Grand Budapest Hotel (Wes Anderson)

Typischer Wes Anderson mit tollem Cast und einigen Überraschungen: 4.5 Stars

Filmplakat "Grand Budapest Hotel"

Filmplakat “Grand Budapest Hotel”

Monsieur Gustave H (Ralph Fiennes) ist ein Traum von einem Concierge, und das Grand Budapest Hotel im osteuropäischen Zubrowka verdankt ihm mehr als nur einen geregelten Tagesablauf. Zwischen den beiden Weltkriegen erlebt das Hotel eine regelrechte Blüte, und diese ist nicht zuletzt auf den Mann im Hintergrund zurückzuführen. Gustave hat das Personal im Griff, immer ein authentisch freundliches Wort für die Gäste auf den Lippen und einen besonderen Stand bei der älteren weiblichen Klientel des Hotels. Ganz vernarrt sind die betagten reichen Damen in den Poesie liebenden Charmeur, der diese Gefühle voll und ganz erwidert und gerne auch durch mehr als schöne Worte unter Beweis stellt. Dass die Gäste gerne zu ihm und damit ins Hotel zurück kommen, wundert nicht, denn Gustave ist der freundlichste und zuvorkommendste Mensch, den man sich vorstellen kann. Besonders die 84jährige Madame Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis (Tilda Swinton) ist bekennender Gustave-Fan, und viel lieber als zu ihrer geldgierigen Familie nach Lutz zurückzukehren, würde sie auf immer im Grand Budapest Hotel wohnen. Doch Gustave überzeugt die Gräfin, dass es bei ihr zu Hause nichts zu befürchten gibt, und kümmert sich schon bald um die nächsten Gäste und um den neuesten Angestellten des Grand Budapest. Zéro Moustafa (Tony Revolori) erfüllt sich seinen Traum, im besten Hotel in ganz Zubrowka als Lobby Boy anzufangen, um sich eines Tages vielleicht sogar zum Concierge hocharbeiten zu können.



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Märchen, Thriller, Coming-of-Age-Geschichte und Liebesfilm

Nachdem Monsieur Gustave sich davon überzeugt hat, dass es Zéro mit der Lobby Boy-Karriere Ernst ist, nimmt er den Jungen unter seine Fittiche und erklärt ihm, wie man es dem Gast so angenehm wie möglich macht. Während Zéro langsam in Zubrowka heimisch wird, sich in Agatha (Saoirse Ronan), die Angestellte des örtlichen Konditor-Meisters Mendl verliebt und täglich etwas Neues lernt, scheint das Glück es mit Monsieur Gustave nicht so gut zu meinen: Die Gräfin Desgoffe wird tot aufgefunden, und bei der Testamentsvollstreckung zieht der Concierge den Hass der versammelten gierigen Adelsbrut auf sich, denn Gräfin D. hat ihrem Lieblings-Gastgeber das unbezahlbare Gemälde “Jüngling mit Apfel” vermacht. Da Sohn Dmitri (Adrien Brody) und sein “Leibwächter” Jopling (Willem Defoe) mehr als deutlich machen, dass sie nicht vorhaben, das Bild rauszurücken, nehmen sich Gustave und Zéro kurzerhand das, was ihnen zusteht. Mit dem Bild unterm Arm verschwinden sie vom Anwesen der Desgoffes, ohne zu wissen, dass das nicht ihre letzte Flucht gewesen sein wird.

Zéro tut einiges dafür, erwachsener zu wirken

Zéro tut einiges dafür, erwachsener zu wirken – Szenenbild aus “Grand Budapest Hotel”

Schon am nächsten Tag steht die Polizei vor der Tür, angeführt von Henckels (Edward Norton), dessen Eltern regelmäßige Gäste im Grand Budapest Hotel waren. Anders als Gustave vermutet, ist man jedoch nicht wegen des Bilds da, sondern aus noch schwerer wiegenden Gründen. Madame Desgoffe wurde ermordet, und ihre Erben sind sich einig, dass nur Monsieur Gustave als Täter in Frage kommt. Für den Concierge und seinen Protegé beginnt ein aufregendes und gefährliches Abenteuer, über das der in Europa einbrechende Krieg fast in Vergessenheit gerät.

“Grand Budapest Hotel” eröffnete dieses Jahr mit seiner Weltpremiere die Berlinale, und Regisseur Wes Anderson, der große Teile des Films in Deutschland drehte, war es ein Anliegen, selbst vor Ort zu sein.

In vielen Punkten ist der neueste Film von Anderson ganz typisch für ihn, auch wenn er mit der Kriminal-/Thriller-Story ganz andere Wege ging als in seinen bisherigen Filmen. Das Besondere an seinen Filmen ist das Märchenhafte, Verspielte, das sich in einer besonderen Art des Erzählens findet, in der es eben nicht nur um den Inhalt, sondern um das Erzählen an sich geht. So ist die Haupthandlung von “Grand Budapest Hotel” verschachtelt wie eine Matrjoschka in gleich drei Rahmenhandlungen eingebettet, was auch eine Aussage über das Wesen von Geschichten umfasst: Die besten schaffen es über Generationen und verschlungene Wege, ihr Publikum zu finden.

Weich gefallen: Zéro und Agatha inmitten von Mendl-Schachtel

Weich gefallen: Zéro und Agatha inmitten von Mendl-Schachteln – Szenenbild aus “Grand Budapest Hotel”

Wie schon in seinem letzten Film “Moonrise Kingdom” hat Wes Anderson auch dieses Mal wieder jede Nebenrolle – und sei es nur ein 3-Minuten-Auftritt – mit bekannten Gesichtern besetzt, dieses Mal sogar noch ausgiebiger als im Vorgänger. Der Cast, bei dem es langsam einfacher wird, aufzuzählen, wer nicht dabei ist, umfasst bekannte Schauspieler wie Jude Law, Jeff Goldblum und Willem Defoe sowie Andersons “Stamm-Personal” Bill Murray, Jason Schwartzman und Owen Wilson. Dabei wird auch in “Grand Budapest Hotel” die Hauptrolle wieder nicht von einem Star gespielt, sondern von einem absoluten Newcomer. Tony Revolori gab mit diesem Film sein Schauspiel-Debüt.

In starkem Kontrast zur Märchenhaftigkeit und Leichtigkeit des Settings steht die Ernsthaftigkeit der Figuren, und auch das ist typisch für Filme von Wes Anderson. Da wird nicht gezaudert und gezweifelt, sondern gehandelt, denn was richtig ist steht immer außer Frage. Dass viele der jüngeren Figuren bei Anderson schon sehr genau wissen, was sie im Leben wollen, ist ein typisches Motiv und untermauert diese Ernsthaftigkeit, mit der das Leben angegangen wird, um so mehr.

Im Kreis seiner Anhänger - Monsieur Gustave bezirzt die Damenwelt

Im Kreis seiner Anhänger: Monsieur Gustave bezirzt die Damenwelt – Szenenbild aus “Grand Budapest Hotel”

Neben dieser Ernsthaftigkeit gibt es sehr viele witzige und skurrile, aber auch traurige Szenen des Films. Beides entsteht, weil Andersons Figuren komplex, nahbar und authentisch sind. Der Moment beispielsweise, in dem deutlich ausgesprochen wird, dass Monsieur Gustave hinter seiner freundlichen, ständig optimistischen und menschenliebenden Art – natürlich – ein unsicherer und einsamer Mensch ist, ist einer der traurigsten des Films. Insofern fällt “Grand Budapest Hotel” auch sicher in die Kategorie “Melancholische Komödie“.

Wes Anderson macht nicht einfach Filme, sondern er erschafft für jeden Film ein eigenes Universum, in dem die Figuren mit all ihren skurrilen Eigenheiten zu Hause sind. Für “Grand Budapest Hotel” erschuf Anderson ein ganzes Land: Zubrowka, im Osten Europas, das in die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts eingebettet ist und am Ende davon hinweg geschwemmt wird.

“Grand Budapest Hotel” startet am 6. März offiziell im Kino. Dieser wunderbare, lustige, spannende und berührende Film ist nicht nur etwas für Wes Anderson-Fans.

Infos zum Film

Grand Budapest Hotel
(The Grand Budapest Hotel)

USA, 2013
100 Minuten
Filmverleih: 20th Century Fox
Regie: Wes Anderson
Drehbuch: Wes Anderson
mit Ralph Fiennes, Tony Revolori, F. Murray Abraham,
Mathieu Amalric, Adrien Brody, Willem Dafoe,
Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law,
Bill Murray, Edward Norton, Saoirse Ronan,
Jason Schwartzman, Léa Seydoux, Tilda Swinton,
Tom Wilkinson, Owen Wilson

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