Die Tribute von Panem (The Hunger Games) (Gary Ross)

Spannende Jugend-Dystopie: 3.5 Stars

Hier findest du die Filmkritiken zu Teil 2 „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ und Teil 3 „Mockingjay Teil 1“ (aktuell in den Kinos).

Szenenfoto aus "Die Tribute von Panem"

Katniss auf der Jagd mit Gale (Szenenfoto aus „Die Tribute von Panem)

Angst ist ein sehr wirksames Machtinstrument. Das weiß man auch in Panems Hauptstadt Kapitol. Und bereits seit dem erfolglosen Aufstand vor 74 Jahren schafft man es, den zwölf Distrikten, die als Rohstofflieferanten für das farbig-schillernde Leben der Hauptstadt ausgebeutet werden, genügend Angst einzujagen, um eine zweite Rebellion zu verhindern. Grund hierfür sind die als riesiges Fernsehspektakel aufgezogenen „Hunger Games“: Als Strafe für und Erinnerung an den vereitelten Aufstand muss jeder Distrikt Jahr für Jahr einen Jungen und ein Mädchen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren als Tribut nach Kapitol schicken. Dort müssen die „Tribute von Panem“ gegeneinander in einer Natur-Arena kämpfen, bis nur noch der Sieger lebt – und der Rest des Landes schaut dem riesigen Medienspektakel zu. Die Bezirke gehen ganz unterschiedlich mit dem geforderten Opfer um: in den Distrikten 1 und 2 werden die Kinder bis zum 18. Lebensjahr trainiert, um sich dann freiwillig zu melden. Die Distrikte mit den höheren Nummern – die ärmeren Bezirke – verhalten sich eher passiv-hoffend und losen die Teilnehmer aus. Eine wirkliche Chance, dass eins der Kinder als Sieger zurückkehrt, rechnet man sich hier ohnehin nicht aus.


Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und ihre kleine Schwester Prim (Willow Shields) stammen aus dem gräulich-verstaubten Bergbau-Distrikt 12, und da ihre Mutter seit dem Tod des Vaters nicht mehr dazu in der Lage ist, versorgt Katniss die Familie. Dazu verlässt sie schon mal verbotenerweise die Grenzen ihres Distrikts, um gemeinsam mit ihrem Jugendfreund Gale (Liam Hamsworth) mit Pfeil und Bogen im Wald auf die Jagd zu gehen. Einfach zu tun, was notwendig ist, um zu überleben, hat sie bereits früh gelernt._
Die jährlichen Hungerspiele stehen an, und Prim nimmt zum ersten Mal an der Verlosung teil. Die Chancen, dass das Los auf sie fällt, sind sehr gering, denn ihr Name nimmt nur ein Mal teil – anders als bei den älteren Jugendlichen, die im Tausch gegen Essen die Wahrscheinlichkeit erhöht haben, als eins der Tribute von Panem nach Kapitol geschickt zu werden. Dennoch wird Prims Name gezogen, und Katniss, die nicht zulassen kann, dass ihre Schwester an den Hungerspielen teilnimmt, meldet sich freiwillig – ein Novum in Distrikt 12.

 

Kampf und Politik

Gemeinsam mit Peeta (Josh Hutcherson), den sie kennt und der ihr schon einmal in einer Notsituation geholfen hat, wird Katniss nach Kapitol geschickt. Begleitet und „gebrieft“ wird sie von Effie Trinket (Jennifer Banks), die mit ihrer gesamten Aufmachung ein Stück Hauptstadt in den 12. Distrikt gebracht hat. Im Luxuszug lernen Katniss und Peeta ihren Mentor Haymitch (Woody Harrelson) kennen – den letzten Hungerspiel-Gewinner aus dem 12. Distrikt, der in seiner versoffen-fatalistischen Art zeigt, was der Sieg mit einem macht (siehe Filmzitat von Peeta).

In Kapitol angekommen werden die Tribute von Panem auf den Kampf in der Arena vorbereitet – Überlebenstraining, Interviews und Styling inklusive.

Denn nicht nur durch Kraft und Ausdauer kann man hier gewinnen, sondern vor allem durch Politik: Wer am sympathischsten rüberkommt, schafft es vielleicht, Sponsoren für sich zu gewinnen, die Nahrung oder Medikamente in die Arena schicken können. Katniss fällt vor allem dieser Teil schwer, doch gerade durch ihre unangepasste Art zieht sie Aufmerksamkeit und Sympathien auf sich – allerdings nicht die der Spielmacher.

Die Tribute von Panem - Moderator

Der Moderator der „Hunger Games“ Caesar Flickerman (Stanley Tucci)
Szenenfoto aus „Die Tribute von Panem“

In der Arena schließlich gibt es kein Erbarmen mehr. Bereits beim Versuch, einen Teil der am „Start“ bereitliegenden Waffen und Rucksäcke zu erlangen, wird die Hälfte der Jugendlichen getötet. Damit die übrigen Teilnehmer wissen, gegen wie viele Gegner sie sich noch behaupten müssen, ertönt bei jedem Gefallenen eine Kanone, deren Schlag auch mich als Zuschauer jedes Mal zusammen zucken ließ, – und abends werden Bilder und Namen der am Tag Gestorbenen an den „Himmel“ projiziert.

Zusätzlich zur Gewalt der Jugendlichen kommt auch hier wieder Politik ins Spiel: Allianzen bilden sich, es werden Strategien entwickelt und auch Mentor Haymitch schafft es, seine Gleichgültigkeit abzulegen, und geht für Katniss bei den Bürgern Kapitols Klinken putzen. Doch im Grunde nutzt das alles nichts: Denn das Spiel ist nicht wirklich ein Spiel, die Regeln flexibel und der Willkür der Spielmacher unterworfen. Da wird schon mal eingegriffen oder es werden spontan die Regeln geändert, um die Fernsehshow spannender zu machen.

 

Dichte Erzählweise, tolle Hauptdarstellerin

Die Tribute von Panem - The Hunger Games

Katniss wird in die Arena geführt (Szenenfoto aus „Die Tribute von Panem“)

Es ist lange her, dass mich ein Film so gefesselt und so zum Nachdenken gebracht hat wie Die Tribute von Panem. Dabei war ich anfangs gar nicht sicher, ob ich ihn sehen will – zu sehr hörte sich der Titel für mich nach Fantasy-Saga an, was nur manchmal mein Fall ist. In Wahrheit aber handelt es sich hier um eine Mischung aus Science Fiction und Dystopie, die einen an Filme wie Truman Show, Running Man und Rollerball oder den deutschen Fernsehmehrteiler Das Millionenspiel denken lässt. Darüber hinaus zeichnet sich Die Tribute von Panem stark durch eine dichte und tiefe Erzählweise aus: ein paar Bilder reichen, um zu verstehen, warum Katniss so ernst und so erwachsen ist oder wie Peeta und sie zueinander stehen. Viele Gedanken – Wer verdient mein Vertrauen? Schütze ich erst mich oder Schwächere? Kann ein Einzelner etwas ausrichten? – werden zwar nur angerissen, beschäftigen einen aber nach dem Anschauen noch lange weiter. Und Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence schafft es immer wieder, jede Empfindung, jede Entscheidung in ihrer Mimik erkennen zu lassen. Schon allein ihretwegen lohnt es sich, den Film anzusehen.

Die Tribute von Panem ist die Verfilmung des ersten Teils der gleichnamigen Romantrilogie von Suzanne Collins und ist mittlerweile auf DVD erschienen. Die Verfilmung des zweiten Teils „Catching Fire“ startet am startet am 21. November 2013 in den Kinos.

Infos zum Film

Die Tribute von Panem
(The Hunger Games)

USA 2012
142 Minuten
Filmverleih: StudioCanal
Regie: Gary Ross
Drehbuch: Dawn Gilliam,
Gary Ross, Suzanne Collins,
Billy Ray
Mit Jennifer Lawrence,
Elizabeth Banks, Josh Hutcherson,
Woody Harrelson, Lenny Kravitz
FSK frei ab 12


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