Mr. Morgan’s Last Love (Sandra Nettelbeck)

Charmante und manchmal melancholische Liebesgeschichte: 3.0 Stars

Filmplakat "Mr. Morgan's Last Love"

Filmplakat „Mr. Morgan’s Last Love“

Für Matthew Morgan (Sir Michael Caine) ist seit dem Tod seiner Frau Joan alles nur noch eine Frage der Zeit. Seit mehr als drei Jahren lebt Matthew allein in Paris, wo Joan so gerne bis an ihr Lebensende bleiben wollte, und die Einsamkeit, der er ausgesetzt ist, wird noch dadurch verstärkt, dass er kein einziges Wort Französisch kann. Zu sehr hatte der ehemalige Philosophie-Professor sich in allem Praktischen auf seine Frau verlassen, als dass er nun mit dem Alltag zurecht käme. Seine sozialen Kontakte beschränken sich auf seine Haushälterin, eine wöchentliche Verabredung zum Mittagessen und die Sandwich-Verkäuferin seines Vertrauens, die sich hinter seinem Rücken aber noch über Morgans fehlende Sprachkenntnisse lustig macht.

Da sein Leben ohnehin nur noch aus Vergangenheit besteht, auf dem Grabstein des Ehegrabs nur noch sein Todesjahr ausgefüllt werden muss und die Kontakte zu Sohn Miles (Justin Kirk) sporadischer und kälter werden, trägt er sich schon länger mit dem Gedanken, Joan zu folgen und seinem Leben ein Ende zu setzen. Schließlich hat er nicht nur seine Frau verloren, sondern ein Stück seiner selbst. Doch auch zum Freitod kann er sich nicht ganz entschließen, irrt stattdessen einsam durch die Straßen von Paris und an die Orte, die er gemeinsam mit seiner Frau besuchte und setzt die Gespräche, die sie geführt haben, in Gedanken fort.


 

Ungewöhnliche Freundschaft

Eine zufällige Begegnung im Bus bringt ganz unerwartet eine Veränderung in Matthews Leben: Tanzlehrerin Pauline (Clémence Poésy) fühlt sich vom ersten Augenblick an für den viel älteren Mann verantwortlich und schließt mit ihm Freundschaft, auch wenn er danach gar nicht auf der Suche war. Für Matthew wirft dies noch einmal ein ganz anderes Licht auf die verbleibenden Jahre, denn Pauline ist nicht nur liebenswert und optimistisch, sondern erinnert ihn außerdem auch an Joan. Dies führt jedoch nicht dazu, dass Morgan neuen Schwung im Leben findet, sondern dass ihm noch deutlicher bewusst wird, dass seine Zeit vorbei ist, und der nun ernsthaft unternommene Selbstmordversuch gelingt fast. Teilweise alarmiert, mehr noch jedoch genervt von den Umständen, die das Ganze jetzt bereitet, tauchen Sohn Miles und Tochter Karen (Gillian Anderson) auf und versuchen, den Vater dazu zu bewegen, in die USA zurückzukehren.

„Mr. Morgan’s Last Love“ ist ein Film mit mehreren Schwerpunkten, die er unterschiedlich gut umsetzt. Da ist zunächst das alles – im Film und in Matthew Morgan’s Leben – beherrschende Thema des Verlusts des langjährigen Lebenspartners, der sich in vielen kleinen Details des Alltags wiederfindet, sei es, dass Morgan den Kellner duzt, weil seine Frau ihm die Redewendungen für die Unterhaltung mit ihr beigebracht hat, dass er die Tage, die seit Joans Tod vergangen sind, zählt, oder dass er immer noch in seiner Hälfte des Betts schläft, als läge sie neben ihm. Dieser Teil des Films ist absolut einfühlsam geschildert und schafft es, einen emotional besonders zu berühren. Meiner Meinung nach hätte das auch für den Film völlig gereicht. Stattdessen gibt es aber die fast schon klischeehafte junge Pariser Tanzlehrerin, die wieder etwas Lebensmut in Mr. Morgan’s Welt bringen will und auch gleich noch meint, jahrelange Zerwürfnisse zwischen Vater und Sohn kitten zu müssen. Tatsächlich lenken diese Nebenschauplätze eher von der eigentlichen Geschichte der Trauer ab und machen „Mr. Morgan’s Last Love“ damit zeitweise sogar langweilig. Dass Matthew Morgan plötzlich auch noch eine Tochter hat, ist für die Geschichte nicht nur völlig unerheblich, sondern wirkt auch so, als hätte man einfach gerne Gillian Anderson noch im Film platziert.

Trotz dieser Längen und einiger unnötiger Story-Elemente ist „Mr. Morgan’s Last Love“ ein berührender Film über Verlust und Trauer, der genau diese Gefühle absolut authentisch und nachempfindbar zeigt. Der Film basiert auf dem Roman „Die letzte Liebe des Monsieur Armand“ von Françoise Dornier.

Infos zum Film

Mr. Morgan’s Last Love
Deutschland/Belgien 2013
116 Minuten
Filmverleih: Senator Filmverleih
Regie: Sandra Nettelbeck
Drehbuch: Sandra Nettelbeck
mit Sir Michael Caine, Clémence Poésy,
Gillian Anderson, Justin Kirk,
Jane Alexander
FSK: frei ab 0

 

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