The Imitation Game (Morten Tyldum)

Packende Charakterstudie eines außergewöhnlichen Wissenschaftlers:

Filmplakat The Imitation Game

Filmplakat The Imitation Game

Alan Turings Verdienste als Wissenschaftler sind groß. Als Begründer der modernen Informatik und Wegbereiter der Computerentwicklung hat er bahnbrechendes geleistet. Als Mitglied einer geheimen militärischen Dekodierungsoperation im britischen Bletchley Park hat er während des zweiten Weltkriegs eine so große Rolle für England gespielt, das Winston Churchill nach Kriegsende Turing den größten Anteil am Sieg der Alliierten zusprach. Aber diese Verdienste wurden nie aktenkundig bzw. lagen Jahrzehnte unter Verschluss. Aktenfällig wurde allerdings nach Kriegsende Turings Homosexualität, zur damaligen Zeit auf britischem Gebiet eine Straftat. Turing wurde verurteilt und zur chemischen Therapie gezwungen, die ihn impotent und depressiv machte. Mit 41 Jahren beging er Selbstmord.

Regisseur Morten Tyldum (Headhunters) inszeniert seinen Film als Biopic und legt den Schwerpunkt der Handlung vor allem auf Turings Zeit in Bletchley Park während des zweiten Weltkriegs. Das Ziel der britischen Bemühungen zu dieser Zeit, in der Nazi-Deutschland militärisch die Oberhand zu gewinnen schien, war ganz auf die Entschlüsselung  der deutschen Enigma aus, einer als unknackbar geltenden Verschlüsselungsmaschine, mit der die Deutschen ihre wichtigsten militärischen Kommandos und Benachrichtigungen kommunizierten.


 

The Imitation Game: Biopic über einen genialen Wissenschaftler

In der Art einer unaufgeregten Charakterstudie konzentriert sich The Imitation Game auf die Person Alan Turing, gespielt vom wandlungsfähigen Benedict Cumberbatch, der die Rolle sicher und glaubhaft verkörpert. Ein wenig vom Nerd-Kolorit des genialen, aber zu simplen zwischenmenschlichen Eigenschaften nicht fähigen Turing hat Cumberbatch sicher auch seiner Rolle als Sherlock Holmes aus der gleichnamigen BBC-Fernsehserie entnehmen können. Das Wissenschaftlerteam, das mit Turing gemeinsam die Enigma entschlüsselte, gerät dabei etwas in den Hintergrund, wobei die intelligente Joan Clarke, gespielt von Keira Knightley, noch die beachtenswerteste Nebenrolle besetzt. Als Mathematikerin in den Gefilden des Militärs und der Wissenschaft, beides zur Zeit des Films von Männern dominierten Welten, befindet sie sich interessanterweise in einer ähnlichen Ausgangslage wie der homosexuelle Turing.

The Imitation Game verzichtet auf die Darstellung der deutschen Gegenseite. Auch das Zeigen von Kriegsszenen ist stark reduziert, Teakholz und Tea time stehen im Vordergrund. Die gezeigten Konflikte spielen sich hauptsächlich im zwischenmenschlichen Bereich ab, zwischen Wissenschaftlern und Militär, aber auch innerhalb des Enigma-Teams. Ohne Bombast und gewohnter Hollywood-Dramatik hat man manchmal den Eindruck, einen TV-Film zu verfolgen. Nichtsdestotrotz schafft es The Imitation Game , die tragische Geschichte des Alan Turing zu transportieren und als biographischer Film ganz und gar zu überzeugen.

Narrativ umrahmt wird The Imitation Game von einem Verhör. Ein ambitionierter Polizist will den angesehenen Universitätsprofessor Turing der Homosexualität überführen. Der Film bedient sich dieses fiktiven Kniffs, in dem Turing gesteht und sein Leben nacherzählt. Von Turings Biographen wurde diese Klammer kritisiert, denn den Landesverrat hat es so nie gegeben: Alan Turing war England immer treu und loyal ergeben, anders als es England ihm gegenüber war.

In einer Szene erklärt Alan Turing dem Polizisten das „Imitation Game“, den später als Turing-Test bekannt gewordenen KI-Test: Ein menschlicher „Richter“ stellt seinem Gegenüber Fragen bzw. fängt eine Konversation an. Der Richter weiß nicht, ob sein Gesprächspartner ein Mensch oder eine Maschine ist. Sobald der Richter seinen Gesprächspartner nicht mehr eindeutig als Mensch oder Maschine identifizieren kann, hat die künstliche Intelligenz den nächsten Evolutionsschritt geschafft: Sie kann durch Imitation dem Richter vorspielen, wie dieser zu sein. Es zeigt die Qualität des Filmes, dass sich der Gedanke unweigerlich auftut, das auch Alan Turings Homosexualität sich innerhalb der konservativen britischen Gesellschaft den gleichen Spielregeln unterwerfen musste. 1954 weigerte er sich gegenüber seinen Richtern, das Spiel weiterzuspielen und gab seine Homosexualität offen zu.

2013, 50 Jahre nach seiner Verurteilung, erhielt Alan Turing auf Betreiben des damaligen britischen Premierministers Gordon Brown die vollständige Rehabilitation über das königliche „royal pardon“. 2009 bereits sagte Brown im Namen der Nation: „Es tut uns leid, Sie hatten so viel Besseres verdient.“

Infos zum Film

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
(The Imitation Game)

USA, 2015
115 Minuten
Filmverleih: SquareOne Entertainment
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Graham Moore
mit Benedict Cumberbatch,
Keira Knightley
FSK: frei ab 12 Google

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