Ender’s Game – Das große Spiel (Gavin Hood)

Filmplakat "Ender's Game"

Filmplakat „Ender’s Game“

Die Prioritäten sind klar. Da die Erde seit 50 Jahren in Angst vor der Rückkehr der Formics – außerirdischer Invasoren, die ihrem Aussehen nach stark an riesige Ameisen erinnern – lebt, gibt es für alle Menschen nur ein wichtiges Ziel im Leben: den Schutz des Heimatplaneten. Zu diesem Zweck werden bereits die jüngsten Kinder auf ihre Eignung zum Militärdienst überprüft und das gesamte Schulsystem ist darauf ausgerichtet, einen möglichen Commander zu finden, der den Kampf gegen die Formics aufnehmen kann. Nur auf Grund dieser klaren Prioritäten gibt es Andrew „Ender“ Wiggin (Asa Butterfield) überhaupt. Eigentlich wäre es seinen Eltern nicht erlaubt gewesen, ein drittes Kind zu haben, doch die Tatsache, dass sowohl Enders Bruder Peter als auch seine Schwester Valentine (Abigail Breslin) nur knapp die Aufnahme in die Kampfschule verpasst haben, brachte den Wiggins die ungewöhnliche Genehmigung ein, ein weiteres Kind zu haben. Und die Rechnung scheint aufzugehen: Ender, mittlerweile 12 Jahre alt, zeichnet sich durch Intelligenz, Kraft und strategisches Handeln aus. Das weiß Colonel Hyrum Graff (Harrison Ford) genau, denn schließlich beobachtet er Ender seit langem über einen bei dem Jungen im Nacken implantierten Monitor. Doch wo Talent ist, ist der Neid nicht fern, und so hilft der Monitor nicht nur dem Militär bei der Einschätzung von Enders Fähigkeiten, sondern schützt ihn auch vor den Angriffen der Mitschüler, die er mit Leichtigkeit in jedem Spiel besiegt. Diesen Wirkung des Monitors bekommt Ender zu spüren, als er ihm unverhofft abgenommen wird – was im Grunde gleichbedeutend mit einem Ausscheiden aus der militärischen Laufbahn ist. Sofort nutzen seine Mitschüler die Chance, den verhassten Liebling der Autoritätspersonen anzugreifen. Ender wehrt sich, sogar heftiger als nötig, doch gerade diese Gewaltbereitschaft ist es, die Graff am Ende überzeugt, dass Ender für die Kampfschule geeignet ist – schließlich sucht man keinen Schäfer, sondern einen Kommandanten.


 

Ender’s Game bereitet auf den Kampf vor

In der Schule, einer Raumstation, die um die Erde kreist, erwartet Ender eine ähnliche Situation wie zu Hause: Graff nutzt die erste Gelegenheit, Ender vor den anderen herauszustellen und ihn damit zu isolieren. Auf Freunde muss der Junge nicht hoffen, doch es wird ohnehin gleich zu Beginn klargestellt, dass die Mitschüler keine Freunde, sondern Rivalen sind. Ender tut das, was er am besten kann: Er lernt, schaut sich um und stellt auch mal die Ranghöheren in Frage. Seine natürliche Neugier und der Spaß am Experimentieren – beispielsweise in der Schwerelosigkeit des Kampfraums – sorgen dafür, dass Ender in der Kampfschule ebenfalls schnell aufsteigt. Nach nur kurzer Zeit wird er von den Frischlingen zu den „Salamandern“ befördert, einer Gruppe älterer Jugendlicher, die bereits an den schulinternen Kämpfen teilnimmt. Salamander-Anführer Bonzo ist nicht gerade erfreut, dass man ihm einen so unerfahrenen Jungen aufs Auge drückt, und damit er nicht in seinen Spiel-Rankings nach hinten fällt, schließt er Ender von vorneherein aus. Damit nimmt er dem Jungen gleichzeitig jede Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln. Doch in Petra (Hailee Steinfeld, bekannt aus „True Grit“) findet Ender unerwartet eine Freundin und Trainerin, die sich nicht durch Bonzo davon abhalten lässt, Ender aufs Kämpfen vorzubereiten. Je weiter der Junge auf seiner Laufbahn in der Schule voranschreitet, desto wichtiger werden ihm die wenigen Freunde, die er durch seinen Mut und seine Intelligenz gewinnt.

Vor dem Kampf - Szenenbild aus "Ender's Game"

Vor dem Kampf – Szenenbild aus „Ender’s Game“

„Ender’s Game“, die Verfilmung des Romans „Enders Spiel“ von Orson Scott Card, zeichnet ein absolut realistisches Bild einer Gesellschaft, die ihr gesamtes Leben und ihre Entwicklung hinter die Abwehr einer nicht mal besonders greifbaren Bedrohung zurückstellt. Die Formics haben sich seit dem letzten Angriff vor 50 Jahren nicht mehr blicken lassen, und ob sie überhaupt noch kämpferische Absichten hegen, stellt einzig Ender in Frage.

Gleichzeitig begleitet der Film Ender auf seinem Weg durch die Militärschule, wo er gezielt durch Isolation und Drill auf seine Rolle als militärische Führungspersönlichkeit vorbereitet wird. Dabei interessieren seine Gefühle maximal Major Gwen Anderson (Viola Davis), die Enders Entwicklung im sogenannten Mind Game – einem Computer-Spiel, das sich in Enders Gedanken einklinkt und daraus eine Spiel-Welt erschafft, besorgt beobachtet, aber viel zu spät daran denkt, vielleicht eingreifen zu können. Besonders bedrückend ist darüber hinaus das Verhalten von Colonel Graff, der in Ender nur ein „Ausbildungsobjekt“ sieht, an dem er Aktion und Reaktion testen kann und das voll und ganz dem Ziel – der endgültigen Vernichtung der Formics – unterstellt ist.

Schwerelos... Szenenbild aus "Ender's Game"

Schwerelos… – Szenenbild aus „Ender’s Game“

Von der packenden Story abgesehen ist „Ender’s Game“ außerdem ein wirklich gut gemachter Science Fiction-Film, der alles hat, was man sich wünscht: eine Raumstation, Weltraumaufnahmen, Laser-Waffen, Raumschiffschlachten, coole Technik und sogar Schwerelosigkeit. Im Gegensatz zu einigen anderen Science Fiction-Produktionen dieses Jahres – zum Beispiel Oblivion oder Elysium -, die Logik offensichtlich als für das Genre irrelevant betrachten, hat „Ender’s Game“ mich durch und durch positiv überrascht. Fans der Romanvorlage sei versichert, dass der Film die Geschichte sehr gut und genau umgesetzt hat, wenn auch nicht jeder einzelne Kampf in der Militärschule gezeigt wurde, was einerseits schade ist, weil die strategischen Entscheidungen Enders einen besonderen Reiz des Buchs ausmachen, andererseits aber auch absolut verständlich ist und den Film auch nicht beeinträchtigt. Vielleicht liegt dies daran, dass Autor Orson Scott Card selbst an der Produktion des Films beteiligt war.

Ender wird rekrutiert - Szenenbild aus "Ender's Game"

Ender wird rekrutiert – Szenenbild aus „Ender’s Game“

Der wichtigste Unterschied zum Roman besteht wohl in Enders Alter, denn in „Ender’s Game“ ist Andrew Wiggin doppelt so alt wie der sechsjährige „Original-Ender“. Auch dies kann ich jedoch nachvollziehen, da Kinder, die für den Krieg vorbereitet werden, noch schockierender sind als auf Kampf gedrillte Jugendliche – und das breite Kinopublikum wahrscheinlich abgeschreckt hätten. Die Umbenennung der „Buggers“ in „Formics“ zeugt dagegen wohl vom Wunsch nach Originalität und Abgrenzung, Alien-Bugs gibt’s schließlich schon in „Starship Troopers“.

Wer den Film sehen möchte – und das kann ich zu 100% empfehlen – kann dies schon bald tun: „Ender’s Game“ startet am 24. Oktober in den Kinos.

Infos zum Film

Ender’s Game – Das große Spiel
(Ender’s Game)

USA, 2013
123 Minuten
Filmverleih: Constantin Film
Regie: Gavin Hood
Drehbuch: Gavin Hood
mit Harrison Ford, Asa Butterfield,
Hailee Steinfeld, Viola Davis,
Abigail Breslin, Ben Kingsley
FSK: frei ab 12

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