Venus im Pelz (Roman Polanski)

Intensives Kammerspiel mit fantastischen Schauspielern: 4.5 Stars

DVD-Cover Venus im Pelz

DVD-Cover Venus im Pelz

Als die Novelle Venus im Pelz von Leopold von Sacher-Masoch im Jahr 1870 erschien, löste sie einen Skandal aus. Denn dass ein Mann Lustgewinn aus der Unterwerfung durch eine Frau gewinnt – der Begriff Masochismus leitet sich vom Namen Sacher-Masochs ab und wurde auf Grund von Venus im Pelz geprägt- war alles andere als salonfähig, auch wenn der Text selbst keine sexuellen Darstellungen enthält. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Severin von Kusiemski, der seit seiner frühen Jugend ein Faible für Pelz und für Schmerzen hat. Die Frau seiner Träume verbindet für ihn beides, Eleganz und Dominanz. Als er auf die reiche Wanda von Dunajew trifft, scheinen seine Fantasien in Erfüllung zu gehen. Er bindet sich vertraglich an Wanda, um ein Jahr lang ihr Sklave zu sein und sich von ihr demütigen zu lassen; anschließend will sie entscheiden, ob sie von Kusiemski heiraten wird.

Roman Polanski ist bereits der fünfte Regisseur, der sich an die Verfilmung dieses Stoffs wagt, wobei er keine weitere Adaption von Sacher-Masochs Novelle erarbeitete, sondern sich an das Bühnenstück Venus in Fur von David Ives hielt und dieses vor die Kamera brachte. Wem das an Meta-Ebenen für einen Film noch nicht reicht: Die beiden Haupt- (und einzigen) Rollen sind mit Emmanuelle Seigner, Polanskis Ehefrau, und Mathieu Amalric besetzt, der in diesem Film jeden Roman-Polanski-Look-Alike-Contest gewinnen würde. Die beiden spielen: einen Regisseur und eine Schauspielerin, die Venus im Pelz aufführen und zwischen denen eine ungeheure Anziehungskraft entsteht.


 

Venus im Pelz: Verbales Kräftemessen

Bühnenautor Thomas hat genug von Regisseuren, die seine Stücke zu ihren machen, und will für seine Bühnen-Adaption von Sacher-Masochs Venus im Pelz selbst die Regie übernehmen. Zu den weniger angenehmen Aufgaben gehört dabei, die richtige Besetzung zu finden. Das Vorsprechen für die Rolle der Wanda ist gerade vorbei, und es ist klar, dass es ein weiteres geben muss. Als Thomas gerade zu seiner Verlobten aufbrechen will, kommt die Schauspielerin Vanda, um für die Rolle ihrer Namensvetterin vorzusprechen, doch Thomas sieht gleich, dass er mit dieser Schauspielerin nicht zusammenarbeiten kann: laut, ungehobelt und ganz offensichtlich unzuverlässig schafft sie es dennoch, ihn zu überreden, noch ein paar Minuten zu bleiben und gemeinsam mit ihm drei Seiten des Stücks zu sprechen. Natürlich ist Vanda auf der Bühne wie verwandelt, und sofort ist klar, dass Thomas seine perfekte Besetzung gefunden hat. Er ist so begeistert von ihr, dass er das Stück gleich mit ihr weitersprechen möchte. Während Thomas und Vanda den Text vorlesen, verschmelzen sie immer mehr mit ihren Rollen, und zwischen ihnen entsteht eine starke, von Dominanz und Unterwerfung geprägte erotische Anziehungskraft.

Venus im Pelz ist wie schon Polanskis vorheriger Film Der Gott des Gemetzels ein Kammerspiel, das mit kaum Requisite auskommt. Die (deutlich spürbare) erotische Spannung entsteht allein durch Worte und Gesten – nicht einmal die Hand reichen die beiden sich wirklich – und durch das fantastische Spiel der Schauspieler. Zudem hat man auf Grund der Ähnlichkeit Amalrics zum jungen Polanski das Gefühl, dem Ehepaar Seigner/Polanski zuzuschauen, wie sie ihre Machtpositionen ausloten, was zuweilen leicht verstörend wirkt, aber den ganzen Ebenen und Meta-Meta-Diskussionen im Film noch eine spannende Facette hinzufügt.

Ein  hochspannendes Spiel der Geschlechter, in dem es um die Auslotung von Machtverhältnisse, Lust und die Rollen von Mann und Frau geht.

Infos zum Film

Venus im Pelz
(La Vénus à la fourrure)

Frankreich, 2012
93 Minuten
Filmverleih: Prokino Verleih
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Roman Polanski
mit Emmanuelle Seigner,
Mathieu Amalric
FSK: frei ab 16

 

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Ein Kommentar

  • Ganz meine Meinung! Ein toller Film, der bei mir schon im Regal steht. Gefallen hätte mir auch ein Hinweis auf die politische Dimension des Films, denn dieser verregnet hereinplatzenden Dame Vanda geht es ja in erster Linie darum, dass Tomas mit seinem Manuskript den Geist des Buches verhunzt hat, indem er Vanda ganz gegen die Absicht von Sacher-Masoch in die Sub-Rolle umswitchen lässt. An der Stelle im Manuskript, wo sie um Unterwerfung bettelt, ist Vanda mit Sicherheit die Magensäure hochgekommen, so dass sie beschlossen hat, diesen Drehbuch-Schmierfinken zu bestrafen. Und das tut sie. Das ist der Schlüssel zu der rätselhaften Tanzszene am Schluss.

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