Saiten des Lebens (Yaron Zilberman)

Das Streichquartett "The Fugue" - Szenenbild aus "Saiten des Lebens"

Das Streichquartett „The Fugue“ – Szenenbild aus „Saiten des Lebens“

Seit 25 Jahren treffen sie sich, um gemeinsam Beethoven zu spielen: Das Streichquartett „The Fugue“ ist für seine Mitglieder längst mehr als eine Musikgruppe. Peter (Christopher Walken) hat die Bindung zu seinen Musiker-Freunden bereits einmal über einen Schicksalsschlag hinweggeholfen. Gerade ein Jahr ist es her, dass seine Frau Miriam starb, und der Einstieg in die neue Saison fällt Peter dieses Jahr besonders schwer. Doch es ist nicht nur die Trauer um Miriam, die den Musik-Professor daran hindert, sein Cello so zu spielen, wie all die Jahre zuvor. Seine Ärztin teilt ihm eine niederschmetternde Diagnose mit, die erklärt, warum Peter mehr und mehr Probleme mit dem Musizieren hat: Er hat die Parkinson-Krankheit im Anfangsstadium. Damit ist klar, dass er bald nur noch eine Last für das Quartett sein wird und dass Konzerte außer Frage stehen werden. Also schlägt Peter den anderen „Fugue“-Mitgliedern vor, bei der Suche nach einem Ersatz für ihn zu helfen und damit das zu tun, was das Beste für das Quartett ist.



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Saiten des Lebens: Verwobene zwischenmenschliche Beziehungen

Doch Peters Krankheit löst mehr aus als einen reinen Personalwechsel im Quartett. Die Beziehungen der vier Musiker untereinander sind so sehr miteinander verwoben, dass der drohende Ausfall eines von ihnen auch andere Probleme offensichtlich macht, die auf Grund der sanften Professionalität im Umgang untereinander zulange unausgesprochen blieben. Daniel (Mark Ivanir) beispielsweise hat sein Herz ausnahmslos an sein Musikinstrument, die Geige, verschenkt. Dass er und Violistin Juliette (Catherine Keener) ein Paar waren, ist lange her, und seitdem hat er sich aus allen Gefühlsdingen herausgehalten. Auch die Suche nach einem Ersatz für Peter geht er ganz pragmatisch und ohne Rücksicht auf irgendwelche Gefühle an, was Juliette, die in Peter einen Ersatzvater sieht, zutiefst schockiert und mit dem Gedanken spielen lässt, ebenfalls aus „The Fugue“ auszusteigen. Und auch Robert (Philip Seymour Hoffman) ist nicht mehr zufrieden mit der Konstellation der Musiker untereinander: Zu lange hat er sich damit abgefunden, hinter Daniel die zweite Geige zu spielen, in jederlei Hinsicht. Dass mittlerweile er es ist, der mit Juliette verheiratet ist und eine Tochter hat, hilft ihm auch nicht über seine Eifersucht Daniel gegenüber hinweg.

„Saiten des Lebens“ ist auf der einen Seite natürlich ein Film über die Liebe zur Musik und die Rolle, die diese für einen im Leben einnehmen kann. Wer klassische Musik mag, Beethoven, Streichkonzerte, der wird „Saiten des Lebens“ allein wegen der im Film gespielten Musik genießen.

Robert will nicht mehr die zweite Geige spielen - Szenenbild aus "Saiten des Lebens"

Robert will nicht mehr die zweite Geige spielen – Szenenbild aus „Saiten des Lebens“

Darüber hinaus spielen die Beziehungen der Musiker untereinander eine große Rolle, denn außer der Bindung durch das Quartett sind alle auf eine weitere Weise miteinander verbunden – sei es als Ehepaar, Rivalen oder Professor und Student. Wie in einem Orchester nimmt jede der Personen auch im Leben eine bestimmte Rolle ein, die das Gerüst der Beziehungen stabil werden lässt, gleichzeitig aber auch äußerst anfällig für Veränderungen macht – hier durch den drohenden Ausfall von Peter, der das gesamte Gefüge zum Zerbrechen zu bringen scheint.

„Saiten des Lebens“ legt den Fokus auf seine Figuren und deren Entwicklung und zeichnet dadurch ein absolut authentisches Bild von Menschen, die nur schwer damit umgehen können, dass einer von ihnen seine Rolle nicht mehr einnehmen kann.

„Saiten des Lebens“ ist im September 2013 auf DVD erschienen.

Infos zum Film

Saiten des Lebens
(A Late Quartet)

USA, 2012
105 Minuten
Filmverleih: Senator
Regie: Yaron Zilberman
Drehbuch: Yaron Zilberman
mit Christopher Walken, Philip Seymour Hoffman,
Catherine Keener, Mark Ivanir, Imogen Poots
FSK: frei ab 12

 

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