Kirschblüten Hanami (Doris Dörrie)

DVD-Cover "Kirschblüten Hanami" (Doris Dörrie)

DVD-Cover „Kirschblüten Hanami“ (Doris Dörrie)

Trudi (Hannelore Elsner) und Rudi (Elmar Wepper) sind schon so lange ein Paar, dass sie es nicht nur normal finden, dass ihre Namen sich fast identisch anhören, sondern dass Rudis Ärzte es auch ganz selbstverständlich seiner Frau überlassen, zu entscheiden, ob sie ihrem Mann mitteilt, dass er unheilbar krank ist und wahrscheinlich nicht mehr lange zu leben hat. Trudi entscheidet sich dagegen und versucht stattdessen, eine schöne Zeit mit Rudi zu verbringen, auch wenn dieser es gleich ablehnt, mit ihr nach Japan zu fahren, ihr persönliches Traumland, wo Karl (Maximilian Brückner), einer der gemeinsamen Söhne lebt.

Immerhin kann Trudi ihren Mann überzeugen, die anderen beiden Kinder Caro und Klaus in Berlin zu besuchen, doch diese Reise führt den beiden nur noch deutlicher vor Augen, dass sie ausschließlich einander haben. Zwischen den Geschwistern bricht sofort Streit darüber aus, wer die Eltern „nimmt“, und einzig Franzi (Nadja Uhl), Caros Freundin, bemüht sich, die beiden kennenzulernen und ihnen ein paar schöne Tage zu bieten. Natürlich merken Rudi und Trudi, dass sie nicht willkommen sind, und sie beschließen, weiter zur Ostsee zu fahren. Dort versucht Trudi weiterhin, eine gute Zeit mit ihrem Mann zu verbringen und ihm, so lange es noch geht, so nah wie möglich zu sein. Doch es kommt ganz anders, denn Trudi ist diejenige, die zuerst stirbt, ganz unerwartet, noch im Urlaub an der Ostsee. Rudi ist völlig aus der Bahn geworfen, und wieder ist Franzi die einzige, die für ihn da ist und ihm von Trudis Wunsch, Butoh-Tänzerin zu werden, erzählt, den sie für Rudi und die Kinder aufgegeben hat.


 

Kirschblüten Hanami: Abschied und Neu-Anfang

Da er zu Hause in jedem Moment die Abwesenheit seiner Frau schmerzhaft spürt, entschließt sich Rudi, der sein Leben lang um dieselbe Zeit sein Pausenbrot gegessen hat, zu drastischen Schritten: Er fährt nach Japan, um zu versuchen, den Verzicht seiner Frau auf ihr eigenes Leben wieder gut zu machen. Doch Tokio scheint zunächst wie eine Fortsetzung von Berlin: Karl hat kaum Zeit, Rudi vom Flughafen abzuholen, setzt ihn den ganzen Tag lang in eine Bar, um dort bis spät am Abend auf den Sohn zu warten, und macht sich nicht einmal die Mühe, dem Vater gegenüber zu verbergen, wie sehr ihn dessen Anwesenheit nervt.

Da er nicht den ganzen Tag allein in der Wohnung oder der Bar sitzen will, macht Rudi sich schließich vorsichtig auf eigene Faust auf den Weg durch Tokio. Für ihn, der schon in Berlin mit dem Fahrkartenautomaten überfordert war, ist die unübersichtliche Stadt Tokio eine echte Herausforderung, der er sich aber stellt, um Trudi, die er in Form ihrer Kleidung und der Erinnerung an sie immer bei sich trägt, die Welt zu zeigen, in der sie gerne gelebt hätte.

Als er die junge Butoh-Tänzerin Yu kennenlernt, die in einem Zelt lebt, lässt er sich von ihr das Leben zeigen, dass Trudi geführt hätte, wenn sie ihn nicht getroffen hätte.

„Kirschblüten Hanami“ thematisiert das langsame Abschiednehmen sowie die Vertrautheit und Zugehörigkeit zu einem Menschen über den Tod hinaus. Der Tod von Trudi verändert vor allem Rudis Alltag, und es sind die kleinen Dinge, die Doris Dörrie zeigt, die Trudis Abwesenheit spüren lassen, die Strickjacke, in die niemand ihm mehr hineinhilft, die Eintagsfliegen, die für Trudi immer eine besondere Bedeutung hatten und über die niemand mehr spricht, und die leere Hälfte des Betts. Und wenn Rudi in Tokio das Angebot von „free hugs“ eines jungen Straßenkünstlers in Anspruch nimmt, weil das die einzige menschliche Nähe ist, die ihm zuteil wird, ist seine Einsamkeit so endgültig, dass kein Sohn, keine Tochter und keine japanische Zufallsbekanntschaft ihn daraus erlösen kann.

„Kirschblüten Hanami“ ist ein wunderbarer, stiller, sehr berührender Film über den Umgang mit dem Tod und über verpasste Chancen im Leben, der sich durch genaue Beobachtung und die zurückhaltende, aber immer genau treffende Darstellung einer ganzen Bandbreite von Emotionenen – Liebe, Trauer, Zurückgewiesensein – auszeichnet.

Infos zum Film

Kirschblüten Hanami
Deutschland, 2008
122 Minuten
Filmverleih: Fox Deutschland
Regie: Doris Dörrie
Drehbuch: Doris Dörrie
mit Elmar Wepper,
Hannelore Elsner, Nadja Uhl
FSK: frei ab 12

 

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