Quiz Show (Robert Redford)

Spannender und kritischer Blick auf die Massen-Medien:

DVD-Cover Quiz Show

DVD-Cover Quiz Show

Das Streben vieler Menschen danach, mit viel Glück und ein paar Fähigkeiten, die man im Alltag nicht braucht, an Geld zu kommen, hält ganze Branchen am Leben. Ob Losbuden, Call-in-Sender oder Lotteriebetriebe – sie alle verkaufen den Traum, an den üblichen Wegen des Lebens vorbeizuziehen und es ohne große Anstrengung zu Wohlstand zu bringen. Dieser Traum ist so tief verwurzelt, dass es nicht nur Freude bereitet, ihn selbst zu träumen, sondern gerne auch anderen beim Träumen, Gewinnen und sogar Verlieren zuzuschauen. Etliche Fernseh-Sendungen basieren auf diesem Schema, und schon zu Beginn des Fernsehens war die Quiz Show ein besonders beliebtes Format.

Dass nicht alles, was im Fernsehen als echt gezeigt wird, der Realität entspricht, wundert in Zeiten von Doku-Soap und Skripted Reality niemanden mehr. In den 1950er Jahren jedoch sorgte die Manipulation der Quiz Show Twenty One für einen der größten Fernseh-Skandale, den Robert Redford 1994 eindrucksvoll filmisch nacherzählte.

Herb Stempel (John Turturro) hat es endlich geschafft, sein umwerfendes Gedächtnis gewinnbringend einzusetzen: Woche für Woche tritt er in Twenty One auf und beantwortet Fragen. Das Prinzip der Show ist einfach: Zwei Kandidaten treten in Schallschutzkabinen gegeneinander an, müssen Fragen aus verschiedenen Themengebieten beantworten und dafür Punkte setzen, die sie je nach Antwort hinzugewinnen oder wieder verlieren. Wer zuerst 21 Punkte hat, gewinnt einen hohen Geldbetrag, der sich natürlich umso mehr erhöht, je länger man an der Quiz Show teilnimmt. Herb ist der Meister der Sendung, so lange wie er war noch niemand Kandidat. Doch die Produzenten werden seiner langsam überdrüssig – Herb ist ein seltsamer Kauz, nicht besonders attraktiv (wie man findet eher ein „Gesicht fürs Radio“) und außerdem ist er Jude. Also gibt man ihm Geld dafür, dass er eine Frage beantwortet, während man gleichzeitig den gutaussehenden Intellektuellen-Sohn Charles Van Doren (Ralph Fiennes) in die Sendung einschleust.


 

Betrug in der Quiz Show

Auch wenn Herb sich gedemütigt fühlt, gibt er in der entscheidenden Sendung die falsche Antwort, die man ihm vorgegeben hatte. Charles Van Doren dagegen erhält eine Frage, die er bereits beim Casting richtig beantwortet hatte, und ist somit neuer Champion. Charles ist beim Publikum so beliebt, dass er zum Garant für gute Einschaltquoten zu werden scheint. Um nichts dem Zufall zu überlassen, bieten die Produzenten Charles an, ihm die Antworten der Sendung bereits im Vorfeld zu übergeben. Dieser streubt sich zunächst, ist von Ruhm und Geld jedoch so angetan, dass er sich schließlich zumindest die Fragen geben lässt. Als diese moralische Barriere gefallen ist, dauert es natürlich auch nicht mehr lange, bis er auch die Antworten nimmt.

Herb ist derweil so enttäuscht – und pleite -, dass er den Fernsehsender wegen Betruges verklagt. Dass ihm irgendjemand glaubt, scheint dabei nahezu ausgeschlossen, denn schließlich verhält sich Herb genau so, wie man es von einem verbitterten Ex-Kandidaten erwartet, der nicht verlieren kann.

Robert Redfords Film Quiz Show erzählt absolut spannend und sehr persönlich eine Geschichte der Massenmedien, die uns heute längst nicht mehr schockiert. Dennoch oder auch gerade deswegen besitzt Quiz Show durchaus aktuelle Relevanz – schließlich ist der Mechanismus, der das Fernsehen heute dazu bringt, C-Promis im Dschungel lebende Tiere essen zu lassen oder sich über partnersuchende Landwirte lustig zu machen, exakt der gleiche wie der im Film dargestellte: Was Quote bringt, wird gemacht. Dabei trifft die Kritik nur bedingt die Sender, die schließlich nur das liefern, was der Zuschauer haben will. Die eigentliche Verantwortung für das, was gezeigt wird, trägt der Konsument. Herb ist tatsächlich nicht sympathisch, ein Querulant, der selbst seiner Frau auf die Nerven fällt, und die Gesetze der Medien machen es leicht, dem attraktiven, offenen und charmanten Charles Van Doren seine „Schummeleien“ nachzusehen. Wer von beiden jetzt wirklich der Belesenere ist, spielt für den Zuschauer am Ende weniger eine Rolle als die Frage, wem man den Gewinn auf Grund von Äußerlichkeiten mehr gönnt. Gegen den mürrischen und ansonsten erfolglosen Herb grenzt man sich lieber ab, während man sehr gerne selbst wie Charles wäre, dem die Frauenherzen nur so zufliegen und dessen Vater Literatur-Professor ist.

Über diese Medien- und Gesellschaftskritik hinaus geht Quiz Show noch einer weiteren Frage nach, die ebenso sicher umgesetzt ist und einen noch lange nach dem Schauen beschäftigt: Wie viel ist man bereit, aufzugeben, um das Richtige zu tun? Dass die Story an sich recht einfach gestrickt ist, macht sehr deutlich, was das Richtige und was das Falsche ist. Richtig wäre, eine Show, die dem Publikum vorspielt, dass es in ihr um das Wissen der Kandidaten geht, nicht zu manipulieren. Ebenfalls richtig wäre, nicht zu persönlichem Nutzen an diesem Betrug mitzuwirken. Doch jeder der Akteure wägt zwischen den moralisch eigentlich eindeutigen Optionen unter Berücksichtigung seiner persönlichen Motive ab. Wenn es dann tatsächlich mal jemanden gibt, der seine eigenen Interessen hinter seiner Integrität zurückstellt, überrascht das sehr – und man fragt sich (oder hofft), ob man selbst wohl das Gleiche getan hätte.

Quiz Show ist mittlerweile über 20 Jahre alt. Dennoch hat der Film nichts an Aktualität verloren und ist genau so sehenswert wie in den 1990ern. Das liegt vor allem an den sehr gegensätzlichen Hauptdarstellern und der ungewöhnlichen Konstellation, dass der Sympathieträger im Grunde der Antagonist ist.

Auf Grund seiner detailgetreuen Wiedergabe des Medien-Skandals und der sehr personalisierten Erzählung hat Quiz Show es auf meine Top 10 der Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen, geschafft. Mein Fazit: Sollte man gesehen haben.

Infos zum Film

Quiz Show
USA, 1994
130 Minuten
Regie: Robert Redford
Drehbuch: Paul Attanasio
mit John Turturro, Ralph Fiennes,
Rob Morrow, Barry Levinson
FSK: frei ab 6

 

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