Looper (Rian Johnson)

Filmplakat Looper

Filmplakat Looper © 2012 Concorde Filmverleih GmbH

Dass man mit Zeitreisen den Lauf der Geschichte verändern und dabei ziemlich viel Mist bauen kann, weiß man spätestens seit „Terminator“. Daher wundert es nicht, dass in „Looper“ Zeitreisen verboten werden, kaum dass sie erfunden sind.

Aber wie mit allen verbotenen Dingen findet sich auch hier jemand, der die Sache zu Geld macht. Verschiedene Verbrecher-Organisationen nutzen Zeitreisen, um ungeliebte Personen von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Denn auch Leichen entsorgen ist in der Zukunft um einiges schwieriger. Und so haben sich regelrechte Auftragsmord-Unternehmen gebildet, die  im Jahr 2074 alles vorbereiten, was nötig ist, das Opfer überwältigen, fesseln und mit auf dem Rücken festgeklebten Silberbarren und einem Sack über dem Kopf ins Jahr 2044 schicken, wo bereits ein sogenannter Looper wartet und nur noch abdrücken muss. Die Silberbarren beweisen, dass der Looper seine Arbeit getan hat, und sind gleichzeitig Bezahlung.

Da es meist nicht gut ausgeht, wenn man sich mit Verbrecher-Syndikaten einlässt, wissen die Looper schon früh, welches Schicksal sie erwarten wird. Irgendwann wird ihr „Loop geschlossen“, d. h. sie werden von ihrem ehemaligen Arbeitgeber ausfindig gemacht und ins Jahr 2044 geschickt, um getötet zu werden. Von sich selbst. Dafür gibt’s aber dann auch keine Silber-, sondern Goldbarren. Und für die wenig zukunftsorientierten Looper einen Grund zum Feiern.


 

Gesellschaft der Alternativlosigkeit

Auch Joe (Joseph Gordon-Levitt) ist Looper. Wirklich viele Möglichkeiten hat man im Jahr 2044 auch nicht. Die Straßen sind angefüllt mit Obdachlosen, die Stadt wird offensichtlich von Verbrechern regiert, und wer Geld verdienen möchte, muss dafür bereit sein, sich mit denjenigen einzulassen, die es haben. Und das Leben als Looper hat durchaus seinen Reiz: Niemand sonst in dieser heruntergekommenen Welt kann sich Sportwagen oder teure Kleidung leisten, und diese Statussymbole erlauben es einem, sich ganz leicht über das Wohlergehen anderer hinwegzusetzen. Das Ganze für 15 Sekunden Arbeit am Tag – da fällt es den Loopers leicht, keinen Gedanken an die Zukunft zu verschwenden. Hilfreich dabei ist auch die Verfügbarkeit der Drogen, die man sich in die Augen tropft – und wodurch man in doppeltem Sinn nicht mehr sieht, was um einen herum passiert. Und so genießt Joe sein Leben zwischen Auftragsmord, Party und Rausch, und macht sich keine großen Gedanken, als nach und nach immer mehr Loops geschlossen werden.

Eines Abends jedoch steht sein bester Freund Seth (Paul Dano) vor Joes Tür und bittet um Schutz, denn er hat das einzige getan, was ein Looper wirklich lassen sollte: er hat sein älteres Selbst laufen lassen. Joe bietet Seth kurzzeitig Asyl. Vor die Wahl gestellt, den Freund oder sein gehortetes Silber zu verlieren, entscheidet sich Joe jedoch dafür, Seth an seine Auftraggeber auszuliefern. Und was die mit ihm machen, ist nicht schön und einer der Gründe, dass „Looper“ erst frei ab 16 ist.

 

Sein künftiges Ich töten

Joe trifft auf sich selbst - Szenenbild aus "Looper"

Joe trifft auf sich selbst – Szenenbild aus „Looper“       © 2012 Concorde Filmverleih GmbH

Joe macht sich zum ersten Mal ein paar Gedanken über sein Leben und sogar Vorwürfe, dass er Seth ans Messer geliefert hat. Doch lange hat er dazu keine Zeit, denn schon bald steht sein eigenes, um 30 Jahre älteres Ich (Bruce Willis) vor ihm – allerdings ohne Sack über dem Kopf, wie es sonst üblich ist. Der jüngere Joe ist einen Moment lang überrascht und somit unaufmerksam, was genügt, dass er überwältigt wird und sein Loop flieht. Damit ihn nicht das gleiche Schicksal ereilt wie seinen Freund Seth, muss Joe nun alles daran setzen, seinen Loop zu schließen und sich somit selbst zu jagen. Der ältere Joe dagegen muss sein jüngeres Ich beschützen – denn schließlich bedroht alles, was diesem widerfährt, seine Existenz.

Doch Joe aus der Zukunft hat außerdem eine Mission: Dass plötzlich so viele Loops geschlossen wurden, liegt daran, dass die Verbrecher-Syndikate einen neuen, besonders brutalen Boss – den „Regenmacher“ – haben, der nicht nur einen persönlichen Rachefeldzug gegen sämtliche Looper führt, sondern auch Joes Frau getötet hat. Im Jahr 2044 müsste dieser Mann noch ein kleines Kind und somit ein leicht zu lösendes Problem sein, und Joe senior hat ein paar Anhaltspunkte, die die Zahl der möglichen Kandidaten auf drei beschränken. Und so werden beide Joes von der Looper-Organisation gejagt, während sie selbst versuchen, ihre eigene Haut zu retten, indem sie jemand anderen töten.

 

Gute Idee mit leichten Logik-Schwächen

Bruce Willis dreht auf - Szenenbild aus "Looper"

Bruce Willis dreht voll auf – Szenenbild aus „Looper“ © 2012 Concorde Filmverleih GmbH

Die Idee hinter „Looper“ ist faszinierend – Zeitreisen, die für illegale Zwecke eingesetzt werden, das eigene, ältere Selbst als Gegner, weil sich die eigenen Ziele über die Zeit geändert haben, und eine Welt, die eine ganze Generation eiskalter Mörder hervorbringt, die nicht mal davor zurückschrecken, sich selbst zu töten, nur um im Hier und Jetzt ein gutes Leben zu führen. Die Darstellung der Gesellschaft, in der man nur die Wahl hat, obdachlos oder ein Verbrecher zu sein, ist sehr überzeugend. Die Story ist jedoch in der ersten Stunde des Films deutlich besser als in der zweiten.

Manchmal hat man auch den Eindruck, dass „Looper“ sich nicht so richtig entscheiden kann, was er denn nun sein will. Das Zeitreise-Thema dient mehr als Hintergrund denn als eigentlicher Inhalt, und über weite Strecken ist „Looper“ ein Action-Spektakel. Später, als man den noch sehr jungen Regenmacher trifft, bekommt der Film Horror-Züge und selbst Film Noir-Ambitionen wie die Erzählung aus dem Off und der moralisch sehr fragwürdige „Held“ der Geschichte lassen sich erkennen.

Vor allem jedoch hat „Looper“ einige Logik-Schwächen. Gerade das Thema Zeitreisen (in die Vergangenheit) ist natürlich sehr anfällig dafür, da alle Handlungen Auswirkungen auf die eigene Zukunft haben, in der die Zeitreise erst gemacht wird. Und hier gibt es viele Stellen, an denen sehr schnell auffällt, dass sich eigentlich die ganze Geschichte ändern müsste, weil der junge Joe durch sein Verhalten die Vergangenheit des alten Joe ändert. Und gerade das Ende ist in dieser Hinsicht meiner Meinung nach nicht richtig durchdacht. Stattdessen wurde mehr Wert auf „lustige“ Zeit-Sprüche gelegt („In 30 Jahren ist es gestern.“).

Doch nicht nur der Zeitreise-Thematik fehlt es an Stimmigkeit. Das ganze Konzept der Loopers wird in Frage gestellt, als man im Jahr 2074 Joes Frau tötet – schließlich ist der Grund für den ganzen Aufwand mit den Zeitreisen, dass man in der Zukunft keine Leichen mehr verschwinden lassen kann. Auch die Figurentwicklung ist nicht ganz einleuchtend. Dem jungen Joe, der im Hauptberuf eiskalter Killer ist, ist das Leben eines fremden Kindes wichtiger als seine eigene spätere Existenz, während der ältere, angeblich geläuterte Joe nicht davor zurückschreckt, zur Not auch ein paar unschuldige Kinder zu töten, um auf jeden Fall den Regenmacher zu erwischen.

Trotz dieser Schwächen kann man sich „Looper“ durchaus ansehen. Allerdings sollte man nichts gegen Action-Filme haben, nicht allzu zart besaitet sein – und vor allem nicht alles hinterfragen. Aber das muss man ja auch nicht.

Infos zum Film

Looper
USA, 2012
118 Minuten
Filmverleih: Concorde
Regie: Rian Johnson
Drehbuch: Rian Johnson
mit Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis,
Emily Blunt, Jeff Daniels, Paul Dano
FSK: frei ab 16

 

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