After Earth (M. Night Shyamalan)

Filmplakat "After Earth"

Filmplakat „After Earth“

1000 Jahre ist es her, dass die Menschheit die Erde aufgrund sich häufender Naturkatastrophen verlassen hat und den Planeten Nova Prime besiedelte. Doch auch dort drohen Gefahren: Eine außerirdische Spezies bekämpft die neuen Siedler mit einer eigens entwickelten Lebensform, den Ursas. Diese Kreaturen, so groß wie ein Elefant und so grässlich wie eine Spinne mit Scheren, sind zwar blind, verfügen jedoch über eine besondere Gabe. Sie riechen einen Menschen, sobald dieser Angst hat und entsprechende Pheromone ausströmt. Haben die Ursas einmal ihr Opfer aufgespürt, hat dieses keinerlei Überlebenschance.

Auch der 13-jährige Kitai Raige (Jaden Smith) hat bereits miterlebt, wie erbarmungslos die Ursas vernichten. Viele Jahre zuvor hatte er mit ansehen müssen, wie seine ältere Schwester (Zoë Kravitz) von einem Ursa getötet wurde, nachdem sie ihren Bruder vor den Angreifern versteckt hatte. Seitdem gibt Kitai sich die Schuld am Tod der Schwester, und die Tatsache, dass sein Vater, General Cypher (Will Smith), dies genauso sieht, macht die Sache nicht besser. Kitai versucht, Anerkennung und Zuneigung des Vaters durch besondere Leistungen in der Ranger-Ausbildung zu bekommen. Doch als sein Ausbilder ihm trotz bester Ergebnisse das Ranger-Abzeichen verweigert, zeigt sich Vater Cypher einmal mehr enttäuscht von Kitai.



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Vater-Sohn-Beziehung in After Earth

Kitais Mutter Faia (Sophie Okonedo) sieht, wie ihr Sohn unter der mangelnden Beachtung des Vaters leidet. Sie schlägt ihrem Mann vor, Kitai auf die nächste Trainingsmission mitzunehmen, damit sich beide wieder einander annähern können. Und so besteigen Vater und Sohn gemeinsam ein Raumschiff, dass neben der Crew zu Trainingszwecken auch einen gefährlichen Passagier an Bord hat: einen Ursa. General Cypher hat mit dem sogenannten Ghosting eine Methode entwickelt, für die Ursas unsichtbar zu bleiben, und nun will er diese Technik an andere weitergeben. Die Kunst besteht darin, sich vollkommen freizumachen von Angst und den Ursas somit keine Angriffsfläche mehr zu bieten.

Plötzlich gerät das Raumschiff in einen Asteroiden-Schauer und muss auf einem Planeten notgelandet werden. Das Schiff zerbricht dabei in mehrere Teile und die Crew kommt ums Leben. Als einzige Überlebende wollen Kitai und Vater Cypher so schnell wie möglich ein Notsignal absetzen, doch das entsprechende Gerät ist zerstört. Das Ersatz-Gerät liegt laut Cypher im Heck des Schiffs, doch dieses Wrackteil befindet sich circa 100 km weit entfernt in einem anderen Teil des Planeten. Das Wrackteil und damit den rettenden Peilsender zu bergen sollte dank der guten Ausrüstung von Cypher und Sohn kein Problem darstellen, gäbe es da nicht gleich zwei größere Hindenisse. Erstens: Cypher hat sich bei der Notlandung das Bein gebrochen und verliert immer mehr Blut. Zweitens: Der Planet, auf dem das Schiff notlanden musste, ist die Erde, auf der ein gefahrloses Überleben aufgrund unwirtlicher Atmosphäre und gefährlicher Tiere so gut wie unmöglich geworden ist. Zusätzlich quält Kitai die Frage nach dem Verbleib des Ursa, den das Schiff an Bord hatte. Vater Cypher hält es jedoch für relativ unwahrscheinlich, dass die Kreatur den Absturz überlebt hat. Doch Kitai beruhigt diese Einschätzung nicht.

 

Die Heldenreise beginnt

Cypher macht seinem Jungen ganz klar, dass sie beide sterben werden, wenn Kitai es nicht schafft, den zweiten Peilsender zu finden und das Notsignal abzusetzen. Mit dieser schweren Bürde macht sich Kitai auf die Suche, gelenkt wird er dabei von seinem Vater, der im Schiff zurückbleibt und Kitais Weg am Bildschirm mitverfolgt. Kitai wünscht sich nichts sehnlicher, als seinem Vater zu beweisen, dass er dessen Vertrauen verdient. Doch Kitais Angst vor Spinnen, eine Blutvergiftung durch einen Egel und die unvernünftige Reaktion auf eine Horde Affen lassen Cypher bald daran zweifeln, dass sein Sohn der Aufgabe gewachsen ist. Als plötzlich auch noch die Verbindung zwischen beiden abbricht, scheint alle Hoffnung zerstört.

 

Kritik zu After Earth

Die Idee, einen Vater-Sohn-Konflikt in ein Science Fiction Setting zu verorten, hat mir schon bei „Handbuch für Zeitreisende“ gefallen. Und so war ich gespannt darauf, wie Regisseur und (Mit-)Drehbuchautor M. Night Shyamalan („The Sixth Sense“, „The Village“, „Devil“) einen „fremden“ Planeten als Kulisse für die Entwicklungen der beiden Hauptfiguren einsetzen würde. Tatsächlich ist es gelungen, anhand beeindruckender Naturdarstellungen sowie einiger überraschender Schnitte, Kameraeinstellungen und Details eine passende Atmosphäre zu schaffen.

Leider bleibt der Film viel zu schnell hinter seinen Möglichkeiten. Bald ergeben sich erste Logiklücken, Zusammenhänge werden der Einfachheit halber nicht hergeleitet sondern als gegeben präsentiert, und unpassende Details in Kulisse und Ausstattung verhindern, dass beim Zuschauer ein glaubhaftes Gesamtbild entsteht. Obwohl die Story (Idee stammt von Will Smith selbst) gute Ideen und Ansätze enthält, wird sie nicht konsequent spannend bis zum Ende durcherzählt, ist mitunter vorhersehbar und liefert einen absolut enttäuschenden und viel zu schnell aufgelösten Höhepunkt. Optische Anleihen scheint es sowohl bei „Die Tribute von Panem“ (Überleben in einer Natur-Arena) als auch bei „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ (der Kampf mit der Spinne) zu geben. Das schwerwiegendste Problem ist jedoch, dass die größte Möglichkeit von After Earth – nämlich die Entwicklung des jungen und ängstlichen Kitai, der von seinem Vater nicht ernst genommen wird, hin zu einem Helden – im wahrsten Sinne des Wortes verspielt wird. Schauspieler Jaden Smith wirkt mit der Rolle schlichtweg überfordert, und schafft es weder, den Zuschauer für sich zu gewinnen, noch irgendeine Emotion glaubhaft darzustellen. In Szenen, in denen die Figur des Kitai größte Angst empfindet, kommt Jaden Smith über einen – pardon – trotteligen und planlosen Gesichtsausdruck einfach nicht hinaus.

 

After Earth – Fazit

Wer gute Grundideen zu würdigen weiß und meine Ansicht teilt, dass Science Fiction nicht immer „bombastisch“ und spiegelglatt sein muss wie z. B. in „Star Trek Into Darkness„, wird sich von After Earth sicher innerhalb der schnell verfliegenden 100 Minuten hier und da positiv überraschen lassen können. Wer jedoch Wert legt auf eine solide Story und glaubhafte Charakter-Darstellung durch gute Schauspieler, wird vermutlich enttäuscht sein.

Wer übrigens Lust auf eine sehr witzige und für den Film wenig schmeichelhafte Video-Rezension hat, schaue bei sexycripples.de rein.

Infos zum Film

After Earth
USA, 2013
100 Minuten
Filmverleih: Sony Pictures
Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: Gary Whitta,
M. Night Shyamalan,
Will Smith (Story)
mit Will Smith, Jaden Smith,
Sophie Okonedo, Zoë Kravitz
FSK: frei ab 12 Jahren

 

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2 Kommentare

  • Die kritische Würdigung ist zutreffend – vor allem, was die schauspielerische Leistung von Jaden Smith angeht. Vielleicht hätte die Rezensentin die Scientology-Debatte erwähnen können (und dafür bei der Inhaltsangabe etwas gekürzt). Ich hab' sie in meiner Rezension erwähnt und mangels eigener Kompetenz zum Thema auf ein paar Artikel im Netz verlinkt.

    Wer vertritt denn die Ansicht, Science-Fiction müsse immer bombastisch und spiegelglatt sein?

  • Hallo Volker, vielen Dank für deinen Kommentar. Die Scientology-Debatte war hier für mich persönlich einfach nebensächlich. Das Thema "Angst besiegen" hat Scientology ja nicht erfunden, sondern die meisten Menschen haben sich in ihrem Leben schon mal damit auseinander gesetzt und Wege ausprobiert. Für mich lag der Fokus in dem Film ohnehin auf der Vater-Sohn-Geschichte und bei den untergeordneten Themen bleibt ja auch eher der Oberbegriff "Angst in den Griff kriegen" hängen als die Frage, wie Cypher das im Film macht und ob diese recht wirr umschriebene Methode des Ghostings eine ist, die man mal ausprobieren sollte.

    Da ich finde, dass sich Science Fiction-Filme in 2 Hauptlager (mit unzähligen Mischformen) einteilen lassen, gehe ich entsprechend davon aus, dass es Fans des Genres gibt, die sich eben mehr für die technisch-innovative Seite (und damit für "spiegelglatte" Raumschiffe, "bombastische" Schlachten im All, neue Erfindungen etc.) interesseieren, und solche, die es mögen, wenn ein alltäglicher Konflikt durch das Science Fiction-Setting auf eine metaphorische Ebene gehoben und dort mal anders betrachtet wird (eben wie hier der Vater-Sohn-Konflikt oder auch der Umgang mit Schuld in "Another Earth"). Was meinst du?

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