Inception (Christopher Nolan)

Kretisches LabyrinthEin Mann erwacht aus einem Traum, doch ist er wirklich wach? Ist das wirklich sein Teppich, auf dem er da liegt, oder ist der Teppich nur eine Projektion in einem weiteren Traum? Wieviele Träume im Traum sind überhaupt möglich? Und wieviele Traumebenen müssen wir hinunter steigen, bis wir in unser tiefstes Unterbewusstsein eindringen und sehen, was unser alltägliches Handeln eigentlich beeinflusst?

 

Inception – ein Gedanke wird eingepflanzt

Dominick „Dom“ Cobb (Leonardo DiCaprio) hat eine Gruppe um sich versammelt, die für ihre Auftraggeber Leute in Schlaf versetzt und in eine Traumwelt entführt, die sie manipulieren, um das Opfer zu bestimmten Handlungen zu treiben, wie z.B. zur Herausgabe geheimer Informationen aus dem Unterbewusstsein der Person. Das Gute: In dieser Traumwelt kann das Opfer sogar ohne weitere Konsequenzen mit Mord bedroht werden, denn wenn man im Traum stirbt, passiert dem Körper nichts, man erwacht lediglich aus dem Traum. Die Technik basiert auf Traum-Sharing, welches ursprünglich vom Militär zu Übungszwecken entwickelt worden war.


Eines Tages hat Dom es mit einem Opfer, Saito (Ken Watanabe), zu tun, das den Schwindel durchschaut, so dass der Auftrag misslingt. Saito ist jedoch grundsätzlich von der Arbeit von Dom und dessen Team angetan, so dass er ihn seinerseits mit einem komplizierten Auftrag betraut: Der größte Konkurrent von Saitos Konzern droht, ein Energieversorgungs-Weltmonopol zu erschaffen. Der Inhaber dieser Firma liegt jedoch auf dem Sterbebett, so dass bald dessen Sohn Robert Fischer Jr. (Cillian Murphy) das Erbe antreten wird. Saito beauftragt nun Dom, den Firmenerben dazu zu bringen, den Konzern aufzuspalten und so das Monopol zu verhindern. Dom weiß auch schon, wie er das anstellen kann: mit einer „Inception“ (engl. Einpflanzen, Beginn). Bei dieser Technik dringt man über mehrere Traumebenen hinweg ganz tief ins Unterbewusstsein der Zielperson ein. Dort pflanzt man der Person für sie unbemerkt einen Gedanken ein, welcher sie nach dem Aufwachen dazu bringen soll, eine gewünschte Handlung auszuführen. Das Perfide daran: Dadurch, dass der auslösende Gedanke im Unterbewusstsein des Opfers sitzt, ist dieses davon überzeugt, dass es sich dabei um die eigene Meinung bzw. Motivation handelt.
Was den Auftrag für Dom so attraktiv macht: Saito ist derart mächtig und einflussreich, dass er Dom nach erfolgreicher Ausführung unbehelligt zurück in dessen Heimat, die USA, bringen wird. Dom war die Einreise und somit das Wiedersehen seiner Kinder bislang nicht möglich, weil er in den USA wegen Mordes an seiner Frau Mal (Marion Cotillard) angeklagt war. Dom stellt also gemeinsam mit seinem Partner Arthur (Joseph Gordon-Levitt) ein neues Team zusammen und erarbeitet eine Strategie, wie sie Robert Fischer Jr. zur gewünschten Handlung bringen können. Die Operation soll über drei hintereinander geschaltete Traumebenen stattfinden, auf die sich das gesamte Team einschließlich dem Opfer während eines zehnstündigen Fluges begibt. Womit Dom und sein Team jedoch nicht gerechnet haben: Robert Fischer Jr. hatte sich in der Vergangenheit darin trainieren lassen, solchen Inception-Angriffen standzuhalten. Dies führt dazu, dass während der Operation zahlreiche von Fischer in den Traum projizierte Bodyguards das Team immer wieder angreifen und den Plan bedrohen. Außerdem taucht auch Mal, Doms tote Frau, immer wieder auf, und versucht, Dom dazu zu bringen, mit ihr in der Traumwelt zu bleiben.

 

Abbild des Unterbewussten in Inception

Regisseur Christopher Nolan zeichnet in Inception ein deutliches und eindrucksvolles Bild davon, wie es in solch einem Unterbewusstsein aussehen kann, welche dunklen Geheimnisse dort aufbewahrt sind und wie es sein muss, darin gefangen zu sein. Um dem Zuschauer all dies glaubhaft zu machen, bedient sich Nolan des Konzepts des Träumens und führt einige Dinge an, die man tatsächlich aus eigenen Träumen kennt, wie z.B.:

  • man weiß in einem Traum nie, wie man an den Ort gelangt ist, an dem die Traumhandlung stattfindet
  • Zeit wird im Traum anders wahrgenommen als in der Realität
  • man begegnet im Traum einem Menschen und weiß genau, um welche Person es sich dabei handelt, auch wenn diese ganz anders aussieht
  • Geräusche aus der Realität baut man logisch in seinen Traum ein

Wirkung des Films

Bei der Reise des Teams über die verschiedenen Traumebenen verliert man beim Zuschauen schon mal den Überblick, um welche Stufe es sich gerade handelt bzw. welche Handlungsebene der Realität entspricht. Ich gehe davon aus, dass dieser Effekt von Christopher Nolan gewollt ist, denn nur so macht ein offenes Ende, wie er es gewählt hat, wirklich Spaß. Während die eine Hälfte der Zuschauer schwören wird, dass der Kreisel am Ende umfällt, wird die andere Hälfte sicher sein, dass er sich ewig weiterdreht. Was dies zu bedeuten hat, wird hier natürlich nicht verraten.

Davon abgesehen, dass es sich beim Stoff des Films um Science Fiction handelt, bei der eine neue Technik und deren Anwendung im Vordergrund stehen, beinhaltet Inception auch eine Liebesgeschichte. Darin geht es um Themen wie Schuld und das Gefühl, einen geliebten Menschen nicht gehen lassen zu können, sondern stattdessen an einer idealisierten bzw. Fantasie-Version dieser Person festzuhalten, die ein Zurückfinden zur Normalität beeinträchtigt.

Fazit über Inception

Inception war mir an einigen Stellen zu actionlastig, denn ich fand, dass die Themen ein solch visuelles Aufbauschen nicht nötig gehabt hätten. Besonders die Verfolgungsjagden durch eine Schneelandschaft, die mich stark an James Bond-Filme erinnerten, hätten stark gekürzt werden können. Von diesen Längen abgesehen ist Inception aber ein unterhaltsamer Film mit nachvollziehbarer Botschaft, glaubwürdiger Hauptfigur und dem spannenden Thema des Träumens. Empfehlenswert!

Infos zum Film

Inception
USA/GB, 2010
148 Minuten
Filmverleih: Warner Bros.
Regie und Drehbuch:
Christopher Nolan

mit Leonardo DiCaprio,
Joseph Gordon-Levitt,
Michael Caine, Ellen Page

FSK: frei ab 12 Jahren

 

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