7 Tage in Havanna (Benicio del Toro u.a.)

"7 Tage in Havanna" Filmplakat

„7 Tage in Havanna“ Filmplakat

Nicht zum ersten Mal zeigt ein Episodenfilm eine Stadt aus verschiedenen Blickwinkeln. 2006 setzten 18 Regisseure mit „Paris, je t’aime“ der französischen Metropole ein Denkmal, in „7 Tage in Havanna“ geht es – wie nicht anderes zu erwarten – um die kubanische Hauptstadt. 7 Tage, 7 Episoden und 7 Regisseure, darunter auch Schauspieler Benicio Del Toro, der mit der Episode „El Yuma“ sein Regie-Debüt gibt.

Die einzelnen Episoden (detaillierte Beschreibung unten) zeigen ganz verschiedene Momentaufnahmen einer Stadt, die stolz darauf ist, dass ihre Kopie des Kapitols fünf Zentimeter höher ist als das Original, in der zwischen verfallenen Gebäuden die ganze Nacht gefeiert wird und in der man ohne Fahrer aufgeschmissen ist. Jede Episode ist einem Wochentag gewidmet und schildert – oft aus der Perspektive eines Fremden – die Eindrücke des Landes.

„7 Tage in Havanna“ kommt am 11. Juli 2013 in die Kinos. Besonders für Freunde von Episodenfilmen eine Empfehlung, aber auch für jeden, der ganz unterschiedliche Portraits von Havanna sehen will, in der Moderne und Aberglauben aufeinander stoßen.


 

Montag: El Yuma (Regie: Benicio Del Toro)

Teddy (Josh Hutcherson, bekannt aus „Die Tribute von Panem„) ist zum ersten Mal als Tourist in Havanna, und als „Yuma“, wie US-Amerikaner in Kuba genannt werden, ist er eine ganz besondere Attraktion. Sein Taxifahrer Angelito, der im Zweitberuf Ingenieur ist, führt ihn durch die Stadt und zeigt ihm das Nachtleben von Havanna, wo Teddy kubanische Zigarren, Rum und schöne Frauen genießt und im Laufe des Abends eine Überraschung erlebt.

 

Dienstag: Jam Session (Regie: Pablo Trapero)

Ein berühmter Regisseur (Emir Kusturica spielt hier sich selbst) wird zum Filmfestival nach Havanna eingeladen, doch seine Berühmtheit und die damit verbundenen Pflichten nerven ihn so sehr, dass er seinem Fahrer immer wieder davon läuft und in irgendwelchen Bars versumpft. Zur Verleihung des Filmpreises müssen ihn der Fahrer und eine Hotelangestellte erst mal nüchtern kriegen. Erst als der Chauffeur Kusturica mit auf eine Jam Session nimmt, schließt der Regisseur Frieden mit sich selbst.

 

Mittwoch: Cecilias Versuchung (Regie: Julio Medem)

Sängerin Cecilia (Melvis Estévez) sieht ihre Chance gekommen, als der Spanier Leonardo (Daniel Brühl) ihr ein neues Leben an seiner Seite in Madrid verspricht. Das Angebot ist verlockend: Im Vergleich zu Cecilias Bleibe ist Leonardos Hotelzimmer eine Villa. Doch zu ihrem Freund José, einem Baseball-Spieler fühlt sie sich ebenso hingezogen, so dass ihr die Entscheidung, ob sie Leonardos Angebot annimmt oder nicht, nicht leichtfällt.

Für mich die berührendste der Episoden in „7 Tage in Havanna“, da in ihr der Kontrast zwischen Kubanern und Fremden besonders deutlich hervortritt. Warum es keinen Spanier gab, der den Spanier spielen konnte, so dass Daniel Brühl diese Aufgabe übernehmen musste, bleibt ein Rätsel.

 

Donnerstag: Tagebuch eines Neuankömmlings (Regie: Elia Suleimann)

Wie ein unbeteiligter Zuschauer wirkt Elia Suleimann (der zweite Regisseur in „7 Tage in Havanna“, der sich selbst spielt) in Havanna. Während er auf ein Gespräch mit dem Präsidenten wartet, vertreibt er sich die Zeit mit fernsehen, einem Besuch im Zoo und dem Beobachten von Touristen und Einheimischen. Dabei scheint ihm die Frage „Was soll das hier eigentlich?“ die ganze Zeit ins Gesicht geschrieben. Anders als in den anderen Episoden wird hier niemand vom Charme der kubanischen Hauptstadt bezaubert, sondern bleibt als Fremder außen vor.

 

Freitag: Ritual (Regie: Gaspar Noé)

Gegen die anderen Hüften schwingenden und aneinander reibenden Jugendlichen wirken die Küsse der beiden Mädchen harmlos, dennoch sind die Eltern des einen schockiert, als sie die beiden nebeneinander schlafend im Bett vorfinden. Was zu tun ist, ist klar: Ein Reinigungsritual wird vollzogen, um das Mädchen wieder auf den rechten Pfad zu bringen.

„Ritual“ ist eine sehr bedrückende Episode, in der kein Wort gesprochen wird, was die Orientierungslosigkeit des Mädchens noch stärker spürbar macht: Genau wie sie erhät auch der Zuschauer keine Erklärung für das, was da passiert.

 

Samstag: Bittersüß (Regie: Juan Carlos Tabío)

Mirtha (Mirtha Ibarra) hat wie viele Kubaner zwei Jobs: Sie tritt als Psychologin im Fernsehen auf und „nebenher“ backt sie Torten und anderes Gebäck auf Bestellung, damit sie ihre Familie besser unterstützen kann. An diesem Samstag kommt alles zusammen: die Fernsehsendung wird ausgestrahlt, vorher aber muss sie einen besonders großen Auftrag erfüllen und der Strom fällt aus. In all dem Stress kommt zwischendurch Tochter Cecilia aus der dritten Episode vorbei, die trotz ihres kurzen Auftritts die eigentliche Hauptrolle in der Episode spielt.

 

Sonntag: Der Brunnen (Regie: Laurent Cantet)

Marta (Nathalia Amore) hat ihre Nachbarn fest im Griff: In ihrem Traum ist ihr Ochún, eine kubanische Gottheit erschienen, und hat befohlen, in ihrem Wohnzimmer einen Brunnen zu errichten. Also wird ein Brunnen gebaut, und das ganze Haus hilft mit. Auch das gelbe Kleid, das Marta laut Ochún tragen soll, wird herangeschafft. Weder Marta noch die Gottheit will man schließlich enttäuschen.

Infos zum Film

7 Tage in Havanna
(7 días en Havanna)

Spanien / Frankreich, 2012
129 Minuten
Filmverleih: Alamode Filmverleih
Regie: Benicio del Toro, Pablo Trapero,
Julio Medem, Elia Suleiman,
Gaspar Noé, Juan Carlos Tabío,
Laurent Cantet
Drehbuch: Leonardo Padura
mit Josh Hutcherson, Emir Kusturica,
Daniel Brühl
FSK: frei ab 6

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