Take Shelter – Ein Sturm zieht auf (Jeff Nichols)

Sturm

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Ehefrau, Kind, Hund, Haus und eine Arbeit, mit der er sich und seine Familie über die Runden bringen kann – Curtis LaForche (Michael Shannon) hat alles, was man sich als durchschnittlicher Amerikaner so wünscht. Selbst eine gute Krankenversicherung bringt der Job mit sich, und die hat sich nach langem Hin und Her endlich dazu durchgerungen, die notwendige Operation für seine gehörlose Tochter Hannah zu bezahlen. Im Grunde läuft also alles perfekt, und selbst Freunde und Kollegen bescheinigen ihm, dass er alles richtig gemacht hat im Leben.

 

Zwischen Vision und Halluzination

Doch die Idylle ist in Take Shelter schnell vorbei: Curtis hat einen seltsamen Traum – ein erster von vielen -, in dem ein Sturm aufzieht und sein eigener Hund ihn anfällt, während Curtis versucht, Hannah zu retten. Als er nach Luft ringend aus dem Albtraum erwacht, schmerzt sein Arm dort, wo der Hund ihn gebissen hat, und das bleibt den ganzen Tag so. Dieser realistische Traum – war das eine Vision? Oder doch eher eine Halluzination? Wahrscheinlicher ist das zweite: Schließlich leidet seine Mutter an Schizophrenie, und die ersten Anzeichen traten auf, als sie in seinem Alter war. Also sucht Curtis einen Arzt auf, lässt sich Medikamente verschreiben und sich einen Psychologen empfehlen. Gleichzeitig jedoch schließt er nichts aus: Zunächst kauft er Vorräte, um für den Notfall gerüstet zu sein, der Hund kommt vors Haus, und als die Träume nicht aufhören, sondern sogar schlimmer werden, nimmt er einen weiteren Kredit auf, um den Sturmbunker des Hauses auszubauen.

Damit stößt Curtis natürlich auf Unverständnis bei seinen Mitmenschen, bei der Bank, auf der Arbeit und anfangs auch bei Ehefrau Samantha. Man hält ihn für verrückt, bricht mit ihm. Und doch macht Curtis weiter, weil er nicht anders kann. Und handelt damit im Grunde rationaler als es den Anschein hat. Zwar versucht er weiterhin, die Träume über Medikamente in den Griff zu bekommen, doch die Tatsache, dass er nicht versteht, was mit ihm geschieht, bringt ihn gleichzeitig dazu, seinen „Visionen“ zwar nicht zu vertrauen, sie jedoch auch nicht als irrelevant abzutun.

 

Hoffen auf den Weltuntergang

Mit seinen Versuchen, seine Familie zu schützen, riskiert Curtis jedoch alles, was er hat, und scheint genau das Gegenteil von dem zu erreichen, was er vorhatte: der neue Kredit ist riskant, sein Bunker-Ausbau hält ihn von der Arbeit ab und Samantha versteht nicht, wie er sich in diese Idee verrennen konnte. Die einzigen Handlungsmöglichkeiten, die ihm in seiner Ohnmacht bleiben, scheinen sein perfektes Leben zu zerstören. Und als Zuschauer erwischt man sich dabei, dass man die Apokalypse herbeihofft, um die Hauptfigur nicht scheitern zu sehen.

Take Shelter ist ein beeindruckender, tief bewegender Film, der kein Weltuntergangsspektakel inszeniert, sondern sich in ruhigen Bildern seinen Figuren widmet. Hierfür wurde Take Shelter zu Recht mit Preisen überhäuft. Hervorzuheben ist auch Michael Shannon, der den an sich selbst zweifelnden Familienvater, dem noch das geringste Risiko, Recht zu behalten, zu groß ist, perfekt spielt.

Ob die Welt tatsächlich untergeht, weiß man wie immer erst am Schluss, aber an sich ist das für die Geschichte auch nicht relevant. Vielmehr handelt Take Shelter von einem  Menschen, der nicht weiß, ob er sich selbst trauen kann, und dennoch alles tut, was für ihn notwendig erscheint, um die Menschen zu schützen, die er liebt.

Infos zum Film

Take Shelter – Ein Sturm zieht auf
USA 2011
120 Minuten
Filmverleih: Ascot
Regie: Jeff Nichols
Drehbuch: Jeff Nichols
mit Michael Shannon, Jessica Chastain
FSK: ab 12 Jahre

 

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