LA LA LAND (Damien Chazelle)

Ein wunderbares Film-Erlebnis über Träume, Liebe, Leidenschaft und die Möglichkeiten des Lebens:

Filmplakat La La Land

Filmplakat La La Land

Noch nie haben mir so viele Menschen gesagt, dass sie einen Film wirklich, wirklich schlecht finden (die Wortwahl war meist eine andere), ohne ihn gesehen zu haben, wie bei La La Land. Schon der Trailer dieses ungewöhnlichen Films polarisiert, und nach 14 Oscar-Nominierungen in 13 Kategorien und mittlerweile mehr als 100 gewonnenen Filmpreisen (davon 7 Golden Globes) kommt man an dem nun wirklich nicht mehr vorbei.

Allerdings ist es mit dem Trailer von La La Land so wie mit den meisten Trailern: Man weiß danach nicht wirklich, was man von dem Film zu erwarten hat. Tatsächlich sollte man sich beim Betreten des Kinos von allen Erwartungen, die man an La La Land vielleicht hat, lösen, denn dieser Film wird sie ohnehin nicht erfüllen.

Dabei beginnt er wie das, was die meisten wohl befürchten: ein ganz normaler Liebesfilm. Sebastian (Ryan Gosling) und Mia (Emma Stone) sehen sich zum ersten Mal in Los Angeles im Stau, wenn auch nur für ein paar Sekunden. Sie ist gerade auf dem Weg zu ihrem Job als Barista, und probt im Auto für das wohl 100. Film-Casting, das am Ende sowieso zu nichts führen wird. Er hat es eilig, zu seinem Kaffee an einer Tankstelle zu kommen, von der aus er den Jazz-Club sehen kann, in dem er früher mal gespielt hat – und der jetzt ein Samba & Tapas-Laden ist, was niemand so richtig versteht. Beide stehen in der Warteposition des Lebens und hoffen, dass sich ihr großer Traum – von der Schauspielkarriere bzw. vom eigenen Jazz Club – noch erfüllen wird.

Abends sehen sie sich unverhofft wieder. Mia hört auf dem Nachhauseweg von einer Party auf der Straße Sebastians Musik und folgt ihr in ein Restaurant. Dort ist sie nicht nur hin und weg von seinem Klavierspiel, sondern muss auch noch mit ansehen, wie Sebastian genau deswegen gefeuert wird – der Restaurant-Chef (J. K. Simmons) will nur Weihnachtslieder hören. Aufgebracht hat Sebastian nicht mal mehr die Geduld, sich Mias Liebeserklärung an seine Musik anzuhören, und so endet auch diese Begegnung abrupt und folgenlos.

Stadt der Engel, der Sterne und der Träume

Film zum Verliben: Sebastian und Mia schauen Denn sie wissen nicht was sie tun (Szenenbild aus La La Land)

Film zum Verlieben: Sebastian und Mia schauen Denn sie wissen nicht was sie tun (Szenenbild aus La La Land)

Ein paar Monate später kreuzen sich die Wege der beiden endlich wieder. Sebastian jobbt als Keyboarder auf einer Party, auf der Mia zu Gast ist, und sie nutzt die Gelegenheit, sich für sein schroffes Verhalten zu rächen, indem sie sich I Ran von A Flock of Seagulls wünscht, bei dem er nicht mehr als vier Tasten drücken muss.

In einer von Sebastians kurzen Pausen ergibt sich ein Gespräch zwischen den beiden. Hier ziehen sie sich gegenseitig mit ihrer größten Gemeinsamkeit auf: dem Streben nach ihrem jeweils eigenen großen Lebenstraum.

Doch eigentlich ist beiden längst klar, was die Neckereien zu bedeuten haben: Dass sie sich zueinander hingezogen fühlen. Schließlich sind sie beide Teil einer Stadt, in der jeder seinem Traum hinterher jagt, was es für den einzelnen schwierig macht, sich seinen zu erfüllen.

They worship everything and they value nothing.

Sebastian am Klavier (Szenenbild aus La La Land)

Sebastian am Klavier (Szenenbild aus La La Land)

Liebe und Melancholie in La La Land

Natürlich verlieben Mia und Sebastian sich ineinander (auf der Party, im Kino und später in einer wunderschönen Szene im Griffith Observatory). Allein das vorsichtige Annähern der beiden aneinander, das Abwägen zwischen dem Risiko, sich zu blamieren, und dem, eine Chance zu verpassen, die Intimität zwischen ihnen, zeigen, wie sehr Regisseur Chazelle es versteht, seinem Publikum Emotionen nicht nur zu zeigen, sondern sie den Zuschauer mitfühlen zu lassen.

Beflügelt von dieser neuen Beziehung bestärken sich Mia und Sebastian gegenseitig in ihren Träumen. Mia beginnt, ein Stück nur für sich selbst zu schreiben. Sebastian, dem es leichter fällt, an ihren als an seinen Traum zu glauben, geht relativ bald Kompromisse ein, um das gemeinsame Leben einfacher zu machen. Am Ende erreicht er damit jedoch das Gegenteil. Er nimmt einen Job an, den ein alter Schulfreund ihm anbietet. Als Keyboarder der Messengers ist er fortan nicht nur ständig auf Tournee, sondern verrät auch seine Ideale der Jazz-Musik.

Ausnahme-Film voller Leidenschaft

Zitat La La Land

Zitat La La Land

Natürlich ist La La Land eine Liebesgeschichte. Gleichzeitig ist der Film aber eine Geschichte über die ganz großen Träume und über Leidenschaft. Mia und Sebastian sind vereint in dem Wunsch, in ihrer jeweiligen Kunst erfolgreich zu sein.

Die Beziehung miteinander stärkt sie einerseits, gleichzeitig wirft sie aber auch Fragen danach auf, ob der Traum, den sie verfolgen, überhaupt der richtige ist. Und sehr schnell wird klar, wie schwierig es ist, eine Balance zwischen Kunst / Beruf und Leben / Liebe zu finden. Oder anders ausgedrückt: Es sind die Träume, die Sebastian und Mia zusammenbringen, und es sind die Träume, die sie am Ende vor die Wahl zwischen Liebe und Erfolg stellen.

Die Leidenschaft, mit der Mia und Sebastian handeln, ist dieselbe Leidenschaft, mit der Chazelle La La Land in Szene gesetzt hat. Diese bunte, rausch-hafte, laute und fröhliche Inszenierung einer melancholischen Verneigung vor der Leidenschaft war genau so wenig risikolos wie Mias One-Woman-Show oder Sebastians eigener Club. Und doch hat Chazelle sich diesen Traum – kompromisslos und groß – mit seinem dritten Langspiel-Film nach Guy and Madeline on a Park Bench und dem ebenfalls mehrfach ausgezeichneten Whiplash erfüllt. Der 32jährige Regisseur gehört damit für mich ähnlich wie der Kanadier Xavier Dolan (dessen Nachnamen Mia im Film sicher nicht ohne Grund trägt, schließlich heißt Sebastian ja auch Wilder) zur Riege junger Regisseure, die es schaffen, ihre Träume nicht nur auf die Leinwand, sondern direkt in die Herzen ihrer Zuschauer zu bringen. Ganz klar trifft der Satz, den Mia zu Sebastian sagt, zu 100 % auch auf La La Land selbst zu:

People love what other people are passionate about.

Liebeserklärung an den Film und an Los Angeles

Tanzend im Los Angeles-Stau (Szenenbild aus La La Land)

Tanzend im Los Angeles-Stau (Szenenbild aus La La Land)

Neben dieser melancholischen und tief berührenden Geschichte ist La La Land eine Verneigung vor dem Kino an sich. Referenzen an alle möglichen Filme (von Falling Down und Denn sie wissen nicht, was sie tun über Grease und Singin‘ in the Rain bis hin zu Jacques Demys Nouvelle Vague-Musical Les Parapluis de Cherbourg, das Chazelle am meisten beeinflusst hat) geben einem als Zuschauer das Gefühl, etwas altbekanntes und dennoch völlig Neues zu sehen. Chazelle knüpft an alte (teils sehr alte) Konventionen an und macht daraus etwas Neues und Einzigartiges. Er zeigt ein sehr modernes Bild des Strebens nach Glück in Los Angeles im nostalgischen Gewand einer Musical-Revue. Dadurch wird La La Land gleichzeitig gegenwärtig und zeitlos.

Außerdem ist La La Land eine Liebeserklärung an Los Angeles. Aus der City of Angels wird hier die City of Stars, was bei den Träumen von Ruhm und Erfolg natürlich absolut treffend ist. Hinzu kommt, dass man Los Angeles normalerweise in Filmen eher als Gegner erlebt. L.A. ist kalt, glatt, ernüchternd und die Menschen kommen dorthin, um sich von ihren Träumen zu verabschieden. Durch die Augen von Mia und Sebastian aber – wie durch die Augen von Verliebten eigentlich alles – wird Los Angeles plötzlich so wunderschön, warm, zart und liebenswert wie Paris.

La La Land: Ein Film wie kein anderer

Besondere Erwähnung verdient die Kameraführung durch Linus Sandgren, der natürlich ebenfalls für einen Oscar nominiert ist. Die Kamera schafft es, dass der Zuschauer sich als Teil des Geschehens fühlt. Dadurch wird man emotional natürlich noch stärker in den Film gesogen. In der eingangs erwähnten Stau-Szene wirbelt man beispielsweise mit den Tänzern um die wartenden Autos herum, auf den Hollywood-Partys springt man mit in den Pool, und während sich Mia und Sebastian auf ihrem nächtlichen Spaziergang einander nähern, ist die Kamera als dritter Tänzer immer ganz nah bei ihnen.

La La Land ist ein Film, der einen auf einer ganz anderen Ebene anspricht, als man das gewohnt ist. Über diesen Film denkt man nach dem Kinobesuch nicht nach, man fühlt ihn nach. Er ist bunt, emotional, laut, ehrlich und nimmt keinerlei Rücksicht auf die Erwartungen eines Hollywood-erzogenen Publikums. Und gerade das macht ihn aus meiner Sicht zu einem ganz besonderen Film. Denn schließlich lieben Menschen das, was andere Menschen mit Leidenschaft tun.

Habt ihr La La Land gesehen? Wie ist eure Meinung zu diesem polarisierenden Film?

Infos zum Film

La La Land
USA, 2016
128 Minuten
Filmverleih: Studiocanal
Regie: Damien Chazelle
Drehbuch: Damien Chazelle
mit Ryan Gosling, Emma Stone
FSK: frei ab 0

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