Southpaw (Antoine Fuqua)

Eindringlicher Film über einen Mann, der sich selbst überwinden muss:

Filmplakat Southpaw

Filmplakat Southpaw

Sein Nachname ist Programm: Trotz seiner schweren Kindheit in einem Heim hat Billy „The Great“ Hope (Jake Gyllenhaal) nie die Hoffnung aufgegeben. Dass er sich stets durchs Leben schlagen und seine Position kämpferisch verteidigen musste, hat er zum Beruf gemacht. Billy ist vierfacher Halbschwergewichts-Weltmeister im Boxen. Doch nicht nur beruflich hat Billy alles erreicht, was er sich erträumt hat. Mit seiner Frau Maureen (Rachel McAdams) führt er eine glückliche Ehe. Auch sie ist ohne Eltern aufgewachsen und hat Billy vom Beginn seiner Karriere an begleitet. Das größte Glück der beiden sind nicht Ruhm und Geld, die sie zweifellos auch besitzen, sondern die gemeinsame Tochter Leila, der sie ein besseres Zuhause bieten wollen, als sie es hatten.

Maureen, die immer ein wachsames Auge auf Billy hat, beginnt nach seinem letzten Kampf, sich Sorgen zu machen. Billy kommt immer erst dann richtig in Fahrt, wenn sein Gegner ihm schon richtig zugesetzt hat, und der Punkt, an dem seine Aggression über die eingesteckten Schläge ihn zum Kampf vorantreibt, kommt immer später. Um seine Gesundheit zu schonen, bittet Maureen Billy, ein Jahr lang keine Kämpfe zu absolvieren.


 

Southpaw muss noch einmal ganz von vorne anfangen

Doch dann schlägt Billys Glück um: Maureen kommt bei einem tragischen Unfall ums Leben und er verliert völlig den Boden unter den Füßen. Nach einem verpatzten Kampf, einem Angriff auf den Ringrichter und einem gescheiterten Selbstmordversuch, nimmt man ihm alles, was ihm nach Maureens Tod geblieben ist: seinen Titel, die Möglichkeit, zu boxen, sein Haus und vor allem seine Tochter. Diese wird auf Anweisung des Gerichts in einem Kinderheim untergebracht. Für Billy, der diese Erfahrung ja selbst gemacht hat, ist es das Schlimmste, was er Leila antun kann. Um das Sorgerecht für sie wieder zurück zu bekommen, muss er einen Job vorweisen und – noch wichtiger – zeigen, dass er mit seiner Wut und seinen Aggressionen umgehen kann. Für Billy, der diese Emotionen bisher immer in seinem Sport eingesetzt hat, beginnt ein völliges Umlernen und ein harter Weg zu sich selbst. Denn Billy lebt wie er kämpft: ungeplant, aufbrausend, spontan.

Die Wandlung von Billy ist umso eindrucksvoller, da er von Anfang an als eher einfach und fremdgesteuert dargestellt wird. Seine Tochter hilft ihm beim Buchstabieren, in kritischen Situationen fängt er an zu stottern und ohne seine Frau ist er nicht in der Lage, etwas zu planen oder aufzubauen. Wie verlassen er ohne Maureen ist und wie abhängig alle anderen seiner Beziehungen von seinem Erfolg sind, zeigt besonders berührend die Szene nach seinem ersten Kampf nach Maureens Tod, seinem ersten verlorenen Kampf überhaupt. Nackt, in mehrfachem Sinne geschlagen und trotz der ganzen Muskelmassen überaus verletzlich sitzt Billy unter der Dusche auf dem Boden und ruft nach den Menschen, die sonst immer um ihn herumschwirren. Doch alle sind längst gegangen – mit seinem Erfolg haben ihn auch alle „Freunde“ verlassen.

Southpaw ist gleichzeitig ein harter und auch ein emotionaler Film. Die Kampfszenen schonen den Zuschauer nicht und Billy schreckt vor fast nichts zurück, als er die Liebe seines Lebens verliert. Die Rap-Musik, die den Soundtrack von Southpaw bildet, unterstreicht diese Härte und das Milieu, aus dem Billy und Maureen kommen. Gleichzeitig hat der Film auch sehr stille, berührende Momente. Gerade dieser Kontrast macht Southpaw absolut sehenswert, ebenso wie die Entwicklung von Billy, der seine bisher sehr erfolgreiche Strategie ablegen und den Umgang mit seinen Gefühlen komplett neu erlernen muss. Ursprünglich sollte Eminem die Rolle des Billy spielen, was sicher auch sehr gut gepasst hätte. Method Actor Jake Gyllenhaal, der sich durch intensives Training auf die Rolle vorbereitete und sich erhebliche Muskeln antrainierte, zeigt jedoch auch hier wieder einmal, dass er einer der wandlungsfähigsten Schauspieler ist, die Hollywood derzeit zu bieten hat.

Southpaw ist am 8. Januar 2016 auf DVD erschienen.

Infos zum Film

Southpaw

USA, 2015
124 Minuten
Filmverleih: Tobis Filmverleih
Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Kurt Sutter
mit Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Forest Whitaker
FSK: frei ab 12

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