Elysium (Neill Blomkamp)

Filmplakat "Elysium"

Filmplakat „Elysium“

Was macht ein schlauer Mensch, wenn er sein Zuhause komplett heruntergewirtschaftet hat? Richtig, er sucht sich was Neues. Im Jahr 2154 hat der schlaue – und reiche – Teil der Menschheit die überbevölkerte Erde hinter sich gelassen, um auf der Raumstation Elysium ein neues, sorgenfreies und vor allem langes Leben zu führen. Der technische Fortschritt auf Elysium ermöglicht die Heilung sämtlicher Krankheiten und die Umkehr des Alterungsprozesses: 3 Minuten auf der Medi-Bank und man ist wieder topfit. Da die Raumstation selbst über keinerlei natürliche Ressourcen verfügt, sind die Bürger Elysiums dann doch auf ihre Erdennachbarn angewiesen, um sich Villen, Cocktails und permanente Pool-Partys leisten zu können. Zu diesem Zweck ist die gesamte Menschheit quasi versklavt, wird von Androiden kontrolliert und drangsaliert und von einigen wenigen Elysianern, die mit Privat-Shuttles zwischen Erde und Elysium pendeln, überwacht.

Einer dieser „Pendler“ ist John Carlyle (William Fichtner), in dessen Fabrik Max (Matt Damon) einen Job gefunden hat. Max versucht, seine Zeit als Autodieb hinter sich zu lassen und seine Bewährung möglichst gut zu überstehen, und so hilft er in Carlyles Fabrik dabei, die Androiden zu bauen, die die Menschen auf der Erde in Schach halten. Um es sich mit niemandem zu verscherzen, klettert Max sogar auf Befehl seines Vorarbeiters in einen Container, der eigentlich abgeriegelt sein sollte, und wird so radioaktiv verstrahlt. Die Diagnose, die ihm ein freundlicher Android gemeinsam mit einer Packung Tabletten überreicht: Fünf Tage kann Max noch halbwegs vernünftig leben, danach werden seine Organe aussetzen und er wird sterben.


Letzte Hoffnung Elysium

Für Max ist klar, dass ihn nur noch ein Ausflug nach Elysium retten kann. Und zum Glück gibt es Spider (Wagner Moura), der gegen eine horrende Gebühr illegale Tickets nach Elysium verkauft, natürlich ohne jegliche Gewähr, vor Ort auch Fuß fassen zu können. Üblicherweise werden die illegalen Einwanderer sofort zurückgeschickt oder gleich erschossen; nur einige wenige schaffen es während ihres kurzen Aufenthalts auf Elysium auf eine Medi-Bank, doch das reicht ihnen schon. Max würde das auch reichen, doch Spider will ihn nur mitnehmen, wenn Max für ihn vorher einen gefährlichen Auftrag ausführt: Er soll einen Bürger Elysiums kidnappen und sich seine Gehirndaten ins eigene Gehirn überspielen lassen. Spiders Hoffnung ist, dass er mit diesen Daten Zugang zu Bankkonten oder vielleicht sogar geheimen Informationen hat, die sein Geschäft stützen könnten.

Perfekt ausgestattet: Max ist nach seiner OP selbst ein halber Android (Szenenbild aus "Elysium")

Perfekt ausgestattet: Max ist nach seiner OP selbst ein halber Android (Szenenbild aus „Elysium“)

Max willigt ein, schließlich hat er nichts zu verlieren. Um ihn für den Auftrag fit zu machen, muss er jedoch zunächst unters Messer. Gehirndaten überspielen ist nicht so einfach, dafür muss man Max einen speziellen Computer implantieren. Und wo man schon dabei ist, lässt Spider Max auch gleich ein paar Androiden-Gerätschaften anoperieren, die er noch rumliegen hatte und die Max zu einer halben Kampfmaschine machen. Da das Ganze sehr schnell gehen muss, hat offenbar niemand Zeit, Max das T-Shirt vor der Operation auszuziehen, so dass man ihm seinen neuen Super-Panzer einfach durch die Kleidung hindurch an den Körper schraubt. So ausgestattet muss er zwar für den Rest des Films in derselben Kleidung herumlaufen, aber einer erfolgreichen Mission kann ansonsten  nichts mehr im Wege stehen.

Ein geeigneter Kandidat für die Entführung ist auch schnell gefunden: Max‘ ehemaliger Chef Carlyle ist das perfekte Ziel, denn schließlich wissen Spider, Max und ihre Freunde, wo man Carlyle finden kann und wie an ihn heranzukommen ist. Was sie nicht wissen und was sich zum echten Problem entwickelt, ist, dass Carlyle auch der Urheber der Software ist, die in Elysium alles von der Stromversorgung bis zur Politik regelt. Das versetzt ihn in die attraktive Position, Elysiums Geschichte umschreiben zu können.

Verteidigungsministerin Delacourt sieht sich als neue Präsidentin von Elysium (Szenenbiild aus "Elysium")

Verteidigungsministerin Delacourt sieht sich als neue Präsidentin von Elysium (Szenenbild aus „Elysium“)

Die ehrgeizige und machtbesessene Verteidigungsministerin Delacourt (Jodie Foster), deren Aufgabe es nicht etwa ist, feindliche Angriffe abzuwehren, sondern die Elysium ausschließlich gegen illegale Einwanderer verteidigt, sorgt sich um die ihrer Meinung nach zu liberale Einstellung des Präsidenten. Dieser ist nicht begeistert, als Delacourt illegale Shuttles einfach durch den auf der Erde stationierten Schläfer Kruger (Sharlto Copley, der in Neill Blomkamps Debüt-Film „District 9“ die Hauptrolle spielte) zerstören und die komplette Besatzung damit töten lässt. Doch Delacourt weiß eine Lösung: Carlyle kann einen Neustart der Elysium-Software vornehmen und sie als neuen Präsidenten ins Programm übernehmen – ein Computer-Putsch sozusagen, bei dem die Ministerin sich nicht mal die Hände schmutzig machen muss. Da Carlyles Fabrik gerade nicht so gut läuft, ist er auch empfänglich für alternative Ideen, sein Auskommen zu sichern. Er erklärt sich einverstanden, Delacourt zur neuen Präsidentin zu programmieren, um seine Fabrik zu retten. Im Gegenzug darf er Elysium 200 Jahre lang weiter mit Waffen und Androiden beliefern, was natürlich ein so verlockendes Angebot ist, dass er gar nicht erst auf den Gedanken kommt, sich selbst als Präsidenten ins System zu schreiben.

Für Max und Spider bedeutet dies, dass sie es nicht nur mit Carlyle, sondern mit einer weitaus mächtigeren Gegnerin zu tun haben, die alles daran setzt, dass die Information, die Carlyle besitzt, nicht in die falschen Hände gerät.

Parallelen zum Vorgänger „District 9“

Da kann er sein T-Shirt noch an- und ausziehen: Max vor seiner Operation (Szenenbild aus "Elysium")

Da kann er sein T-Shirt noch an- und ausziehen: Max vor seiner Operation (Szenenbild aus „Elysium“)

„Elysium“ ist der zweite Langspielfilm von Regisseur Neill Blomkamp, der mit seinem Debütfilm „District 9“ trotz unbekannter Schauspieler und relativ geringem Budget einen Überraschungserfolg landete und für vier Oscars nominiert wurde. Die Idee hinter „Elysium“ ist ähnlich gut wie die hinter „District 9“, was einen nicht wundert, denn über lange Strecken hat man den Eindruck, denselben Film ein zweites Mal zu sehen. Vor allem die Bilder der Slums, in denen die Menschen auf der Erde leben, erinnern stark an Blomkamps Erstling, in dem Außerirdische auf der Erde landen und von den Menschen in ein Ghetto gepfercht werden.

Dieselbe Geschichte, die mit „District 9“ erzählt wurde, zieht sich auch durch Elysium, und es scheint, dass Blomkamp sie jetzt, wo ihm dank Jodie Foster und Matt Damon mehr Zuschauer sicher sind, noch mal einem größeren Publikum zeigen wollte. Das ist natürlich absolut verständlich. Schade dabei ist nur, dass „District 9“ an vielen Stellen mutiger als „Elysium“ ist. Die Unterschiede in der Story zwischen den beiden Filmen liegen vor allem darin, dass „Elysium“ deutlich Hollywood-tauglicher ist. Das fängt schon bei der Sprache an – in „Elysium“ wird deutlich weniger geflucht als in „District 9“ -, tritt aber vor allem bei der Auswahl der Protagonisten besonders hervor. Die Außerirdischen, die in „District 9“ ausgegrenzt wurden, waren unsympathische, hässliche Kreaturen, denen aber dennoch – das war eine Aussage des Films – ein Recht auf Selbstbestimmung und freie Entfaltung zustand. In „Elysium“ sind die Unterdrückten Menschen. Nette, arme Menschen. Mit ihnen zu sympathisieren, fällt nicht schwer. Eine so althergebrachte Arm gegen Reich / Machtlos gegen Mächtig / Gut gegen Böse-Konstellation ist fürs Publikum leicht verdaulich, weil gewohnt, macht diesen Science Fiction-Film aber auch ein Stück weit beliebig.

Schöne Aussicht: Elysium und die Erde (Szenenbild aus "Elysium")

Schöne Aussicht: Elysium und die Erde (Szenenbild aus „Elysium“)

Darüber hinaus spielt der Zufall in „Elysium“ eine etwas zu große Rolle. Dass ausgerechnet Max‘ Chef die Software für Elysium programmiert hat, ist nur einer von vielen Zufällen, ohne die die Geschichte nicht funktioniert. Und auch wenn es action-seitig teilweise hoch her geht, Explosionen, Schießereien und Schlägereien einander munter ablösen, bleibt „Elysium“ über weite Strecken langatmig. Der ganze Erzählstrang über Max‘ alte Jugendfreundin, die er zufällig (da ist es wieder) nach Jahren der unerklärt bleibenden Abwesenheit im Krankenhaus wiedertrifft und deren Tochter an Leukämie erkrankt ist und ebenfalls nach Elysium muss, ist meiner Meinung nach für die Handlung so unerheblich, dass man ihn genau so gut hätte weglassen können.

Trotz der genannten Kritikpunkte ist „Elysium“ kein wirklich schlechter Film. Die Aufnahmen sowohl der heruntergekommenen Erde als auch von Elysium sind fantastisch, Jodie Foster mal in einer „bösen“ Rolle zu sehen, macht wirklich Spaß und die Logiklöcher halten sich im Vergleich zu anderen Science Fiction-Filmen des letzten Jahres (wie z. B. Oblivion oder Looper) in Grenzen. Blomkamps Idee, die Folgen der Ungleichverteilung von Macht und Ressourcen in ein Science Fiction-Umfeld zu packen und sie mit bekannten Bildern von Slums aus der Gegenwart zu hinterlegen, ist gut, zeigt sie doch das, was wirklich gute Science Fiction macht: Unsere gegenwärtige Realität gerade so weit verfremden, dass man sie noch erkennen kann, und damit das Jetzt und seine Folgen im Morgen zu zeigen. Allerdings hat Blomkamp diese gute Idee vier Jahre früher schon mal besser umgesetzt.

Infos zum Film

Elysium
USA, 2013
109 Minuten
Filmverleih: Sony Pictures
Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp
mit Matt Damon, Jodie Foster,
William Fichtner, Sharlto Copley
FSK: frei ab 16

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2 Kommentare

  • yep, agree, nach dem genialen District 9 war ich von Elysium eher enttäuscht. Ich hatte so gebetet, dass Blomkamp nicht einer dieser Regisseure ist, die "immer wieder den selben Film drehen" … was würdest Du dem Film auf einer Skala von 1 bis 10 geben? Für mich: 9 von 10 für District9 und gerade mal 5 von 10 für Elysium.

    Ihr schreibt immer sehr coole Reviews, aber ich würde mir ja noch eine Art Endbewertung wünschen… so als groben Richtungsweiser 🙂

  • Hallo Thilo,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Ich war auch enttäuscht, vor allem im Vergleich zu District 9, der für mich auch 8-9 von 10 bekommen würde, Elysium dagegen eher 4 von 10. Ein Punkt Abzug allein wegen der T-Shirt-Geschichte und der einen sehr lustigen Zeile Programmcode gegen Ende des Films.

    Dein Vorschlag mit der Bewertung ist super, wir werden schauen, wie wir ihn schnellstmöglich umsetzen können :).

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