Sein letztes Rennen (Kilian Riedhof)

Packendes Drama über das Alter: 4.0 Stars

DVD-Cover Sein letztes Rennen

DVD-Cover Sein letztes Rennen

Seine großen Tage sind längst vorbei: Statt wie in den 1950ern die Massen zum Jubeln zu bringen, begnügt Paul Averhoff (Dieter Hallervorden), Läuferlegende und Olympia-Sieger, sich mittlerweile darauf, im Garten Äpfel zu pflücken und mit seiner Frau Margot pünktlich zu Mittag zu Essen. Doch Margot hat in letzter Zeit häufiger Kreislaufprobleme, und als sie zum wiederholten Male in der Küche zusammenbricht, hat Tochter Birgit (Heike Makatsch) endgültig genug. Da sie als Flugbegleiterin ohnehin sehr viel unterwegs ist, ist es für sie die sinnvollste und sicherste Lösung, die Eltern in ein Heim zu geben.

Paul und Margot sind alles andere als glücklich über diese Entwicklung. Das Zimmer, das die beiden teilen, ist im Vergleich zum großzügigen Haus, an das sie gewöhnt sind, winzig, der Speisesaal hat den Charme einer Bundeswehr-Kantine und im ganzen Heim gibt es nur alte Leute. Am schlimmsten ist jedoch die Beschäftigungstherapie: Frei nach dem Motto „Was für Kinder gut ist, kann für alte Menschen nicht schlecht sein.“, werden die Bewohner dort von der ewig schlecht gelaunten, es aber ganz bestimmt gut meinenden Frau Müller mit Singspielen und Kastanien-Männchen-Basteln bespaßt.


 

Sein letztes Rennen: Endstation Altenheim

Für Paul ist das alles nichts. Er hinterfragt den Sinn der Bastel-Aktionen und Jahreszeiten-Feste und weigert sich, beim Singen die Arme zu schwingen, wie es von ihm erwartet wird. Bei der Heimleitung, aber auch bei einigen der Bewohner stößt dies zunächt auf Widerstand, weil man sich schon weitestgehend mit der Situation arrangiert hat und nicht im Tagesablauf gestört werden will. Paul aber kann sich nicht damit abfinden, für den Rest seines Lebens beim Kleben mit dem Uhu aufzupassen und möglichst harmlose Tätigkeiten auszuüben, damit auch niemandem was passiert. Und er besinnt sich auf das, was er immer am besten konnte: Laufen. Dass er wieder mit dem Lauftraining beginnt, versetzt das ganze Heim in einen Schockzustand. Einen laufenden Alten haben weder Bewohner noch Angestellte je gesehen, und als Paul gar auf die Idee kommt, den Berlin-Marathon zu bestreiten, wird prompt ein Neurologe vom Amtsgericht hinzugezogen – um den offensichtlich wahnsinnigen Mann vor sich selbst zu schützen.

Sein letztes Rennen befasst sich intensiv und einfühlsam mit einer Phase im Leben, in der man sich – will man sich gesellschaftskonform verhalten – gefälligst damit abzufinden hat, dass das Leben eh bald vorbei ist. Ruhig verhalten und warten bis es so weit ist: So wäre es allen Beteiligten am liebsten, denn schließlich hatte man ja schon ein paar gute Jahre. Besonders intensiv gezeigt wird die Entmenschlichung im Heim, die zum Teil auf Zeitmangel des Personals zurückzuführen ist – wenn der Pfleger einfach rausrennt, nachdem er Margot zur Hälfte ausgezogen hat, und sie bittet, sich nicht wegzubewegen – zum Teil aber auch auf Unverständnis, wenn die Beschäftigungstherapeutin Allgemeinplätze wie „Ja, die unangenehmen Erinnerungen gehören auch dazu.“ oder „Am Anfang ist es immer schwer“ von sich gibt.

Lässt sich nicht unterkriegen: Paul Averhoff - Szenenbild aus Sein letztes Rennen

Lässt sich nicht unterkriegen: Paul Averhoff – Szenenbild aus Sein letztes Rennen

Dass Protagonist Paul sich trotz des Drucks von allen Seiten – Ärzte, Heimleitung und auch seine Tochter – durchsetzt und seinen Plan, den Marathon zu laufen, am Ende natürlich in die Tat umsetzt, ist ein extrem optimistisches und lebensbejahendes Motiv, das in eine melancholische und zum Teil hoffnungslose Geschichte eingebettet ist. Vor allem diese Gegensätze machen Sein letztes Rennen zu einem absolut sehenswerten Film.

Sein letztes Rennen erscheint am 28. März auf DVD. Diese berührende und trotz ein paar weniger Längen sehr packende Geschichte über das Älterwerden in und mit der Gesellschaft kann ich uneingeschränkt empfehlen. Vor allem Dieter Hallervorden gibt hier eine hervorragende Darstellung des alten Paul Averhoff ab.

Infos zum Film

Sein letztes Rennen
Deutschland, 2013
114 Minuten
Filmverleih: Universum Film
Regie: Kilian Riedhof
Drehbuch: Kilian Riedhof
mit Dieter Hallervorden,
Tatja Seibt, Heike Makatsch,
Frederick Lau, Katharina Lorenz
FSK: frei ab 6

 

Google

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Seite verwendet Cookies. Mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen