue von Tarell Alvin McCraney. Dieser etwas sperrigere Titel zeigt schon, worum es in Stück und Film geht: Was man in jemandem sieht, hängt stark davon ab, in welchem Licht man ihn betrachtet. Der Film ist in drei Episoden unterteilt, die „Little“, „Chiron“ und „Black“ benannt  sind – Chirons unterschiedliche Namen in verschiedenen Phasen seines Lebens. Diese drei Varianten desselben Menschen sind der rote Faden des Films. Zwar sieht man in den Augen der drei fantastischen Schauspieler immer denselben kleinen Jungen, dessen Mutter am Crack zu Grunde geht, rein äußerlich ändert sich Chiron aber vom Kleinsten der Klasse über den großen und schlaksigen Jugendlichen hin zum Muskelpaket, das tatsächlich Juans Sohn sein könnte.

Bei all den Veränderungen sieht man Chiron an, dass er eigentlich nur er selbst sein möchte, es aber nicht kann – weil seine Umwelt das nicht zulässt. In Liberty City gehört man entweder zu den Gewinnern oder den Verlierern, ein dazwischen gibt es nicht.

Dass es das vielleicht doch geben kann, zeigt ihm ausgerechnet sein Freund Kevin, der trotz gar nicht so großer zeitlicher Präsenz in seinem Leben eine absolut tragende Rolle spielt.

Moonlight besticht durch eine mitreißende Story, tolle Schauspieler und Einsichten in eine Parallelwelt, die nahezu unabhängig und unbehelligt vom Rest der Welt mit ihren eigenen Regeln existiert. Wer hier geboren wird, kommt nicht mehr raus, selbst, wenn er Tausende Kilometer weit wegzieht.

Moonlight war das Filmereignis des letzten Jahres. Der Film erhielt zahlreiche Auszeichnungen und sogar den Oscar als Bester Film – meiner Meinung nach absolut zu Recht. Mittlerweile ist Moonlight auf DVD und BluRay erschienen – für alle, die den Film im Kino verpasst haben oder ihn gerne zuhause noch einmal sehen wollen.

Infos zum Film

Moonlight

USA, 2016
106 Minuten
Filmverleih: DCM Filmverleih
Regie: Barry Jenkins
Drehbuch: Barry Jenkins
mit Alex R. Hibbert, Ashton Sanders, Trevante Rhodes, Mahershala Ali, Janelle Monáe
FSK: frei ab 12

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