Big in Japan (John Jeffcoat)

Solider, witziger Independent-Film über eine Rock-Band auf der Suche nach Erfolg: 4.0 Stars

Filmplakat "Big in Japan"

Filmplakat „Big in Japan“

Die Rockband Tennis Pro hat in ihrer Heimatstadt Seattle nicht gerade Erfolg: Meist spielen sie in leeren Clubs und die Merchandising-Tshirts finden trotz ruinöser Rabatte keine Abnehmer. Die drei Band-Mitglieder Phil, Sean und David halten sich entweder durch (unseriöse) Jobs über Wasser oder mithilfe ihrer Ehefrau. Nach einem besonders enttäuschenden Gig spricht sie ein Fremder an, der sie als Manager in Tokio ganz groß rausbringen will. Sein Argument: „The only way that you are gonna make it here is if you make it somewhere else first.“

Nach reiflicher Überlegung und nicht gerade zur Freude ihrer Lebenspartnerinnen beschließen die drei, Tennis Pro eine letzte Chance zu geben und ihrem selbsternannten Manager nach Tokio zu folgen. Mit Ach und Krach treiben die Jungs das Geld für die Reise auf. Doch auch Japan scheint der Band kein Glück zu bringen: Ihr Gepäck geht verloren, so dass sie fortan nur zwischen albernen Tennis-Outfits und Band-Klamotten (teilweise sehr Clowns-Kostüm-ähnlich) wählen können und ständig im Waschsalon sitzen. Die anfängliche Euphorie darüber, dass der Band-Manager ein Hotel mit „einem Zimmer für jeden“ ausgesucht hat, erfährt einen Dämpfer, als die Herren abends statt in ein wirkliches Zimmer in eine in die Wand eingelassene Schlaf-Koje kriechen, in der selbst das Umziehen in der Hocke zur Tortour wird. Nach dem Umzug in ein anderes Hotel hat die Band zumindest ein Zimmer, in dem alle aufrecht stehen können, doch die Feststellung, dass es sich um ein Stunden-Hotel handelt und sich fremde Leute nicht nur das Badezimmer, sondern teilweise auch die Matratzen mit den Jungs teilen, führt bald zu Resignation.



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Über viele Hürden hin zu Being Big in Japan

Immerhin spielen Tennis Pro, von denen übrigens niemand Tennis spielt, nach einiger Zeit nicht mehr in komplett leeren Clubs und dank vieler neuer Kontakte zu einheimischen Bands wächst das Publikum. Als die Band eines Tages von einem Platten-Label-Boss angesprochen wird, der sie nicht nur für ein Festival engagieren, sondern auch direkt eine Platte mit ihnen aufnehmen will, steht der Durchbruch von Tennis Pro kurz bevor. Doch als schon alles eingetütet scheint, erhält Sean einen Anruf vom Platten-Chef. Die Bedinung lautet plötzlich: Entweder ein Vertrag ohne Phil oder gar nicht. Das Label will „den Clown“ durch jemand anderen ersetzen.

Hintergründe zum Film

Independent-Regisseur und Drehbuch-Autor John Jeffcoat ist mit Big in Japan das Wagnis eingegangen, einen Spielfilm über eine Band zu drehen, die es nicht nur tatsächlich gibt, sondern deren Rollen auch von den echten Band-Mitgliedern von Tennis Pro gespielt werden. Die gezeigten Ereignisse basieren dabei teilweise auf wahren Begebenheiten, die Charaktere der Figuren wurden in Anlehnung an die echten Musiker David, Sean und Phil leicht ausgebaut. Der Film feierte seine Weltpremiere 2014 auf dem SXSW Film Festival in Texas und wurde ebenfalls auf den internationalen Filmfestivals in Seattle und Sarasota gezeigt. Die DVD zum Film scheint aktuell (noch) nicht käuflich, per VoD ist Big in Japan über die Filmfestival-Datenbank festivalscope.com zugänglich.

Fazit zu Big in Japan

John Jeffcoat ist ein handwerklich und atmosphärisch solider Film gelungen, der die Intimität einer Dokumentation mit dem teils skurrilen Witz einer Indie-Komödie verbindet. Die wirklich großartige Musik, das charmant authentische Schauspiel der (teilweise) Laiendarsteller und die beeindruckenden Bilder von Tokio machen Big in Japan zusätzlich zu einem absolut sehenswerten Film, bei dem ich mich dank vieler komischer auf Kultur-Schock basierender Momente immer wieder an Lost in Translation von Sofia Coppola erinnert fühlte.

Infos zum Film

Big in Japan
USA, 2013
100 Minuten
Filmverleih USA: Outsider Pictures
Regie und Drehbuch:
John Jeffcoat
mit David Drury, Philip A. Peterson,
Sean Lowry, Alex Vincent,
Adam Powers
FSK: frei ab k. A.

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