Arrival (Denis Villeneuve)

Intelligenter und tiefgründiger Science Fiction-Film: 5.0 Stars

Filmplakat Arrival (Denis Villeneuve)

Filmplakat Arrival (Denis Villeneuve)

Sprache ist ein faszinierendes Instrument: Man kann mit ihr eine unbegrenzte Zahl an Informationen zusammensetzen, sich mit seinen Mitmenschen austauschen und über Generationen hinweg Wissen aufbewahren und weitergeben.

Um Sprache einzusetzen, muss man nicht mal sprechen. Man kann zeigen, mit den Augen rollen oder schreiben – und jeder, der im selben Kulturkreis sozialisiert wurde wie man selbst, wird verstehen, was gemeint ist.

Besonders faszinierend an der Sprache ist, dass sie unsere Sicht auf die Dinge formt. Es gibt einen Zweig der Kognitionswissenschaft, der sich mit dem Einfluss der Sprache auf die Wahrnehmung der Welt auseinandersetzt.

Mittlerweile weiß man, wie gravierend dieser ist. Angehörige einer Kultur, in deren Sprache es keine Worte für Farben, sondern nur die Unterscheidung in hell und dunkel gibt, können beispielsweise blau und grün nicht voneinander unterscheiden. Der US-amerikanische Linguist Edward Sepir formulierte daher schon in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts:

Was wir sehen, hören oder anderweitig erfahren, ist zum größten Teil so beschaffen wie es ist, weil die sprachlichen Gewohnheiten unserer Gemeinschaft bestimmte Interpretationswahlen prädisponieren.

Führt man diesen Gedanken fort, so bedeutet er, dass das Erlernen einer anderen, möglichst fremden Sprache, uns völlig neue Welten eröffnen kann.


 

Arrival: Die Ankunft einer außerirdischen Intelligenz

Angst vor Strahlung: Louise vor dem Einstieg ins Raumschiff (Szenenbild aus Arrival)

Angst vor Strahlung: Louise vor dem Einstieg ins Raumschiff (Szenenbild aus Arrival)

Louise Banks (Amy Adams) kennt sich aus mit Sprachen. Sie ist die Expertin, wenn es um Übersetzungen geht, und hat auch schon mal für den CIA eine Auftragsarbeit erledigt. Colonel Weber (Forest Whitaker) erinnert sich an sie, als er eine besonders schwierige Übersetzungsaufgabe hat.

Gleich zwölf muschelförmige Raumschiffe sind an verschiedenen Orten auf der Erde gelandet. Die Bevölkerung ist irgendwo zwischen beunruhigt und in Panik, auch ohne zu wissen, was Weber weiß: Die Raumschiffe haben Passagiere an Bord, die bereits auf erste Kommunikationsversuche reagiert haben. Leider versteht sie niemand.

Natürlich kann auch Louise die Aufzeichnung, die Weber ihr mitgebracht hat, nicht verstehen. Sie besteht darauf, mit den Außerirdischen in Kontakt zu treten, wenn sie an dem Projekt teilhaben soll. Auch, wenn Weber es widerstrebt, eine Zivilistin einzubinden, ist die Frage „Warum seid ihr hier?“ so dringend, dass er nicht riskieren will, die Antwort nicht zu verstehen.

Also darf Louise mit. Und nicht nur mit, sondern ganz nah dran, denn die Außerirdischen haben ihr Raumschiff nicht verlassen. Wer zu ihnen will, muss in das muschelförmige Gebilde.

Außerirdische Sprache = außerirdische Intelligenz?

Erster Kontaktversuch - Louise versucht es mit Schreiben (Szenenbild aus Arrival)

Erster Kontaktversuch – Louise versucht es mit Schreiben (Szenenbild aus Arrival)

Die erste Begegnung mit den Außerirdischen schockiert Louise und den ebenfalls anwesenden Physiker Ian (Jeremy Renner). Zwei Wesen leben in der Muschel hinter einer Glaswand. Sie sehen aus wie riesige Tintenfische. Heptopoden ist der Name, der für sie geprägt wird, denn sie haben sieben Tentakel. Leider geben sie nur Geräusche von sich, die Louise nicht einordnen kann.

Relativ schnell überlegt Louise, dass gesprochene Sprache nicht die einzige Möglichkeit der Kommunikation ist. Sie zeigt den Außerirdischen Texttafeln. Und die beiden Heptopoden reagieren: Wie es sich für tintenfischartige Wesen gehört, verspritzen sie hinter ihrer Glasscheibe eine dunkle Flüssigkeit, aus der sich Kreise mit unterschiedlichen Ausfransungen bilden. Offensichtlich hat Louise herausgefunden, wie die Wesen sprechen. Nun muss sie nur noch wissen, was.

Der Sprachunterricht dauert Weber allerdings viel zu lange. Besonders brenzlig wird die Situation, als parallel an anderen Standorten in der Welt ebenfalls Wissenschaftler die Botschaften der Außerirdischen entschlüsseln – und diese sich nicht unbedingt friedlich anhören.

Science Fiction zum Nachdenken

Eine andere Form der Sprache (Szenenbild aus Arrival)

Eine andere Form der Sprache (Szenenbild aus Arrival)

Arrival ist für mich ein in letzter Zeit selten gewordenes Highlight der Science Fiction-Filme: Eine durchdachte Story, die nicht für den Plot mit Löchern durchsiebt wird, Fragen, die die Menschheit betreffen und realistisch anmutende Außerirdische, vor allem in Bezug auf Motivation und technische Möglichkeiten.

Dabei gibt es zwei grundlegende Themen, die den Film prägen. Der eine, ist der Zusammenhang zwischen unserer Sprache und der Wahrnehmung unserer Welt, der andere, eng damit zusammenhängende, kann nicht verraten werden, ohne dass dies den Film verdirbt. Wie sehr der Film mit Symbolik durchzogen ist, merkt man dann auch erst hinterher, dann aber umso intensiver.

Wer die Villeneuve-Filme Prisoners oder Sicario gesehen und das Label „Science Fiction“ gelesen hat, wird vermutlich enttäuscht sein oder sogar – so gesehen bei unserem Kinobesuch – die Vorstellung verlassen. Wer sich Science Fiction aber anschaut, weil ihn Fragen zum Wesen des Menschen im Vergleich zu anderen möglichen Welten interessieren, wird vielleicht sogar einen neuen Lieblingsfilm finden.

Arrival basiert auf der Kurzgeschichte Geschichte deines Lebens von Ted Chiang, die aus der Sicht von Louise geschrieben ist und noch stärker auf ihre persönliche Geschichte eingeht als der Film. Auch die Kurzgeschichte ist absolut lesenswert. Sie ist in der Sammlung Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes erschienen.

Infos zum Film

Arrival
USA, 2016

117 Minuten
Filmverleih: Sony Pictures
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Eric Heissener
mit Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker
FSK: frei ab 12

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