Selma (Ava DuVernay)

Dramatische Aufbereitung der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung:

Filmplakat Selma

Filmplakat Selma

„All men are created equal“: Dieser bereits in der Unabhängigkeitserklärung verwendete kurze und eigentlich so einfache Satz ist ein guter Vorsatz, eine Aufgabe, an dessen Lösung die USA noch heute arbeiten. Seit Freitag freut man sich über die Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofs, die gleichgeschlechtliche Ehe landesweit zu legalisieren, was einen weiteren Schritt zur Umsetzung dieses guten Vorsatzes mehr als 200 Jahre nach seiner Formulierung bedeutet. Doch längst nicht alles, was offiziell entschieden ist, setzt sich auch in den Köpfen der Menschen fest. Jahrzehnte- oder Jahrhunderte alte Vorurteile und Ressentiments beugen sich nicht vor einem Gerichtsurteil oder einer neuen Gesetzgebung, und bis die Gleichheit aller Menschen wirklich in den Köpfen verwurzelt ist, steht uns sicher noch ein langer Weg bevor.

Wie lang dieser Weg ist, zeigt die Martin Luther King-Biographie Selma, die den Kampf um die Anwendung des Wahlrechts der afroamerikanischen Bevölkerung thematisiert. Bereits 1870 wurde es mit dem 15. Zusatz zur Verfassung formal gewährt, doch noch in den 1960er Jahren blockierten vor allem die Südstaaten die Eintragung von Schwarzen in die Wählerregister. Beamte stellten Fragen nach den Namen aller Richter des Bundesstaats oder erhoben Wahlsteuern, die der ärmeren Bevölkerung jede Chance auf politische Teilhabe nahmen. Die Stadt Selma in Alabama war hier keine Ausnahme: Gerade mal 130 der 15.000 afroamerikanischen Einwohner waren als Wähler registriert. Diese systematische und von allen offiziellen Stellen vehement vertretene Rassentrennungspolitik rief Widerstand auf den Plan. Es wurde das Student Nonviolent Coordinating Committee gegründet, das den Bürgern der Stadt helfen sollte, ihre verfassungsmäßigen Rechte einzufordern. Doch Sheriff Jim Clark und seine Mitarbeiter schüchterten die Bevölkerung ein und gingen notfalls mit Gewalt gegen Bürger vor.


 

Kampf um Gleichberechtigung in der Stadt Selma

1865 erhält Selma unerwartete Unterstützung: Dr. Martin Luther King, jr. (David Oyelowo), der gerade mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und eine gute Beziehung zu Präsident Johnson pflegt, entschließt sich, die Stadt zu unterstützen und reist nach Alabama. In der rassistisch geprägten Stadt schlagen ihm Hass und Gewalt entgegen, doch der Ruhm, den King in den Medien bereits erlangt hat, bringt Kamera-Teams und Journalisten in die Stadt. Das Ziel der Bürgerrechtsbewegung ist es, die Hürden zur Ausübung des Wahlrechts abzuschaffen, doch gerade ein Jahr vor den Wiederwahlen möchte sich dsa Weiße Haus mit solchen Themen nicht auseinandersetzen. Also muss die Aufmerksamkeit der gesamten US-Bevölkerung geweckt werden, und die Gruppe um King organisiert einen gewaltfreien Marsch von Selma nach Montgomery. Die Stadt lässt sich nicht so leicht von ihren rassistischen Überzeugungen abbringen, und berittene Polizisten mit Unterstützung aus der – auch jüngsten – weißen Bevölkerung schlagen die Demonstration blutig nieder. Während die Bilder von Selma durch die Welt gehen, geschieht endlich das, was die Voraussetzung für eine wirkliche Änderung ist: Nicht persönliche betroffene Menschen zeigen Solidarität. Und mehr und mehr Menschen wollen von Selma nach Montgomery gehen, um ihre Meinung auf friedliche, aber sehr gut sichtbare Weise kundzutun.

Wenn man die drastischen Bilder der institutionalisierten Gewalt in Selma sieht, kann man gar nicht anders, als an die zahlreichen von weißen Polizisten erschossenen Afroamerikaner zu denken, die noch heute dem Rassismus zum Opfer fallen – und das etwa 100 Mal pro Jahr. Dass weiße Polizisten in den USA (und auch heute noch vor allem in den südlichen Staaten) ihre Macht missbrauchen und Afroamerikaner und 2013 Teile des 1965 in Selma erkämpften Voting Right Acts wieder abgeschafft wurden, zeigt, wie weit der Weg ist, dass alle Menschen wirklich gleich sind. Der Grund dafür ist, dass Gleichheit gar nicht gewünscht ist, auch heute nicht. Denn wenn alle Menschen gleich sind, heißt das, dass es niemanden gibt, gegen den man sich nach unten abgrenzen kann, dass man nicht automatisch besser als ein anderer ist. King selbst sagte dies in seiner Rede in Montgomery am Ende des letzten Marschs, und dies hat auch heute noch Gültigkeit, egal ob es um die Ausgrenzung nach Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder sexueller Orientierung geht. „All men (and women) are created equal.“ ist dennoch ein in seiner Einfachheit so bestechend schöner Vorsatz, dass man auch gerne mehrere Jahrhunderte daran festhalten und dafür eintreten sollte.

Selma war bei den Oscars 2015 in der Kategorie Bester Film nominiert. Der Titelsong Glory wurde sogar mit einem Oscar ausgezeichnet. Am 3. Juli erscheint der Film auf DVD.

Infos zum Film

Selma
USA / UK, 2014
123 Minuten
Filmverleih: Studiocanal
Regie: Ava DuVernay
Drehbuch: Paul Webb
mit David Oyelowo, Tom Wilkinson,
Carmen Ejogo, Oprah Winfrey, Tim Roth
FSK: frei ab 12

 

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