Donnie Darko (Richard Kelly)

Filmplakat "Donnie Darko"

Filmplakat „Donnie Darko“

Auf den ersten Blick ist Donnie Darko (Jake Gyllenhaal) ein ganz normaler Teenager in den 1980ern. Seine Gedanken kreisen hauptsächlich um Sex, die Schule ist notwendiges Übel, die Beziehung zu den Eltern wird täglich neu abgesteckt und mit der älteren Schwester (Maggie Gyllenhaal) gibt’s schon mal Meinungsverschiedenheiten. Doch die Eltern machen sich Sorgen um Donnie – er ist psychisch labil und in psychologischer Behandlung, die einerseits aus Gesprächs- andererseits aus medikamentöser Therapie besteht. Außerdem verschwindet er nachts schon mal aus dem Haus und wacht irgendwo draußen auf, wobei er sich das selbst nicht erklären kann – es ihm aber auch egal ist.

In der Nacht zum 3. Oktober 1988 ändert sich für Donnie Darko – und für die Menschen in seinem Umfeld – alles grundlegend. Kurz vor Mitternacht hat Donnie eine Vision: Ein Mann in einem riesigen Hasenkostüm (das alles andere als niedlich ist) steht neben seinem Bett und weckt Donnie. Dieser wacht gerade genug auf, dass er dem Mann – Frank – folgen kann, als dieser ihn aus dem Haus und zum nahe gelegenen Golfplatz führt. Dort angekommen kündigt Frank an, dass die Welt untergehen wird, und zwar in genau 28 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten und 12 Sekunden.

Donnie: „Wieso hast du dieses blöde Hasenkostüm an?“
Frank: „Wieso hast du dieses blöde Menschenkostüm an?“


Undurchsichtige Motive, mysteriöse Mitmenschen

Während Donnie auf dem Golfplatz Gespräche mit fremden Hasen führt, schläft seine Familie und ahnt nicht, dass der Sohn wieder mal woanders unterwegs ist. Doch wie sich herausstellt ist es Donnies Glück, dass Frank ihn aus dem Haus gelockt hat, denn eine Flugzeugturbine fällt vom Himmel, schlägt ins Haus der Darkos ein und zertrümmert Donnies Bett, in dem er wohl gelegen hätte, wenn er die Nacht nicht auf dem Golfplatz verbracht hätte. Als er dort am nächsten Morgen aufwacht, hat er die Dauer bis zum von Frank angekündigten Weltuntergang auf seinem Unterarm notiert.

Donnies Familie ist verständlicherweise überglücklich, als er zum Haus zurückkehrt, aus dem die Turbine gerade geborgen wird. Doch für Donnie ist die Geschichte damit noch lange nicht erledigt.

Frank taucht auch weiterhin nachts bei ihm auf. Ob der Mann im Hasenkostüm es gut mit Donnie meint, ist dabei nie ganz klar, schließlich hat er durchaus etwas Bedrohliches. Dennoch kann Donnie gar nicht anders als die Anweisungen, die Frank ihm gibt, zu befolgen. Die erste davon lautet, nachts in die Schule einzubrechen und ein Rohr zu zertrümmern. Als Folge davon bleibt die Schule am nächsten Tag geschlossen. Donnie trifft an der Bushaltestelle seine neue Mitschülerin Gretchen Ross (Jena Malone), die von ein paar Schul-Rowdys bedroht wird, so dass sie Donnie bittet, sie nach Hause zu begleiten. Dadurch kommen die beiden sich näher, stellen Gemeinsamkeiten fest und werden schließlich sogar ein Paar – wieder eine Wendung in Donnies Leben, die allein auf Franks Eingreifen zurückzuführen ist.

Gretchen: „Meine Mom musste sich vor Gericht gegen meinen Stiefvater durchsetzen. Er hat psychische Probleme.“
Donnie: „Oh, die hab ich auch!“

Diskussion über Schullektüre: Donnie Darko mit seiner Lehrerin (Szenenbild aus "Donnie Darko"

Diskussion über Schullektüre: Donnie Darko mit seiner Lehrerin – Szenenbild aus „Donnie Darko“

Doch Donnies nächtliche Aktion hat noch eine weitere Folge: Da die Englisch-Lehrerin Karen Pomeroy (Drew Barrymore, die „Donnie Darko“ auch produzierte) mit ihren Schülern zuvor die Kurzgeschichte „The Destructors“ von Graham Greene besprochen hatte, in der ein Haus mutwillig auf genau die Weise zerstört wurde wie die Schule durch Donnie Darko, gerät sie in die Kritik durch Eltern und Lehrer. Ihre erbittertste Gegnerin ist Kollegin Kitty Farmer, deren Unterricht darin besteht, dass sie den Schülern Selbstverbesserungs-Videos von Lokal-Guru Jim Cunningham (Patrick Swayze) vorspielt – mit dem Donnie sich später auch noch anlegt.

Aber zunächst gibt ihm Frank einen weiteren wichtigen Impuls: Er fragt Donnie, ob dieser an Zeitreisen glaubt. Da sich Donnie darüber noch nie Gedanken gemacht hat, beginnt er zu recherchieren und stößt dabei auf das Buch „The Philosophy of Time Travel“, das ebenfalls von einer Ortsansässigen, der sehr alten, als verrückt geltenden Roberta Sparrow, geschrieben wurde und das sich als wichtiger Schlüssel für die Fragen entpuppt, die das Leben für Donnie Darko und der Film für den Zuschauer bereit hält.

 

Film mit mehr Fragen als Antworten

„Donnie Darko“ ist ein innovativer und ungewöhnlicher Science Fiction-Film, der seine Zuschauer bis zum Schluss mit vielen Fragen allein lässt. Zum Glück gibt es etliche Internet-Seiten mit Hintergrund-Informationen, auf denen man auch die Deutung des Regisseurs Richard Kelly nachlesen kann. Das sollte man allerdings erst tun, nachdem man den Film (mindestens) einmal selbst gesehen hat – man bringt sich sonst um das Erlebnis, herausfinden zu wollen, was eigentlich mit Donnie Darko los ist.

2004 erschien der Director’s Cut, der noch mehr Hinweise auf Richard Kellys Interpretation der Ereignisse enthielt. Außerdem wurde der Soundtrack um einige Titel erweitert, die in der ursprünglichen Variante nicht enthalten waren, weil sie das Produktionsbudget gesprengt hätten. Auch ohne die zusätzlichen Titel ist der Soundtrack erwähnenswert und schafft es, 1980er-Jahre-Stimmung und Melancholie miteinander zu verbinden. Allein die mittlerweile sehr bekannte Klavierfassung von Tears for Fears‘ „Mad World“ (gesungen von Gary Jules) lohnt es, den Film bis zur Endsequenz zu sehen.

Ähnlich wie die Verfilmung von „Fight Club“ ist auch „Donnie Darko“ im Kino nicht besonders gut angekommen, hat aber später, nach dem DVD-Release, Kultstatus entwickelt. Bei „Donnie Darko“ lag das schlechte Ergebnis in den Kinos möglicherweise daran, dass der Kinostart Ende 2001 stattfand und viele Kinobetreiber den Film gar nicht zeigen wollten, weil ein abstürzendes Flugzeug darin eine wichtige Rolle spielt – etwas, das 2001 zu starke Assoziationen an den 11. September hervorrief.

Dennoch ist „Donnie Darko“ von der Kritik fast durchgängig positiv aufgenommen worden. Der Film gewann unter anderem den „Silver Scream Award“ beim Fantastic Film Festival von Amsterdam und war für den Großen Preis der Jury beim Sundance Film Festival nominiert.

Mittlerweile ist eine Fortsetzung mit dem Titel „S. Darko“ unter der Regie von Chris Fischer erschienen, die sich mit Samantha Darko, Donnies jüngerer Schwester, beschäftigt.

Infos zum Film

Donnie Darko
USA, 2001
113 Minuten
Filmverleih: Pandora Filmverleih
Regie: Richard Kelly
Drehbuch: Richard Kelly
mit Jake Gyllenhaal,
Maggie Gyllenhaal, Jena Malone,
Drew Barrymore, Patrick Swayze
FSK: frei ab 16

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