Lincoln (Steven Spielberg)

Abraham Lincoln

Abraham Lincoln

Knapp 150 Jahre ist es her, dass Abraham Lincoln den 13. Zusatzartikel der Verfassung der USA durch den Kongress brachte und damit den Grundstein für die Abschaffung der Sklaverei und die Beendigung des amerikanischen Bürgerkriegs legte. Dies  und die weiteren richtungsweisenden Entscheidungen, die er in seiner Amtszeit treffen und durchsetzen konnte, machten ihn zu einem der wichtigsten US-Präsidenten der Geschichte.

Dabei hätte die Wahl des Sklavereigegners die USA fast entzweit und war die Ursache für den Sezessionskrig, den Lincoln dann später selbst beendete. Der zwölffach oscar-nominierte Film „Lincoln“ (u.a. bester Film, bester Hauptdarsteller, Tommy Lee Jones als bester Nebendarsteller) setzt jedoch erst im Januar 1865 ein, kurz nach Lincolns Wiederwahl zu seiner zweiten Amtszeit, und konzentriert sich auf die vier letzten Monate im Leben des US-Präsidenten. Der Bürgerkrieg geht bereits ins vierte Jahr, und ob er bald beendet werden kann, ohne dass strategische Verluste hingenommen werden müssen, ist mehr als unklar.


Schlachten am Schreibtisch

Lincolns (Daniel Day-Lewis) Hauptsorge jedoch ist es, dass der Bürgerkrieg beendet ist, bevor er nicht zumindest noch etwas Gutes daraus mitnimmt, d.h. bevor er es schafft, sein Ziel, die Sklaverei für die gesamten USA abzuschaffen, gesetzlich zu verankern. Denn die Unterstützung, die er dafür in der Bevölkerung erhält, geht in erster Linie darauf zurück , dass man nicht noch mehr Söhne in den Schlachten verlieren möchte. Ist diese Gefahr gebannt, ist das Schicksal der Sklaven auch der Nordstaaten-Bevölkerung eher egal. Und so gibt Lincoln sich – unterstützt von seinen engsten Vertrauten – größte Mühe, seinen 13. Zusatzartikel so schnell wie möglich und gegen große Widerstände durchzusetzen. Dafür benötigt er im Kongress eine Zwei-Drittel-Mehrheit – die er notfalls auch mit nicht ganz korrekten Mitteln erreichen möchte.

Manche Schlachten – und mitunter auch sehr bedeutende – werden auf Papier geführt, und die eingesetzten Mittel sind vor allem strategischer Natur. „Lincoln“ handelt von solchen Schlachten, von politischen Schachzügen, Allianzen, Kämpfen, die mit Worten statt mit Waffen ausgefochten werden. Und vor allem davon, dass der Zweck vielleicht manchmal doch die Mittel heiligt. Gezeigt wird eine kurze Spanne im Leben des Präsidenten, der für die USA zum Symbol von Moderne, Einigkeit und gelebter Demokratie wurde. Gleichzeitig richtet Spielberg jedoch den Blick darauf, dass dies nur erreicht werden konnte, indem Lincoln gegen die Überzeugungen, die er vertrat, selbst verstieß – ein ähnliches Dilemma, wie es im Polit-Thriller „The Ides of March – Tage des Verrats“ thematisiert wude. In „Lincoln“ basieren die politischen Strategien jedoch auf Tatsachen und werden ohne spannungssteigernde Elemente gezeigt.

„Lincoln“ ist insgesamt ein Film, der sich in großen Teilen auf die Politik beschränkt und nur hin und wieder einen Blick auf den Menschen Abraham Lincoln zulässt. Die Geschichte um Lincolns ältesten Sohn Robert scheint beispielsweise allein diesem Zweck zu dienen (oder aber der Möglichkeit, Joseph Gordon-Levitt auch in diesem Film irgendwie unterzubringen). Wer Action-Kino erwartet, wird enttäuscht und sollte sich besser den völlig anderen, aber nicht schlechteren „Django Unchained“ zu einem ähnlichen Thema ansehen. Wer aber an Politik im Allgemeinen und den Schwierigkeiten, seine Überzeugungen durchzusetzen und ihnen gleichzeitig treu zu bleiben, interessiert ist, wird in „Lincoln“ einen hervorragenden Film mit einem grandiosen Hauptdarsteller finden.

Infos zum Film

Lincoln
USA/Indien, 2012
151 Minuten
Filmverleih: Fox Deutschland
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Tony Kushner
mit Daniel Day-Lewis,
Sally Field, David Strathairn,
Tommy Lee Jones
Joseph Gordon-Levitt
FSK: frei ab 12

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2 Kommentare

  • Danke für die ausführliche und schöne Kritik!

    War am Montag mit einem Bein im Lincoln-Kinosaal, ehe wir uns doch für „Quartett“ entschieden hat, der viel gute Laune verbreitet hat. Lustig fand ich auch, dass wir mit Abstand die jüngsten (ich bin 40!) im Kinosaal waren. Die restlichen Zuschauen waren allesamt im Alter der Protagonisten des Films! Euch schon mal viel Spaß mit „Quartett“. „Lincoln“ werde ich mir wohl auch noch anschauen.

    Viele Grüße,

    Christof

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