Last Vegas (Jon Turteltaub)

Filmplakat "Last Vegas"

Filmplakat „Last Vegas“

Wenn man eine Vorstellung davon entwickeln möchte, ob (oder wie sehr) es sich lohnt, ein Casino-Hotel in Las Vegas zu betreiben, muss man sich nur den neuen Werbe-Spot des Aria-Hotels ansehen. Das Aria ist eins der neueren Hotels am Las Vegas-Strip (eröffnet im Jahr 2009) und verglichen mit den bekannteren Hotels wie dem Caesar’s Palace oder dem MGM Grand verfügt es kaum über mediale Präsenz. Aber dagegen kann man ja etwas tun, zum Beispiel einen Film mit Star-Besetzung drehen, in dem in jeder zweiten Szene das Logo des Aria gezeigt wird. Dieser Film läuft ab dem 14. November unter dem Titel „Last Vegas“ im Kino und wird angekündigt als eine Mischung aus „Hangover“ und wahlweise „Best Exotic Marigold Hotel“ oder „Quartet“. Der Vergleich zu „Hangover“ liegt auch wirklich nah, denn in „Last Vegas“ machen sich vier Jugendfreunde, die auf die 70 zugehen, daran, noch einmal eine richtige Sause beim Junggesellenabschied von einem aus ihrer Mitte zu erleben, bringen einen jungen Mann mit großer Klappe auf den rechten Weg, fühlen sich noch mal so richtig fit, lösen schwelende Konflikte und haben eine FAN-TAS-TI-SCHE Zeit im – na? – richtig, im Aria-Hotel. Nebenbei verlieben sich zwei von ihnen in die selbe Frau, aber auch das ist kein richtiges Problem. Dass sich die beiden überhaupt verlieben, scheint am Anfang der Story ziemlich unwahrscheinlich, aber hey, die Figuren müssen sich ja auch irgendwie entwickeln, sonst ist es ja kein richtig guter Film.



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Last Vegas: „Jung“gesellenabschied in der Stadt der Sünde

Was man am Drehbuch gespart hat, hat man bei „Last Vegas“ mit vollen Händen bei der Besetzung ausgegeben. Eigentlich sollte man meinen, dass einem bei einem Cast mit Michael Douglas, Robert De Niro, Morgan Freeman und Kevin Kline 104 Minuten wie im Flug vergehen, doch das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur, dass man sich sicher ist, die Story schon zwanzig Mal gesehen zu haben, spätestens ab der Hälfte des Films hat man sich im Kopf eine Liste mit Dingen erstellt, die noch passieren müssen, damit der „Spaß“ endlich vorbei ist. Der Vorteil an der Sache: Die Geschichte ist wirklich einfach zusammenzufassen.

Als er auf der Beerdigung eines Bekannten eine Rede halten muss, stellt Billy (Michael Douglas) fest, dass er noch mehr vorm Leben erwartet und macht spontan seiner brav in der Kirchenbank sitzenden, kanpp 40 Jahre jüngeren Freundin einen Heiratsantrag, den diese freudig vor den Augen und Ohren der erstaunlich wenig entsetzten Trauergemeinde annimmt. Billy ist klar, dass seine Freunde darüber Bescheid wissen müssen, und sofort ruft er Sam (Kevin Kline) und Archie (Morgan Freeman) an, die er noch aus Kindheitstagen kennt. Die beiden sind sich einig, dass man einen Junggesellenabschied feiern muss, und da Billy ohnehin vorhat, in Las Vegas zu heiraten, ist man sich über den Ort auch schnell einig. Nur Paddy (Robert De Niro) möchte Billy nicht selbst anrufen, denn Paddy ist aus irgendeinem Grund sauer auf Billy und spricht nicht mehr mit ihm. Mit vereinten Kräften schaffen es Archie und Sam ihren missmutigen Kumpel nach Las Vegas zu lotsen, wo jedoch leider kein Zimmer auf sie wartet – hat sich leider keiner drum gekümmert. Also versucht man wie Billy im Aria unterzukommen und vertreibt sich die Zeit am Black Jack-Tisch, wo Archie einen sechsstelligen Betrag und eine kostenlose Suite für sich und seine Freunde gewinnt. Während die Freunde die Junggesellenabschiedsparty vorbereiten, treffen sie auf Diane (Mary Steenburgen), eine ehemalige toughe Steueranwältin, die sich ihren Jugendtraum, vor leeren Stühlen in einer heruntergekommenen Las Vegas-Lounge zu singen, erfüllt und in die sich Billy und Paddy gleichermaßen vom Fleck weg verlieben – was die Rivalitäten der beiden natürlich verschärft.

Diane und Paddy - Szenenbild aus "Last Vegas"

Diane und Paddy – Szenenbild aus „Last Vegas“

„Last Vegas“ ist vieles nicht: nicht unterhaltsam, nicht gefühlsbetont, nicht witzig, nicht innovativ. Die Story zieht sich zäh dahin, die Hauptdarsteller bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten, und die Witze sind vor allem zotig, beispielsweise wenn Kevin Kline am Flughafen einen Freudentanz aufführt, weil seine Frau ihm ein (!) Kondom und eine Viagra-Tablette für die Reise nach Las Vegas mitgegeben hat, damit er mal so richtig die Sau rauslassen kann. Besonders grässlich aber ist die Szene, in der ohne jeden Grund DJ Redfoo nur mit einer Badehose bekleidet seine – ich sag‘ mal – „Hüften“ vor Robert De Niros Gesicht schwingt. Ansonsten beschränkt sich die Körperschau eher aufs weibliche Geschlecht, und ähnlich oft wie das Logo des Aria-Hotels sind spärlich bekleidete Brüste und Hintern zu sehen.

Eine gute Szene hat auch „Last Vegas“, die Eingangsszene, in der die vier Freunde als Kinder vorgestellt werden. Die Schauspieler sind unglaublich gut gecastet und man hat tatsächlich das Gefühl, hier einen jungen De Niro und einen jungen Michael Douglas zu sehen. Vor allem aber wird die Freundschaft der vier sehr schön definiert, und man freut sich darauf, mehr davon zu sehen. Leider ist dies der frühe Höhepunkt von „Last Vegas“, nach dem es nur noch bergab geht wie auf dem Thrill Ride des Stratosphere Towers.

Empfehlen kann man „Last Vegas“ trotz der tollen Besetzung nicht, dafür ist die Story zu althergebracht und oft auch albern. Tatsächlich handelt es sich bei dem Film wenn schon um eine Mischung, dann eher um eine aus „Hangover“ und einem Busfahrplan, so wenig aufregend ist das, was einem da geboten wird. Wer sich auf eine gelungene Komödie mit Star-Besetzung freut, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden.

Infos zum Film

Last Vegas
USA, 2013
104 Minuten
Filmverleih: UPI
Regie: Jon Turteltaub
Drehbuch: Dan Fogelman
mit Michael Douglas, Kevin Kline,
Robert De Niro, Morgan Freeman,
Aria Hotel (Las Vegas)
FSK: frei ab 6

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