Suffragette – Taten statt Worte (Sarah Gavron)

Eindringliche Parabel über Unterdrückung und Benachteiligung: 4.5 Stars

DVD-Cover Suffragetten - Taten statt Worte

DVD-Cover Suffragetten – Taten statt Worte

Suffragette – Taten statt Worte spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in London. Die Frauen in Großbritannien haben zu dieser Zeit nach wie vor kein Wahlrecht. Darüber hinaus sind sie vollkommen abhängig von ihren Männern und werden gleichzeitig als billige Arbeitskräfte benutzt von Arbeitgebern, die sie ebenfalls das Abhängigkeitsverhältnis spüren lassen.

Maud (Carey Mulligan) verdient ihr Geld bei einem Knochenjob in einer Großwäscherei. Obwohl sie gerade Anfang 20 ist, hat sie es schon zur Vorarbeiterin gebracht. Eines Tages wird sie in der Stadt Zeugin eines Aufstands einiger Frauen, die mit Steinen Fensterscheiben von Kaufhäusern einwerfen und „Wahlrecht für Frauen“ skandieren. Wenig später verteilt eine ihrer Kolleginnen entsprechende Flugblätter an die Frauen der Wäscherei. Die Gruppe der sogenannten „Suffragetten“ kämpft nicht nur für ein Wahlrecht für Frauen, sondern auch ganz allgemein dafür, dass die Frauen in Großbritannien mehr Rechte gegenüber den Männern bekommen.

Zunächst will Maud nichts davon wissen, denn sie hat kein Interesse daran, ihren Job zu verlieren oder ihren Mann gegen sich aufzubringen. Doch auf der Arbeit überrascht sie ihren Chef dabei, wie er sich an einer 12-jährigen Kollegin vergeht. Als dieser von Maud „gestört“ wird, reagiert er nicht etwa mit Scham, sondern herrscht Maud an, sie soll es nicht wagen, ihn noch einmal zu unterbrechen. Langsam dämmert es Maud, dass die Frauen, die für mehr Rechte eintreten, doch nicht so verachtenswert sind.



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Maud wird zur Suffragette

Maud schaut mehr oder weniger zufällig in der Apotheke von Edith (Helena Bonham Carter) vorbei, einer der Drahtzieherinnen der Suffragetten-Bewegung. Schon bald nimmt sie an einer der geheimen Sitzungen der Frauen im Hinterzimmer der Apotheke teil. Als für die Frauen der Wäscherei die Chance besteht, vor dem Parlament die schlechten Bedingungen ihrer Arbeit zu beschreiben und die Politiker auf diese Weise davon zu überzeugen, dass Frauen mehr Rechte zugesprochen werden sollten, begleitet Maud ihre Kollegin Violet. Doch diese darf nicht vor den Ministerpräsidenten treten (da ihr Mann sie übel zugerichtet hat), daher muss Maud spontan einspringen. Nüchtern und gerade deshalb sehr bewegend berichtet Maud dem Politker von den Verhältnissen an ihrem Arbeitsplatz: Z. B., dass die Frauen dort nur zwei Drittel von dem verdienen, was männliche Kollegen bekommen (heutige Verhältnisse lassen grüßen), während die Männer nicht nur weniger Stunden arbeiten müssen, sondern auch die leichteren Aufgaben bekommen. Die Infomation, dass ihr Chef sie schon als junges Mädchen und auch jahrelang danach missbraucht hat, lässt sie weg.

Der Ministerpräsident zeigt sich Maud sehr respektvoll und beeindruckt gegenüber und verspricht, sich für das Wahlrecht der Frauen einzusetzen. Maud und ihre Mitstreiterinnen sind zuversichtlich, dass ihr lang ersehnter Wunsch nun endlich in Erfüllung geht.

Die Hoffnungen der Frauen werden bitter enttäuscht

Entgegen der Erwartungen der Suffragetten entscheidet das Parlament, dass Frauen auch weiterhin kein Wahlrecht haben sollen. Bei der öffentlichen Verkündung dieser Entscheidung kommt es zu Tumulten, da die anwesenden Frauen lautstark ihre Wut darüber äußern. Die Polizei reagiert sofort, indem sie grausam auf die Frauen einprügelt und so viele wie möglich verhaftet, so auch Maud. Als die junge Frau nach einer Woche aus dem Gefängnis nachhause zurück kehrt, reagiert ihr Mann verständnislos und aufgebracht, da er sich in der Zeit ja allein um den gemeinsamen Sohn kümmern und das Gespött der Nachbarschaft ertragen musste. Als die Anführerinnen der Suffragetten-Bewegung in flammenden Reden schließlich zu militanten Aktionen aufrufen, ist selbst die friedfertige Maud irgendwann zu überzeugen.

„Wir sind nicht angetreten, um Gesetze zu brechen. Wir wollen sie machen. Lieber bin ich Rebellin als Sklavin.“ (Emmeline Pankhurst, gespielt von Meryl Streep)

Über die Bewegung der Suffragetten

Über die Hintergründe der Suffragetten in Großbritannien sagt Regisseurin Sarah Gavron:

„Der Begriff, Suffragette’ wurde geprägt von der britischen Presse als herabwürdigender Ausdruck für Aktivistinnen, die sich für das Stimmrecht (auf Englisch „suffrage“) der Frau einsetzten. Die Bewegung vereinnahmte den Begriff dann für sich. Die Suffragetten brachten die Kommunikation zum Erliegen, indem sie Telegrafendrähte durchtrennten, Briefkästen in die Luft jagten und überdies Besitztum zerstörten. Sie wurden ins Gefängnis geschickt, wo sie in Hungerstreik traten, um die Öffentlichkeit auf ihren Kampf für Gleichberechtigung gegen einen zunehmend brutal vorgehenden Staat zu lenken. Ich war überrascht, dass diese außergewöhnliche und überzeugende Geschichte noch nie in einem Film erzählt worden war.“

Fazit zu Suffragetten – Taten statt Worte

Der Film hat mich sehr beeindruckt und noch lange nachdenken lassen, denn er ist für mich eine Parabel über die Unterdrückung und die Benachteiligung von Gruppen und die Entstehung von Hass gegenüber „Minderheiten“. Das Drehbuch-Regie-Team zeigt in Suffragette – Taten statt Worte sehr deutlich, wie Unterdrücker ihr barbarisches Verhalten mit ihrer angeblichen Überlegenheit rechtfertigen, wie sie auf ihren selbst erdachten Vorrechten beharren und wie sie aus purer Angst davor, dass ihnen jemand ihre Macht streitig machen könnte, zu immer drastischeren Mitteln greifen, um ihre Opfer zu entmenschlichen – eine große Portion Doppelmoral gibt’s natürlich oben drauf.

Der Film spielt zwar zu Beginn des 20. Jahrhunderts und Setting, Kostüme und die Schauspieler übermitteln dies auch zu jeder Zeit glaubhaft, doch die gezeigten Mechanismen und Dynamiken lassen sich auf jede ältere, vor allem aber auch auf jede moderne Unterdrücker-Situation übertragen, was den Film zu einem zeitlosen Werk macht. Dass Carey Mulligan jede ihrer Rollen und auch diese so natürlich und mühelos überragend spielt, erscheint da fast nebensächlich. Ihr merkt es schon – ich bin großer Fan dieses Films und empfehle ihn gerne und aufrichtig einfach JEDEM!

Infos zum Film

SUFFRAGETTE – Taten statt Worte
(SUFFRAGETTE)

Großbritannien, 2015
102 Minuten
Filmverleih: Concorde
Regie: Sarah Gavron
Drehbuch: Abi Morgan
Schauspieler: Carey Mulligan, Helena Bonham Carter, Anne-Marie Duff, Romola Garai, Meryl Streep
FSK: frei ab 12

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