Sommer in Orange (Marcus H. Rosenmüller)

DVD-Cover "Sommer in Orange"

DVD-Cover „Sommer in Orange“

Wo man hinsieht, nichts als Orange. So geht es einem als Mitglied der Bhagwan-Kommune, in der die 12-jährige Lili mit ihrem kleinen Bruder Fabian und ihrer Mutter Amrita in Berlin Kreuzberg lebt und in der alle orange gekleidet sind. Doch da Amrita sich erstens noch nicht selbst gefunden hat und zweitens immer für drastische Veränderungen zu haben ist, überlegt sie nicht lange, als ihr aktueller Liebhaber Siddharta einen alten Bauernhof im bayerischen Talbichl erbt. Zusammen mit anderen Kommunen-Mitgliedern macht man sich auf in Richtung Süddeutschland, um in dem Gebäude ein Therapie-Zentrum zu errichten, in dem neben Urschrei-Therapie später eine ganze Reihe anderer Bhagwan-„Therapien“ angeboten werden sollen. Dass Tochter Lili und Sohn Fabian durch den Umzug aus der gewohnten Umgebung und von ihren Freunden weggerissen werden, findet Amrita (Petra Schmidt-Schaller) nicht so schlimm.

Bhagwan beschert Bayern einen Sommer in Orange

Während die Erwachsenen der Kommune mit der Renovierung des Bauernhofs beschäftigt sind, gehen Lili (Amber Bongard) und Fabian in die Dorfschule. Dort werden sie in ihren orange-farbenen Sack-Kleidern von den Mitschülern argwöhnisch beäugt und aufgrund ihrer antrainierten „Hausaufgaben-und-Disziplin-sind-doof“-Haltung von der Lehrerin getadelt. Der 9-jährige Fabian verteidigt nach wie vor die Kommunen-Lebenshaltung, während Lili einfach dazu gehören und wieder neue Freunde finden möchte.



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Lili rebelliert gegen alles orange-farbene

Lili fängt nicht nur an, sich heimlich für die Schule so anzuziehen wie die anderen Mädchen (sie hat einen alten blauen Rock von ihrer Oma gefunden, den ihre Mutter schon entsorgen wollte). Sie setzt sich auch hinter dem Rücken der Mutter über den aufgezwungenen Vegetarismus hinweg und isst plötzlich Weißwürste und Leberkäse. Außerdem versucht sie mit ihrem Bruder in einen der örtlichen Vereine einzutreten, um beim bevorstehenden Dorffest mitfeiern zu können.

In der Zwischenzeit scheint die Nachbarsfrau, Gattin des erzkonservativen Bürgermeisters und Mutter von Lilis Schulkameraden, die einzige Ansprechpartnerin unter den Erwachsenen zu sein. Lilis eigene Mutter Amrita ist nämlich viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt um zu bemerken, dass ihre Tochter großen Bedarf nach Gesprächen und überhaupt Unterstützung hat, selbst nachdem Lili sie mehrfach darum gebeten hat. Als Amrita die Kinder für einige Tage in der Kommune zurücklässt und mit einer Freundin auf ein Selbstfindungs-Seminar fährt, verliebt sie sich in den Seminar-Leiter Prem, der sie zu seiner Auserwählten kürt. Er kündigt an, sie bald in ihrem Therapiezentrum zu besuchen, und schlägt ihr sogar vor, die Kinder in eine Kinderkommune in England zu schicken, damit sie selbst mit ihm in Oregon (USA) eine neue Kommune aufbauen kann. Amrita ist begeistert von der Idee.

Feindseeligkeiten von beiden Seiten

Die Lage in Talbichl spitzt sich immer weiter zu, denn die Bevölkerung, allen voran der Bürgermeister, schätzen es gar nicht, wenn aus dem Bauernhof undefinierbarer Singsang und Urschreie tönen und die Kommunen-Bewohner halbnackt in ihrem Garten tanzen und meditieren. Doch auch innerhalb der Kommune gibt es Ärger, denn die neue Bewohnerin Leela hat sich „mit einem ausm Dorf“ eingelassen. Die Vorurteile werden stündlich mehr und da hilft es auch nicht, dass die Kommune beschließt, geschlossen auf dem Dorffest zu erscheinen.

Sommer in Orange – mehr als eine Komödie

In „Sommer in Orange“ wird ganz klar gezeigt, dass es tatsächlich auf beiden Seiten Vorurteile gibt, wenn zwei Extreme wie Liberalismus und Konservatismus aufeinander prallen. Vor allem wird aber deutlich, wie schwierig es für einen Teenager sein kann, in einer Kommune aufzuwachsen, die sich ganz klar von der Gesellschaft abgrenzen will. Für Lili bedeutet die Situation, dass sie sich auflehnen muss, um bei den Gleichaltrigen nicht ewig die Außenseiterin zu bleiben. Das wiederum bringt sie zwischen die Fronten und führt bei ihr vor lauter Orientierungslosigkeit schließlich zu einer Art Kurzschlussreaktion.

Das Drehbuch zu „Sommer in Orange“ basiert auf den Kindheitserinnerungen von Autorin, Dokumentarfilmerin und Ethnologin Ursula Gruber und ihrem Bruder Georg Gruber (Produzent), die gemeinsam in einer Bhagwan-Kommune südlich von München aufwuchsen. Die komödiantischen Aspekte der Geschichte entstanden erst mit der Verfilmung durch den Regisseur Marcus H. Rosenmüller, der diese Aspekte gemeinsam mit Ursula Gruber entwickelte.

Fazit zu Sommer in Orange

Sommer in Orange ist an vielen Stellen witzig, aber vor allem leidet man zusammen mit Lili unter dem Zwiespalt, Freunde finden und dazu gehören zu wollen und gleichzeitig irgendwie dem treu zu bleiben, was einem von klein auf an Werten vermittelt und beigebracht wurde. Für mich ist „Sommer in Orange“ im Prinzip eine Coming-of-Age-Geschichte, die große Teile ihres Charmes aus dem professionellen Schauspiel von Amber Bongard in der Rolle der Lili zieht. Mein Fazit: absolut sehenswert!

Infos zum Film

Sommer in Orange
Deutschland, 2011
110 Minuten
Filmverleih: 20th Century Fox
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch: Ursula Gruber
mit Amber Bongard,
Petra Schmidt-Schaller,
Oliver Korittke
FSK: frei ab 12 Jahren

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